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Rheinland-Pfalz

Gutachter: Baugrund nicht Ursache für abgesackten Pfeiler an Schiersteiner Brücke

Keine Schlamperei bei der Bodenprüfung, kein versäumtes Gutachten an der Schiersteiner Brücke: Der Sachverständige des Landes, Wolfgang Krajewski, weist jeglichen Verdacht scharf zurück, der durch den vorläufigen Bericht des Bundesrechnungshofs entstanden ist. Seine feste Überzeugung: Der Bauunfall, der eine wochenlange Brückensperrung nach sich zog, ist weder mit einem instabilen Untergrund noch mit fehlenden Gutachten in Verbindung zu bringen. "Der Untergrund wurde ausreichend untersucht", sagt er. Bernd Hölzgen, Geschäftsführer des zuständigen Landesbetriebs Mobilität (LBM), findet die Untersuchungen sogar "mehr als ausreichend".

Der sechsspurige Ausbau der Schiersteiner Brücke dürfte inzwischen eine der berühmtesten Baustellen im Bundesgebiet sein. Ein Geotechniker betonte jetzt, dass der Untergrund ausreichend untersucht wurde.
Der sechsspurige Ausbau der Schiersteiner Brücke dürfte inzwischen eine der berühmtesten Baustellen im Bundesgebiet sein. Ein Geotechniker betonte jetzt, dass der Untergrund ausreichend untersucht wurde.

Von unserem Redakteur Dietmar Brück

Ortstermin auf der Mainzer Seite der Schiersteiner Brücke: Der braun gebrannte Mann mit dem schlohweißen Haar ist Hochschulprofessor und Baugrundsachverständiger. Aber eine Traube von Journalisten schart Wolfgang Krajewski an der inzwischen so berühmten wie berüchtigten Brückenbaustelle um sich, weil er von Berufs wegen tief gräbt, sich mit dem Untergrund des Rheinübergangs zwischen Mainz und Wiesbaden auskennt.

Der Sachverständige des Ingenieurbüros CDM Smith ist sowohl auf der hessischen als auch auf der rheinland-pfälzischen Seite im Einsatz. Und er zählt akribisch auf, wie genau der Boden an jener Baustelle auf der Mainzer Seite geprüft wurde, die der inzwischen durchgehend sechsspurige Ausbau erfordert. Krajewski hat Pläne und Diagramme an den Baucontainer geklebt, doziert über Tief- und Flachgründungen. Und natürlich über alle Bohrungen, die vorgenommen wurden, um zu testen, ob die Brücke stabil steht.

Erkenntnisse aus dem Jahr 1959

Brückenbauingenieure denken offenbar in größeren Zeiträumen. Denn neben den Ergebnissen neuerer Bohrungen wurden auch die aus dem Jahr 1959 zu Rate gezogen, die für den Bau der Schiersteiner Brücke damals notwendig waren. Der Untergrund ändert sich all die Jahre nicht, erfahren die Journalisten. Die Schichten von Sand, Kies, Tonböden, Kalkstein und Meeresablagerungen bleiben weitgehend gleich. Zum Teil sind sie 20 Millionen Jahre alt.

Um Risiken abzuprüfen, erfolgten seit 2010 noch zig Bohrungen: 30 Meter tiefe Kernbohrungen, Bohrsondierungen und Rammsondierungen. Sie dienten dazu, die Stabilität des Untergrunds zu erforschen. Um Zweifel auszuräumen, betont Geotechniker Krajewski: "Es wurde direkt an besagtem Pfeiler gebohrt." Gemeint ist der Pfeiler, der am 10. Februar im Zuge der Bauarbeiten einsackte, zahlreiche Risse und eine Vollsperrung verursachte. Die Ursachen klärt ein Gutachten bis Mitte des Jahres. Bislang weiß man im Ministerium offenbar nur, woran es nicht lag.

Nun ist inzwischen bekannt, dass sich der – für den internen Gebrauch bestimmte – Entwurf des Bundesrechnungshofs unklar beim Punkt Bodengutachten ausdrückte. Gemeint war bei der Kritik, dass entsprechende Untersuchungen noch nicht zwischen der Anschlussstelle Mombach und Gonsenheim stattgefunden haben, also auf dem Stück Autobahn (A 643), das von der Schiersteiner Brücke zum Mainzer Kreuz führt. Aber auch hier hat man die Erkenntnisse aus dem Jahr 1959, heißt es jetzt beim Baustellentermin. Und dort wird laut Straßenbauverwaltung zusätzlich vertieft untersucht, wenn auch wirklich der sechsspurige Ausbau ansteht. Das kann noch ein paar Jahre dauern.

Totalverriss aus Berlin

Der Entwurf des Bundesrechnungshofs gleicht einem Totalverriss der rheinland-pfälzischen Planung an vielen Punkten: Demnach war sie unrealistisch, dauerte zu lange und nimmt zu viele Staus und Verzögerungen in Kauf. LBM-Chef Hölzgen widerspricht. Die Bewertung der beschädigten Vorlandbrücke mit 3,5, was die Berliner Prüfer mit "ungenügend" etikettieren, hält er für lange nicht so vernichtend. Eine solche Bewertung könne auch aus einem kaputten Geländer resultieren, wenn Fußgänger einen Übergang passierten. Dann sagt er: "3,5 haben etwa 20 Prozent der Brückenfläche in Rheinland-Pfalz."

Hinter den Kulissen werden ganz andere Fragen gestellt. Warum wurde die Untersuchung des Rechnungshofs nie kommuniziert? Warum brauchte das Innenministerium so lange, bis es sprechfähig war? Gerüchte kursieren, wonach die Hausspitze am Schillerplatz lange unzureichend ins Bild gesetzt wurde. Die CDU will derweil nicht lockerlassen. Haushaltspolitiker Gerd Schreiner kündigte eine Sondersitzung des Innenausschusses an. Sein Fazit: "Alles wird teuer und dauert länger. Wir werden auf Jahre im Stau stehen."

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