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Nierendorf

Nach dem Unglück beim Maibaumaufstellen: Tiefe Trauer um 15-Jährigen

Mitgefühl, Trauer und Fassungslosigkeit sind auch zwei Tage nach dem tödlichen Unglück beim Maibaumaufstellen in Nierendorf (Kreis Ahrweiler) greifbar – im Ort und weit darüber hinaus. „Der Heimat- und Bürgerverein Nierendorf ist in Gedanken bei der Familie und den Freunden des Verunglückten“, heißt es beispielsweise auf der Internetseite des Dorfes. Am Sonntag war ein 15-Jähriger in der Grube, in der der Maibaum verankert werden sollte, vom Stammende getroffen worden und später in der Uniklinik Bonn an seinen schweren Verletzungen gestorben. Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat die Ermittlungen aufgenommen.

Kerzen am Unglücksort: Ausdruck der Trauer, wo Worte fehlen.  Foto: Vollrath
Kerzen am Unglücksort: Ausdruck der Trauer, wo Worte fehlen.
Foto: Vollrath

Das Opfer gehörte der Jugendfeuerwehr Grafschaft an, dort ist die Betroffenheit besonders groß. „Wir sind tief bestürzt über den tragischen Verlust eines sehr jungen Kameraden der Jugendfeuerwehr“, schrieb die Freiwillige Feuerwehr bei Facebook. „Wir blicken immer noch fassungslos auf das Geschehene zurück und können wie so viele in diesen Stunden nicht begreifen, was dort passiert ist.“

Noch am Montagabend hatte der Grafschafter Bürgermeister Achim Juchem die Mitglieder der Jugendfeuerwehr, den beim Maibaumaufstellen federführenden Junggesellenverein „Gemütlichkeit“ Nierendorf und die am Sonntag eingesetzten Notfallseelsorger in die Alte Schule Nierendorf geladen, um das schreckliche Erlebnis aufzuarbeiten. „Das war kein einfacher Termin, aber es hat gut getan, zusammenzukommen und zu reden“, sagte Juchem unserer Zeitung. Mit 20 Teilnehmern, vielleicht weniger, hatte man gerechnet – es kamen rund 80. Neben vielen jungen nahmen auch einige ältere Menschen teil, um anschließend mit einem Gebet in der Pfarrkirche des Getöteten zu gedenken.

Tief sitzt der Schock auch bei den übrigen Junggesellenvereinen in der Grafschaft. Die Gemeinde hat angeregt, in den Ortsteilen dieses Jahr keine Maibäume aufzustellen. Diese werden gewöhnlich zur Verfügung gestellt – dieses Jahr jedoch nicht: Vor dem Hintergrund des Unglücks hat sich der zuständige Förster geweigert, entsprechende Bäume zu schlagen.

Dort, wo dennoch ein Maibaum gestellt wird, soll es besondere Aktionen zum Gedenken an den getöteten 15-Jährigen geben. Der Junggesellenverein St. Hubertus Bölingen beispielsweise will ein Zeichen setzen und seinen Maibaum schwarz schmücken. „Möglicherweise streichen wir ihn auch ein Stück weit schwarz an“, sagt André Weltjen, Präsident des Junggesellenvereins „Eintracht“ Gelsdorf. Diesem Beispiel folgen auch Junggesellenvereine außerhalb der Grafschaft. In Löhndorf etwa werden zum Gedenken in der Baumkrone neben den üblichen bunten auch schwarze Bändchen aufgehängt, wie Junggesellenhauptmann Julian Thiem erklärt.

Unterdessen deutet sich an, dass sich die Klärung der genauen Unfallursache noch hinziehen kann. Zur angeforderten Analyse eines Sachverständigen teilte der Koblenzer Oberstaatsanwalt Rolf Wissen am Dienstag mit: „Nach meinen bisherigen Erfahrungen gehe ich davon aus, dass das Gutachten frühestens in sechs Wochen vorliegen dürfte.“ Laut Polizei hatte der 15-Jährige die Grube, in der der Maibaum befestigt werden sollte, gereinigt. Der Stamm sollte angehoben werden, rutschte aber plötzlich ungeplant in die Betoneinfassung und verletzte den Jugendlichen so schwer, dass dieser kurz darauf in der Uniklinik Bonn starb. Der Maibaum lag auch gestern noch in zwei Teilen vor dem Gerätehaus der Nierendorfer Feuerwehr, wo er hatte aufgestellt werden sollen.

Von unseren Reportern

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