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    St. Goarshausen

    Loreley: Nach Havarie im Rhein starten heute erste Talfahrten am Tankschiff "Waldhof" vorbei

    Die "Pugna Vitae" ("Kampf des Lebens") ist das Symbol der Hoffnung für die völlig entnervten Schiffer oberhalb des Tankers Waldhof: Sie war am Mittwochmorgen das erste Schiff, das nach der Havarie wieder talwärts an der Unglücksstelle vorbei fahren durfte. Der Grund ist die insgesamt entspannte Lage, seitdem die Explosionsgefahr in Tanks des gekenterten Tankschiffs gebannt werden konnte. Mindestens 450 Bootsmannschaften können sich nach langer Wartezeit langsam zum Aufbruch bereit machen.

    Es bewegt sich was an der Loreley: Die ersten der über 450 auf die Talfahrt wartenden Schiffe ziehen derzeit langsam am Havaristen bei St. Goarshausen vorbei.
    Es bewegt sich was an der Loreley: Die ersten der über 450 auf die Talfahrt wartenden Schiffe ziehen derzeit langsam am Havaristen bei St. Goarshausen vorbei.
    Foto: Werner Dupuis

    St. Goarshausen - Die "Pugna Vitae" ist das Symbol der Hoffnung für die völlig entnervten Schiffer oberhalb des Tankschiffs "Waldhof": Sie war am Mittwochmorgen das erste Schiff, das nach der Havarie wieder talwärts an der Unglücksstelle vorbei fahren durfte.

     

    Bei diesem Bild wird es vielen Schiffern trotz des schlechten Wetters warm ums Herz: Die "Pugna Vitae" fährt talabwärts an der "Waldhof" vorbei - Hoffnung für all die Schiffe, die zum Teil seit zwei Wochen festhängen.
    Bei diesem Bild wird es vielen Schiffern trotz des schlechten Wetters warm ums Herz: Die "Pugna Vitae" fährt talabwärts an der "Waldhof" vorbei - Hoffnung für all die Schiffe, die zum Teil seit zwei Wochen festhängen.

    Es ist ein heller Streif am Horizont für die vielen Hundert Schiffer, die in den Rheinhäfen oberhalb der Loreley festsitzen: Probeweise passieren wieder Schiffe den Unglücksort. Der Grund ist die insgesamt entspannte Lage, seitdem die Explosionsgefahr in Tanks des gekenterten Tankschiffs gebannt werden konnte.

    Gegen 9.35 Uhr konnte der erste Probefahrer die Unfallstelle beim havarierten TMS „Waldhof“ talwärts passieren. Bei dem ausgewählten Schiff handelte es sich um die „Pugna Vitae“ ("Kampf des Lebens"), ein 80 m langes, nicht beladenes Gütermotorschiff. Weitere sechs ausgewählte Schiffe wurden im Laufe des heutigen Morgens, begleitet von je einem Nautiker des Wasser- und Schifffahrtsamtes Bingen, am Havaristen vorbeigeführt.

    Um 8.30 Uhr waren die ersten von mehr als 450 wartenden Rheinschiffen flussabwärts gestartet, rund eine Stunde traf die "Pugna Vitae" an der Loreley ein. "Nur 150 PS Druck auf die Schraube" gab Kapitän Walter Krauth am Steuer seines 80 Meter langen Schíffs (viele ältere Fotos im Binnenschifferforum). Die Durchfahrt aber war dann eigentlich ein Kinderspiel: "Die Stelle zwischen Bank und Waldhof ist zwei, drei Mal so breit wie manche Durchfahrt in manchem Nebenfluss. Und jetzt, wo keine Explosionsgefahr mehr bestand..."

    21 Tage hatte auch sein Schiff festgelegen. "Wir hingen drei Stunden nach der Havarie fest." Neun Tage lag die "Pugna Vitae" vor Anker, versorgt vom THW. Dann hatte sich die Hoffnung endgültig erledigt, dass es schnell weitergeht. "Wir haben geschaut, dass wir Landverbindung bekommen." Das Warten ging weiter im Hafen Bingen.

    Krauth, Jahrgang 1948, ist Schiffer in zehnter Generation, den Namen hat das Schiff, "weil jede Generation doch ihren Kampf ums Überleben führt." Manchen Nackenschlag erlebe man als Schiffer - "aber das ist eine andere Geschichte". Die 21 langen Tage Wartezeit mit täglichen Kosten von rund 1000 Euro sei da nicht der heftigste. "Bei Hochwasser liegt man je nachdem auch schon mal 30 Tage in Nebenflüssen fest." Für die Schifffahrt insgesamt sei die Havarie am Gürtel in der Mitte des Rheins aber der heftigste Fall.

    Bei den Vorbeifahrten kontrollierten Experten mit Messinstrumenten, wie sich die Manöver auf den Wasserstand unmittelbar an der Waldhof auswirkten. Bisher traten keine Probleme auf. Die Chancen stehen gut, dass die wartenden Schiffe - allein mehr als 100 sitzen bei Mainz fest - ihre Fahrt wieder aufnehmen können und auf Deutschlands wichtigster Wasserstraße bald wieder Normalität einkehren kann.

    Das ist auch für viele rheinland-pfälzische eine wichtige Nachricht: Alternative Transportwege über Schiene und Straße verteuern Rohstoffe erheblich.

    "Schokoschiff" kann endlich wieder Ladung aufnehmen - der "Kampf des Lebens" geht weiter...

    So freut sich auch eine Schokoladenfabrik in Mannheim darüber, dass Krauth mit der "Pugna Vitae" wieder fährt. Er bringt regelmäßig Kakaobohnen aus Amsterdam nach Mannheim, war auch auf dem Weg rheinabwärts gewesen, um die nächste Ladung aufzunehmen. "Die haben ihre Kakaobohnen nun per Lkw begonnen und sind ganz glücklich, dass es wieder weitergeht." Am Donnerstagabend wird die "Pugna Vitae" in Amsterdam sein, am Freitag, so hofft Kraut, kann er die Ladung aufnehmen.

    Die Waldhof hat 2400 Tonnen Schwefelsäure an Bord. Messungen hatten ergeben, dass sich in den Tanks Wasserstoff gebildet hatte. Mithilfe von Stickstoff wurde das Gas aus den Tanks verdrängt.

    Flussabwärts war die Engstelle des Rheins gesperrt worden, weil befürchtet wurde, dass sich das mit Stahlseilen gesicherte Wrack wegen der Strömung losreißen könnte.

    Gesperrt bleibt jetzt zunächst die Bergfahrt. Allerdings konnten in den vergangenen Tagen etliche Schiffe in dieser Richtung fahren. Und Krauth vermutet: "Die werden, wenn alles gut verläuft, sicher Richtungsverkehr beschließen." Dann können bis zur endgültigen Bergung der Waldhof täglich einige Stunden in der einen Richtung Schiffe den havarierten Säuretanker passieren und einige Stunden in der anderen Richtung. Und die Schokoladenfabrik bekommt wieder Kakaobohnen von der "Pugna Vitae".

    Lars Wienand

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