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Kommentar: Buga eröffnet Menschen im Mittelrheintal eine Chance

Peter Burger

Die Parallele ist verblüffend: Auch Koblenz hatte sich einst für eine Bundesgartenschau in den Jahren 2013 oder 2015 beworben. Als Duisburg für 2011 zurückzog, erhielt die Rhein-Mosel-Stadt völlig überraschend den schnellen Zuschlag. Nur sieben Jahre vor dem Jahrhundert-Ereignis, das die Stadt völlig und (nachhaltig!) verändern sollte. Der plötzliche Zeitdruck brachte damals „Dampf auf den Kessel“.

RZ-Chefredakteur Peter Burger.
RZ-Chefredakteur Peter Burger.
Foto: Jens Weber

Nicht wenige resümieren heute: Das hat dem Projekt keineswegs geschadet. Im Gegenteil! Die Bundesgartenschau in Koblenz wurde bekanntlich ein grandioser Erfolg, der noch heute nicht nur in der Bundesgartenschaugesellschaft nachhallt: Nie erwartete 3,5 Millionen Besucher kamen ans Deutsche Eck und auf die Festung Ehrenbreitstein. Die Buga Koblenz war nicht nur ein Event- und Marketing-Erfolg, sie war auch finanziell die erfolgreichste: 13 Millionen Euro blieben am Ende sogar übrig – bei einem Invest von 102 Millionen, von denen das Land knapp die Hälfte trug.

Schöne Aussichten also auch für den Mittelrhein? Die Chancen jedenfalls stehen nach der Entscheidung am Donnerstag für das Rheintal gut. Und mit 11 Jahren Vorbereitungszeit (bis 2029) rückt ein Zeitziel greifbarer an den Horizont, zu dem zumindest einige der Vordenker, Entscheider und Macher noch in Diensten stehen dürften. Die Weichen gestellt werden freilich heute! Und da ist die Buga-Bewegung am Mittelrhein schon viel weiter, als es die Koblenzer zum vergleichbaren Zeitpunkt waren. Denn das größte Kapital heute sind die Menschen in der Region. Sie mitzunehmen, das lehrte der erfolgreiche Koblenzer Buga-Papst Hanspeter Faas, muss am Anfang aller Überlegungen stehen, ein solches Wagnis einzugehen. Das scheint dem Team um Innenminister Roger Lewentz und dem Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal schon jetzt gelungen zu sein. Es waren die Mittelrheiner beidseits des Stroms, die bei der Bereisung die Buga-Kommission am Mittwoch offensichtlich nachhaltig beeindruckten und damit – völlig losgelöst von der Konzeption – wesentlich zu der positiven Entscheidung beigetragen haben dürften. Die Spitze der Buga-Gesellschaft jedenfalls machte aus ihrer Begeisterung für die Anrainer kein Hehl.

Elf lange Jahre noch – und doch vergeht die Zeit so schnell: Denn am Mittelrhein wird es um wesentlich komplexere Themen (auch) der Infrastruktur gehen als bei jeder Ein-Standort-Buga je war. Es bietet sich die Riesen-Chance zum Einstieg in ein gewaltiges Strukturprogramm für eine der kulturell reichsten und zugleich strukturschwächsten Landschaften Deutschlands. Neben dem eigentlichen Buga-Aufwand, der schon (auch das lehrt Koblenz!) ein Dreifaches an privaten Investitionen nach sich ziehen wird, sollten politische Mandats- und Entscheidungsträger alle (Förder-)Möglichkeiten – auch auf Bundes- und EU-Ebene ausschöpfen, um in einer gewaltigen Kraftanstrengung das Tal wieder zu dem zu machen, was seinen Ruf einst weltweit begründet hat. Es geht nicht um eine „Blümchenschau“. Es geht darum, den Menschen, die hier leben, überhaupt wieder eine dauerhafte Perspektive zu bieten. Gerade den jungen! Mit einer Bundesgartenschau 2029 bietet sich ihnen endlich wieder die Chance, das Tal nicht mehr verlassen zu müssen.

Wie in Koblenz gilt: Nicht die Blumenschau ist das Ziel, sondern der wenn auch steinige Weg dorthin – aber mit der Aussicht auf einen nachhaltigen Erfolg!

E-Mail: peter.burger@rhein-zeitung.net

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