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Nürburg

Käufer gesucht: Das harte Ringen um die Rettung des Rings

Im Verkaufsprozess um die Traditionsrennstrecke Nürburgring sollen seit dem 15. Mai bereits mehr als 200 potenzielle Käufer ihr Interesse angemeldet haben – jetzt auch der zweitgrößte Automobilklub der Welt, der ADAC. Ob sich aber die Gelben Engel zum Retter des Rings aufschwingen oder nur zum großen Kreis der Neugierigen gehören, ist noch nicht ausgemacht.

Für das Formel-1-Rennen am 7. Juli sind bisher 45 000 Karten verkauft, obwohl das Weihnachtsgeschäft ausgefallen war. Die Sanierer hoffen auf eine noch größere Kulisse.
Für das Formel-1-Rennen am 7. Juli sind bisher 45 000 Karten verkauft, obwohl das Weihnachtsgeschäft ausgefallen war. Die Sanierer hoffen auf eine noch größere Kulisse.
Foto: dpa

Von unserer Redakteurin Ursula Samary

Mit viel Herzblut hat sich in aufgeheizter Stimmung auch ein Förderkreis Nürburgring gegründet. Seine Hoffnung: mit kapitalkräftigen Verbündeten in den Bieterkreis (siehe nebenstehender Bericht) einsteigen, damit "das Gemeinwohl" der bislang staatlichen Rennstrecke nicht unter die auf Rendite getrimmten Räder eines Finanzinvestors komme.

Beim komplizierten Zwangsverkauf dieser Spezialimmobilie ist für den Ring-Sachwalter Jens Lieser (Koblenz) und Sanirungsgeschäftsführer Thomas B. Schmidt wohl erst gegen Jahresende absehbar, wer mit dem notwendigen Kapital und einem Erfolg versprechenden Modell den Zuschlag erhalten könnte. In der ersten Phase des Zwangsverkaufs (lief eigentlich bis 12. Juni, aber noch Ausschlussfrist) muss ein potenzieller Käufer nur sein Interesse bekunden. Erst mit einer unterschriebenen Vertraulichkeitserklärung, sprich einer akzeptierten Verschwiegenheitspflicht, erhält ein Interessent von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG "grobe Informationen", wie der Sprecher der Sanierer, Pietro Nuvoloni, erklärt. Dazu gehören etwa wirtschaftliche, juristische und bautechnische Informationen, aber noch keine betriebswirtschaftliche Details.

Diese unverbindliche Phase nutzt auch der ADAC, um sich "überhaupt einen Einblick über Zahlen und Daten der Motorsportstätte Nürburgring zu verschaffen", wie ADAC-Sprecher Kay-Oliver Langendorff sagt. ADAC-Präsident Peter Meyer ist es wichtig, für "die Wiege des deutschen Motorsports" und ein "automobiles Kulturgut" alle Anstrengungen zu unternehmen, um den Ring im Sinne des Motorsports zu erhalten.

Ob aber der 1,8 Mitglieder starke Klub oder eine seiner wirtschaftlichen Töchter einsteigt oder/und mit der Region wie potenziellen Geldgebern an einer Lösung für die Rennstrecken sucht, ist noch völlig offen. Das sagt Langendorff, aber auch ADAC-Ehrenpräsident Otto Flimm, der vehement für den Breitensport auf der legendären Rennstrecke kämpft. Flimms Prognose: "Der ADAC wird kein beklopptes Bieterverfahren und keinen Preispoker mitmachen." Aber es sei dem Klub als Großveranstalter auch "nicht egal, wer am Ring das Sagen hat".

Echte Kaufinteressenten können sich in Phase zwei ein konkreteres Bild über den Nürburgring-Komplex machen. Sie werden dann aber auch aufgefordert, ein noch unverbindliches Preisangebot für den ganzen Komplex oder einzelne Teile zu machen. Im August und der beginnenden Phase drei geht es für Interessenten immer mehr ums Eingemachte. Wer noch im Rennen ist, erhält Einblick in einen virtuellen Datenraum. "Per Knopfdruck", so Nuvoloni, sind auch Umsatzzahlen von Rennstrecke, Feriendorf oder Hotel zu sehen. Erst dann gibt es Zugriff auf alle betriebswirtschaftliche Daten. Im November erwarten die Sanierer verbindliche Angebote vorlegen, "die mit Finanzierungsnachweisen hinterlegt sind" – für den gesamten Komplex oder einzelne Pakete des Komplexes, der mit 330 Millionen Euro Steuergeld in die Eifel geklotzt wurde und dessen Herzstück die beiden Rennstrecken sind. Für die legendäre Nordschleife und die Grand-Prix-Strecke können Investoren auch einzeln bieten. Sie müssen aber damit rechnen, dass ein kluges Konzept für beide den Vorrang erhalten könnte. An Auflagen erwarten Geldgeber, so Nuvoloni, allenfalls Vorgaben für den öffentlichen Zugang der Rennstecken. An dem Gesetz arbeitet das Land.

Nach diesem Zeitplan dürften die Sanierer also vermutlich im Dezember wissen, über welche ernsthaften Angebote zu reden und zu verhandeln ist. Dabei wollen sie sich auch nicht unter Zeitdruck setzen lassen und die Belange der Region im Blick haben. Am Ende unterbreiten sie dem Gläubigerausschuss einen Vorschlag. Der hat das letzte Wort. Übrigens: Ein Scheich oder Oligarch, der den Ring für sich exklusiv haben will, ist bisher nicht unter den Bietern.

Eins stellt Pietro Nuvoloni aber auch klar: "Den Nürburgring gibt es nicht zum Schleuderpreis." Der Marktwert errechnet sich nicht nur aus dem materiellem Wert, der sich nach den gerade bekannt gewordenen Gutachten noch auf rund 77 Millionen Euro beziffert. 53,9 Millionen Euro entfallen dabei auf die schon vor dem gigantischen Ausbau vorhandenen Rennstrecken. Die Sanierer haben "auch ein gutes Gefühl" dafür, dass die weltweit bekannte Marke Nürburgring deutlich mehr wert ist. Da hilft es, dass sich der Veranstaltungskalender für 2014 bereits mit Publikumsmagneten ordentlich füllt.

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