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Rheinland-Pfalz

Invasive Nagetier-Art: Nutrias bereiten erste Probleme

Nutrias sehen auf den ersten Blick aus wie Biber, und wie Biber leben sie in Wassernähe. Doch die Nager sind eine invasive Art. Kommunen und Tierschützer appellieren: Bloß nicht füttern!

Nutria
Ein Nutria frisst Gras.
Foto: Philipp Schulze/Archiv – dpa

Sie buddeln sich durch Deiche und fressen die Ufervegetation: Die aus Südamerika stammenden Nutrias bereiten erste Probleme in Rheinland-Pfalz. Die Deichmeisterei Speyer berichtet laut Umweltministerium in Mainz, dass die Stabilität der direkt am Fluss liegenden Deiche durch die Erdhöhlen der Nagetiere gemindert sein kann. In Neustadt an der Weinstraße ist die Stadtverwaltung besorgt, weil sich in einer Gasse gleich 14 Nutrias angesiedelt haben. Sie fürchtet, dass Kinder gebissen und mit Salmonellen und Trichinen infiziert werden könnten.

Nutrias, die auf den ersten Blick Bibern ähneln, aber einen runden Schwanz aufweisen, haben sich in den vergangenen Jahren auch in Rheinland-Pfalz erheblich ausgebreitet. Nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes sind die anhaltend milden Winter einer der Gründe dafür. Nach Deutschland kamen sie, weil sie seit den 20er Jahren in Pelztierfarmen gehalten wurden. Von dort konnten immer wieder einzelne Exemplare entkommen, wie der Naturschutzbund (Nabu) berichtet. Andere Tiere wurden wohl gezielt ausgesetzt.

Die oft überhaupt nicht scheuen Tiere tauchten schon in mehreren rheinland-pfälzischen Städten auf. In Koblenz wurde beobachtet, wie Nutrias Möhrenstücke aus den Händen von Spaziergängern nahmen. In Ludwigshafen, Trier und Mainz reden die Stadtverwaltungen von Einzelbeobachtungen; eine größere Zahl sei noch nicht gemeldet worden. «Die Stadt Mainz empfiehlt generell, Wildtiere nicht zu füttern – auch Nutrias nicht», erklärte ein Sprecher.

Diesem Appell schließt sich auch der Naturschutzbund Nabu an. «Werden die Tiere gefüttert, vermehren sie sich, dann wächst die Population», sagte Sprecherin Kerstin Schnücker. «Man tut der Natur nichts Gutes, wenn man Nutrias füttert.» Denn es handele sich um eine invasive Art. Die Tiere bedrohten durch ihre Gefräßigkeit die Biodiversität und gefährdeten geschützte Arten wie die Sumpfschwertlilie, die Gelbe Teichrose und die Gewöhnliche Seekanne.

Was aber tun? Nutrias werden nicht im Bundesjagdgesetz aufgeführt, das heißt sie können eigentlich nicht geschossen werden. Aufgrund ihrer Verbreitung werden sie aber in einigen Bundesländern bejagt, darunter Baden-Württemberg, Hessen und dem Saarland, nicht aber in Rheinland-Pfalz. Schnücker vom Nabu hält es ohnehin für «ziemlich unmöglich», eine etablierte Art durch Bejagung auszulöschen.

Die Tiere fühlen sich dort wohl, wo sie in selbstgegrabenen Erdhöhlen im Uferbereich oder in Schilfnestern wohnen können. Auf der Online-Plattform Artenfinder, die vom rheinland-pfälzischen Umweltministerium getragen und von Konat in Neustadt an der Weinstraße betreut wird, sind Sichtungen in Rheinland-Pfalz vor allem entlang der Oberrheinischen Tiefebene bis Worms eingetragen.

In einer Umfrage wollten die Struktur- und Genehmigungsdirektionen wissen, ob schon Probleme aufgetreten sind. Am Lingenfelder Altrhein, in Budenheim/Heidesheim und Oppenheim/Guntersblum wurden die Tiere demnach gesehen, Schäden seien dort aber nicht bekannt geworden, erklärte das Umweltministerium. Nur in Speyer seien «Probleme in der Unterhaltung von Hochwasserschutzanlagen oder Gewässern durch Nutria aufgetreten».

Das Ministerium empfiehlt, in besonders zu schützenden Bereichen Lebendfallen aufzustellen. Genau das wurde in Neustadt an der Weinstraße probiert. Neben Schildern mit der Bitte, die Tiere nicht zu füttern, wurden große Käfige mit Sellerie und Möhren bestückt. Aber die Nutrias gingen nicht in die Falle. «Die Tiere sind zu schlau», berichtete Stadtsprecherin Dagmar Staab. Dabei liebten sie das Gemüse eigentlich. «Vielleicht hätte man doch eine Rieslingschorle nehmen sollen.»


Nabu zu Nutrias

DJV Wild-Monitoring 2015

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