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    Nazi-Propaganda im Netz: Mayener gesteht

    Sie feierten Joseph Goebbels als "Helden fürs Vaterland" - das zumindest wirft die Staatsanwaltschaft Koblenz 18 Männern zwischen 20 und 37 Jahren vor. Sie müssen sich derzeit wegen Volksverhetzung vor dem Landgericht Koblenz verantworten.

    Männer müssen sich vor Gericht verantworten.
    Männer müssen sich vor Gericht verantworten.
    Foto: dpa

    Koblenz - Sie huldigten Adolf Hitler. Sie verherrlichten die Verbrechen Heinrich Himmlers. Sie feierten Joseph Goebbels als "Helden fürs Vaterland" - das zumindest wirft die Staatsanwaltschaft Koblenz 18 Männern zwischen 20 und 37 Jahren vor.

    Sie müssen sich derzeit wegen Volksverhetzung vor dem Landgericht Koblenz verantworten (wir berichteten). Die Männer aus ganz Deutschland betrieben im Internet ein sogenanntes "Widerstandsradio" und verbreiteten damit von Mai 2009 bis November 2010 rechtsradikale Musik - so die Anklage. Ihnen drohen bis zu fünf Jahre Haft.

    Einer der Hauptangeklagten, ein 35-Jähriger aus Mayen, legte am zweiten Prozesstag ein Geständnis ab. Er gab zu, für den Radiosender als Moderator gearbeitet zu haben. Und er gestand, dass er im "Sprechraum" der Internetseite Diskussionen als Administrator begleitet hat. Er nannte sich "RachefürHeß", sein Bild zeigte den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß mit einer Hakenkreuzarmbinde. Er gab zu, 111 verbotene Lieder im Internet gespielt zu haben - darunter das Horst-Wessel-Lied, eine nationalsozialistische Hymne. In einem anderen gespielten Lied heißt es: "Führer Adolf, steig' hernieder und regiere Deutschland wieder." Weitere Liedtexte schimpften über "Bimbos", "Nigger" und "Polacken". Der Vorsitzende Richter Hans-Georg Göttgen fragte den Mayener, warum er derartige Musik verbreitet hat. "Dafür habe ich keine Erklärung", erwiderte der 35-Jährige, der auch in der NPD aktiv war. Er habe damals "eine nationalsozialistische Grundeinstellung" gehabt. "Aber heute ist für mich die ganze braune Scheiße vorbei", behauptete er.

    Das "Widerstandsradio" lief laut Anklage rund um die Uhr und war weltweit zu empfangen. Die 18 Angeklagten spielten insgesamt 154 illegale Lieder, viele davon mehrfach. Die Lieder verherrlichten das Dritte Reich und leugneten den Holocaust. In Spitzenzeiten sollen gleichzeitig 120 Hörer das Radioprogramm verfolgt haben. Ziel des Senders war es, zur Gewalt gegen Ausländer, Juden und Kommunisten anzustacheln und sie "als minderwertige Hassobjekte" zu diffamieren - so die Anklage.

    Der Mayener hat auch gestanden, 2010 den jüdischen Friedhof seiner Heimatstadt geschändet zu haben. Demnach betrank er sich erst mit zwei "Kameraden", dann stießen sie zwölf Grabsteine um.

    Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

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