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Volkesfeld

Ministranten missbraucht: Eifeler entsetzt über Tat von Bischof Müller

Sie sind geschockt und konsterniert. Die Menschen in dem kleinen Eifelort Volkesfeld können nicht fassen, welche Schuld einer ihrer Söhne auf sich geladen hat: Der ehemalige katholische Bischof Georg Müller hat gestanden, vor 20 Jahren einen Ministranten missbraucht zu haben.

Hat gestanden, vore 20 Jahren einen jungen Ministranten missbraucht zu haben: Bischof Georg Müller
Hat gestanden, vore 20 Jahren einen jungen Ministranten missbraucht zu haben: Bischof Georg Müller

Es ist nicht nur das Gesprächsthema in Volkesfeld (Kreis Mayen-Koblenz). Auch Georg Müllers geistliche Weggefährten sind entsetzt. Entsetzt auch über die Dreistigkeit des Kirchenmannes, der sogar noch an Weihnachten 2009 in Volkesfeld Messen zelebriert hat – da war er schon seit einem halben Jahr von seinem Amt als Bischof von Trondheim in Norwegen zurückgetreten. Nicht etwa aus Altersgründen, sondern weil er einen Ministranten sexuell missbraucht hatte.

Der 58-jährige Müller war 1972 den Arnsteiner Patres beigetreten. Am 18. März 1978 wurde er zum Priester geweiht. 28 Jahre lang wirkte der Geistliche in Norwegen, wo er seit 1997 Bischof des Bistums Trondheim war. Im Juni 2009 hatte er während einer Predigt überraschend seinen Rücktritt verkündet. Damals wurden aber andere Gründe dafür angegeben. Heute kennt man den wahren Hintergrund: Gegen Bischof Müller liefen seit Januar 2009 Ermittlungen, weil er vor 20 Jahre einen Jungen sexuell missbraucht hat. Details des Missbrauchsfalls will man auf Wunsch des Opfers, das heute 30 Jahre alt ist und anonym bleiben möchte, nicht öffentlich machen. Nur so viel: Der Mann hat nach Kirchenangaben eine Entschädigung von 50 000 Euro bekommen. Strafrechtlich ist der Fall verjährt.

Seine kirchlichen Kollegen in der Eifel zeigen sich betroffen und aufgewühlt. Der Provinzial der Arnsteiner Patres, Pater Heinz-Josef Catrein, und Pater Ralf Birkenheier, Pfarrer in der Pfarreiengemeinschaft Mendig haben ein paar Jahre gemeinsam mit Georg Müller studiert. Catrein spricht von „zwei Menschen, die schwer geschädigt sind“: Das Opfer und Müller. „Das Opfer hat Vorrang“, betont der Geistliche.

Mitbrüder entsetzt

Ralf Birkenheier verbrachte einige Jahre gemeinsam mit Müller in einem Kloster. „Ich hätte ihm eine solche Verfehlung nie zugetraut“, sagt er. Die Missbrauchsfälle treiben ihn um. „Ich hoffe und bete dafür, dass wir keine sterile Kirche werden müssen, in der ich als Pastor Angst haben muss, ein Kind, einen Jugendlichen in den Arm zu nehmen – und sofort in Verruf gerate, oder man mir etwas andichtet“, so der Geistliche. „Männer haben den Missbrauch nicht begangen, weil sie Priester oder kirchliche Mitarbeiter sind, sondern obwohl sie es sind! Das ist schlimmer. Und dafür kann es keine Entschuldigung geben.“

Müllers Arnsteiner Mitbruder Pater Kurt aus Kempenich, der unter anderem für die Pfarrgemeinden Rieden und Volkesfeld zuständig ist, betont: „So etwas traut man keinem in einer solchen Position zu“. Pater Rainer Gaipl, der sieben Jahre in Rieden und Volkesfeld als Kooperator eingesetzt war, weiß, dass Müller regelmäßig seine Verwandten in der Region besuchte und dort mit Genehmigung des Trierer Bistums, Firmungen feierte.

„Ja, der Bischof von Trondheim war in Volkesfeld ein gern gesehener Gast“, ergänzt Ortsbürgermeister Rudolf Wingender. „Noch an Weihnachten 2009 hat er in unserer Marienkapelle die heiligen Messen zelebriert.“ Der Ortschef beschreibt Müller als einen intelligenten, weltoffenen Menschen. Egon Schüller, Amtsvorgänger Wingenders, hatte als Organist einige der Gottesdienste des Ex-Bischofs, musikalisch mitgestaltet.

Der Fall „Müller“ ist von der Glaubenskongregation in Rom und der für Norwegen zuständigen päpstlichen Nuntiatur in Stockholm nach deren Angaben „zügig“ untersucht worden. Als Bischof Müller mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, gab er den Sachverhalt zu, sein Rücktrittsgesuch wurde umgehend angenommen, am 7. Juni 2009 verabschiedete er sich von den Gläubigen in Trondheim. Auf mehrmaliges Befragen bestritt Müller, dass es sich um mehrere Vorfälle sexuellen Missbrauchs gehandelt hat. Weder bei der Kirche, noch bei der Justiz in Norwegen hätten sich weitere Opfer gemeldet, hieß es.

Therapie nach Rücktritt

Müller hat sich nach seinem Rücktritt einer Therapie unterzogen und ist nicht mehr seelsorgerisch, hieß es aus dem Vatikan. Dass er noch an Weihnachten einen Gottesdienst zelebriert hat – möglicherweise ist ihr das dort gar nicht bekannt.

Wo sich Georg Müller jetzt aufhält, ist unbekannt. Zuletzt soll er Gast eines katholischen Krankenhauses in Niedersachsens gewesen sein. Und auch dort Messen gefeiert haben.

Elvira Bell

Rheinland-Pfalz
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