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Koblenz bangt um die Seilbahn: Gutachter war da – Unesco behandelt Thema voraussichtlich im Juni

Koblenz – Jetzt heißt es für Seilbahn-Fans abwarten und Daumen drücken: Am Donnerstag und Freitag war ein Vertreter des Internationalen Rats für Denkmalpflege Icomos in Koblenz und hat Informationen und Eindrücke für sein Gutachten gesammelt, das entscheidend für die Zukunft der Seilbahn sein könnte.

Beeinträchtigt die Talstation der Seilbahn die Basilika St. Kastor? Viele Politiker, Unternehmer, Amtsleiter und Bürgermeister sind überzeugt, dass die Gondeln über den Rhein das Welterbe Oberes Mittelrheintal eher bereichern als beeinträchtigten – und unterstützen damit die Stadt Koblenz.
Beeinträchtigt die Talstation der Seilbahn die Basilika St. Kastor? Viele Politiker, Unternehmer, Amtsleiter und Bürgermeister sind überzeugt, dass die Gondeln über den Rhein das Welterbe Oberes Mittelrheintal eher bereichern als beeinträchtigten – und unterstützen damit die Stadt Koblenz.
Foto: Sascha Ditscher

Koblenz – Jetzt heißt es für Seilbahn-Fans abwarten und Daumen drücken: Am Donnerstag und Freitag war ein Vertreter des Internationalen Rats für Denkmalpflege Icomos in Koblenz und hat Informationen und Eindrücke für sein Gutachten gesammelt, das entscheidend für die Zukunft der Seilbahn sein könnte.

Wird nur noch bis 2013 gegondelt? Ob die Seilbahn, hier im Bild von RZ-Leser Thorsten Kolb, länger bleiben kann, hängt auch von einem Gutachten ab.
Wird nur noch bis 2013 gegondelt? Ob die Seilbahn, hier im Bild von RZ-Leser Thorsten Kolb, länger bleiben kann, hängt auch von einem Gutachten ab.
Foto: Thorsten Kolb

Rund 24 Stunden lang war der Experte in der Stadt, ist mit der Seilbahn gefahren, hat den Schrägaufzug besichtigt und vor allem viele Gespräche geführt. Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig informierte den Stadtrat am Freitag über den Verlauf des Besuchs. Wie der Gutachter jetzt, nach seinem Besuch, zur Seilbahn steht, ist vollkommen offen: Öffentlich wird sich der Mann nicht äußern, sondern sein Gutachten erarbeiten und Icomos vorlegen. Daraufhin stimmt das Gremium über das Thema ab und gibt seine Einschätzung an die Unesco weiter. Wenn sich das Welterbekomitee dann im Juni in Kambodscha zu seiner jährlichen Sitzung trifft und voraussichtlich auch über die Zukunft der Koblenzer Seilbahn entscheidet, wird es sich auch auf das Icomos-Ergebnis stützen. „Dieses hat ein hohes Gewicht: Es ist relativ selten, dass sich die Unesco abweichend von Icomos positioniert“, erklärt der OB im Gespräch mit der RZ.

Umso wichtiger war also der Besuch des Delegierten in Koblenz. Die Stadt hat den Mann über die Historie des Projekts informiert: wie es zunächst ganz pragmatisch allein darum ging, für die Buga eine Verkehrsverbindung zur Festung zu schaffen – und ganz schnell und auch unerwartet klar wurde, dass die Seilbahn einen hohen emotionalen Wert für die Stadt und die Bürger hat. Dies konnte der OB untermauern mit dem einhelligen Votum des Stadtrats, dem Erfolg der Unterschriftenaktion und dem Ergebnis einer repräsentativen Bürgerbefragung, das passend zu dem Besuch vorlag.

89,8 Prozent der 500 befragten Koblenzer sind demnach „eher dafür“, dass die Seilbahn über das Jahr 2013 hinaus betrieben wird. 8 Prozent sind „eher dagegen“, nur 2,2 Prozent machen keine Angabe. Für den OB ein gutes Ergebnis: „Das zeigt, dass das Thema den Koblenzern nicht egal ist. Normalerweise haben in solchen Umfragen viel mehr Personen keine Meinung.“ Gemacht wurde die Befragung, um der Unesco zu zeigen, „dass das keine reine Kopfgeburt ist, sondern von der Bevölkerung gewollt“, betont Hofmann-Göttig.

Ein weiteres wichtiges Argument, das die Stadt gegenüber dem Icomos-Experten vorbringen konnte, ist die Anbindung der Festung Ehrenbreitstein an die Stadt: „Früher wurde die Festung nie als Teil der Stadt wirklich akzeptiert, aber plötzlich haben die Koblenzer die Festung als ihre Festung erlebt“, sagt Hofmann-Göttig. Und immerhin geht es um eines der bedeutendsten Monumente im Gebiet des Weltkulturerbes. Nun muss abgewogen werden, ob dies schwerer wiegt als die Nähe der Talstation zur Basilika St. Kastor – diese Nähe wurde von Anfang an von Denkmalschützern kritisiert.

Dies wird nun wohl die entscheidende Frage sein, nachdem es lange so schien, als würde alles an der Wirtschaftlichkeit der Seilbahn nach dem Ende der Buga hängen. „Tatsächlich sah ich bei der Wirtschaftlichkeit lange die größten Risiken und hatte die Befürchtung, dass Doppelmayr nicht weitermachen kann“, sagt der OB. Dann war die Betreiberfirma allerdings von den Zahlen im Nach-Buga-Jahr 2012 so positiv überrascht, dass sie zunächst zwei und dann – bei einem positiven Votum der Unesco – zusätzliche zehn Jahre weitermachen will.

In der Ratssitzung haben die Fraktionen einstimmig dafür gestimmt, dass nun die baurechtlichen Voraussetzungen für eine Verlängerung um zunächst zwei Jahre geschaffen werden. Für eine weitere Verlängerung muss das Unesco-Votum abgewartet werden. Nach weiteren zehn Jahren soll dann aber in jedem Fall Schluss sein, so der OB: „Das ist keine Salami-Taktik. Die maximale technische Betriebsdauer der Seilbahn liegt ohnehin bei 20 Jahren.“

Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

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