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    Kinderpornos: Seelsorger musste gehen

    Der Seelsorger des Mayener St.-Elisabeth-Krankenhauses ist vor drei Jahren verurteilt worden, weil er mehr als 130 kinderpornografische Bilder auf seinem Computer hatte. Erst kürzlich hat das Klinikum davon erfahren - der Geistliche wurde von seinen Aufgaben entbunden.

    Der Seelsorger des Mayener St.-Elisabeth-Krankenhauses ist 2010 verurteilt worden, weil er mehr als 130 kinderpornografische Bilder auf seinem Computer hatte. Erst jetzt hat das Klinikum davon erfahren - und die Konsequenzen gezogen.

    Mayen - Seine Vergangenheit hat den Seelsorger des Mayener St.-Elisabeth-Krankenhauses eingeholt. Der katholische Pfarrer ist bereits Mitte Mai vom bischöflichen Generalvikariat in Trier von seinen Aufgaben entbunden worden. Darum haben die Verantwortlichen des Gemeinschaftsklinikums Kemperhof Koblenz/St. Elisabeth Mayen gebeten, nachdem sie von der Vorgeschichte des 41-jährigen Geistlichen erfahren hatten: Der Mann war vor drei Jahren zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen verurteilt worden, weil er 138 kinderpornografische Bilder auf seinem Computer gespeichert hatte.

    Der Geistliche war im November 2010 an das Mayener Krankenhaus gekommen. Dort trat er als Seelsorger die Nachfolge des Pastors Hans Joachim Rupp an, der nach mehr als zehn Jahren im Dienst des Krankenhauses in eine Pfarreiengemeinschaft im Kreis Ahrweiler wechselte. Als Krankenhausseelsorger war es die Aufgabe des Geistlichen, den Patienten, deren Angehörigen sowie den Mitarbeitern zur Seite zu stehen. So war er etwa Gesprächspartner für Menschen, die sich mit bedrohlichen Diagnosen und Prognosen auseinandersetzen mussten. Darüber hinaus hat der Pfarrer auch Gottesdienste gefeiert und die Sakramente gespendet.

    Der neue Seelsorger wurde vom bischöflichen Generalvikariat ernannt, der zentralen Verwaltung des Bistums, die die Personalentscheidungen trifft. Mit der Ernennung zum Krankenhausseelsorger kehrte der Geistliche in den aktiven kirchlichen Dienst zurück, nachdem er zwei Jahre zuvor, im November 2008, als Pfarrverwalter einer Gemeinde in der Westeifel entpflichtet worden war. Auslöser waren seinerzeit die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Saarbrücken wegen des Besitzes kinderpornografischen Materials, die letztlich dann auch zur Verurteilung des Mannes geführt haben.

    Mit dem Leitbild nicht vereinbar

    Da das Urteil aus dem Jahr 2009 aber die Grenze von 90 Tagessätzen nicht überschritt, gab es keinen Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis des Geistlichen. Und das Generalvikariat habe im Zuge der Ernennung des Pfarrers zum Krankenhaus-Seelsorger nicht über diese Vorgeschichte informiert, teilt das Gemeinschaftsklinikum auf Anfrage mit. So war den dortigen Verantwortlichen seine Vorgeschichte bis zum 10. Mai nicht bekannt. Hätten sie von der Verurteilung gewusst, hätten sie umgehend darum gebeten, den Geistlichen nicht als Seelsorger zu ernennen, heißt es in der Stellungnahme des Klinikums. Und weiter: "Die Nichtinformation und die Vorgeschichte an sich sind mit unserem Leitbild nicht vereinbar."

    Doch Aufklärung gab es erst jetzt, nachdem der Geistliche bereits eineinhalb Jahre als Seelsorger am Mayener Krankenhaus tätig gewesen war. Nach RZ-Informationen bat ein Vertreter des Generalvikariats die Verantwortlichen des Klinikums um ein vertrauliches Gespräch. Bei diesem Treffen am 10. Mai erfuhren die kaufmännische Direktorin des St.-Elisabeth-Krankenhauses, Annemie Härig, und Personalleiter Georg Schmitz von der Vorgeschichte des Seelsorgers. Noch in diesem Gespräch soll Härig den Vertreter des Generalvikariats aufgefordert haben, den Seelsorger von seinen Aufgaben zu entbinden. Dieser Aufforderung, die tags darauf auch schriftlich bei Bischof Stephan Ackermann vorgebracht wurde, folgte das Generalvikariat.

    Dort möchte man den Vorgang nicht weiter kommentieren. "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zu konkreten Personalentscheidungen des Bistums grundsätzlich keine Auskunft geben", teilt Monsignore Stephan Wahl, der Direktor des Bereichs Kommunikation und Medien im Generalvikariat, auf Anfrage unserer Zeitung mit. Wahl versichert aber, dass in Fällen, in denen Priester wegen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen verurteilt wurden, "entsprechend den jeweils gültigen Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz verfahren" werde. Das gelte sowohl im Hinblick auf einen möglichen Einsatz als auch im Hinblick auf vorgeschriebene Informationspflichten an Vorgesetzte am jeweiligen Einsatzort. Die Erfahrungen mit den Leitlinien sollen in nächster Zeit ausgewertet werden, teilt Wahl weiter mit. Und: Bischof Stephan Ackermann könne sich eine Änderung der Normen "sehr wohl vorstellen".

    Problematische Personalsituation

    Das könnte in Zukunft für größere Transparenz sorgen, wenn Geistliche mit einer entsprechenden Vorgeschichte an eine neue Stelle versetzt werden sollen. Denn Vorgesetzte können sich nur mit Dingen auseinandersetzen, von denen sie wissen. Oder, wie es das Gemeinschaftsklinikum in seiner Stellungnahme formuliert: "Da wir nicht entsprechend informiert waren, hätten wir nicht anders handeln können." Hinweise auf ein problematisches Verhalten hat es bei dem Seelsorger nicht gegeben.

    Problematisch ist nach dessen Abgang vor sechs Wochen nun aber die seelsorgerische Situation am Krankenhaus. Zwar haben die Verantwortlichen für die Gottesdienste eine Vertretungsregelung gefunden. Aber eine Krankenhausseelsorge im vollen Umfang gibt es derzeit nicht.

    Von unserem Redakteur Hilko Röttgers

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