40.000
Aus unserem Archiv
Mainz

Für angeblich supersichere E-Mails: Mainzer Tobias Huch will Edward Snowden anheuern

Eine Riesen-PR-Nummer – oder vielleicht doch ein realistisches Angebot? Der umtriebige Mainzer IT-Unternehmer Tobias Huch möchte Edward Snowden zum Aufbau eines sicheren E-Mail-Dienstes anheuern.

Edward Snowden. Brillenträger, IT-Spezialist und Internetaktivist, fast unumstritten in Deutschland. Foto: Greenwald /Poitras DPA
Edward Snowden. Brillenträger, IT-Spezialist und Internetaktivist, fast unumstritten in Deutschland.
Foto: Greenwald /Poitras DPA

Von unserem Redakteur Lars Wienand

Ein vom Mainzer Tobias Huch geführtes Unternehmen bastelt an der nach eigenen Worten "besten E-Mail-Verschlüsselung der Welt". Das klingt aufwändig und das klingt danach, dass das junge Unternehmen Öffentlichkeit braucht. Zumindest beim zweiten Punkt könnte jetzt einer ungefragt helfen: Edward Snowden. Huch macht ihm ein öffentliches Job-Angebot. Gerade hatte Snowdens Anwalt laut der russischen Zeitung Rossiiskaya Gazeta erklärt, dass die Ersparnisse des Whistleblowers bald zur Neige gehen.

Huch hat nach eigenem Bekunden Snowdens E-Mail-Adresse und ihm das Angebot geschickt, auch das Büro des Grünen Hans-Christian Ströbele binde er ein. Welche technischen Fertigkeiten der Systemadministrator Snowden genau hat, weiß auch Huch nicht. Aber es sei ihm ernst: "Snowden kennt die Technik der Geheimdienste, er kennt sich mit Verschlüsselungstechnik aus. Er kann uns beraten, wie wir Infrastruktur besser machen können." Huch ist Geschäftsführer einer Mainzer Firma, die auf ihrer Homepage die "sichere E-Mail private.ki" bereits bewirbt und Einladungen zum Beta-Test ausspricht. "Snowden kann uns da noch helfen und auf Sicherheitslücken stoßen, an die wir vielleicht gar nicht gedacht haben."

Tobias Huch. Brillenträger, IT-Spezialist und Internetaktivist, nicht ganz unumstritten in Deutschland.
Tobias Huch. Brillenträger, IT-Spezialist und Internetaktivist, nicht ganz unumstritten in Deutschland.

In jedem Fall hilft der der Name, private.ki bekannter zu machen, die nach eigenem, Bekunden beste E-Mail-Verschlüsselung der Welt. Obwohl das Vorhaben eigentlich auf großes öffentliches Bedürfnis treffen dürfte, wird bislang kaum darüber gesprochen. Mit seinem etwas bizarren – "ich meine es ernst" – Vorschlag könnte sich das ändern. Huch geht sogar so weit, dass er von der Bundesregierung "die notwendigen Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen“ fordert, falls Snowden bereit sei, in Deutschland arbeiten zu wollen. Huch – Diplomat Er dürfte selbst wissen, dass der Vorstoß eher absurd ist. Deshalb hat er auch Plan B: Snowden könne auch per Home-Office von Russland aus arbeiten. "Ich würde ihn auch sehr gerne und jederzeit in Russland besuchen." Zuletzt war dementiert worden, dass Snowden für VK arbeitet, eine russische Konkurrenz zu Facebook.

Tobias Huch hat schon mehrfach bewiesen, dass er weiß, wie man ins Gespräch kommt. "Liberal, Leaks, Liberia" überschrieb unsere Zeitung einmal einen Text über den "schillernden Chef" der JuLis Rheinhessen. Unter anderem war Huch auch der Gründer einer Facebookseite "Gegen die Jagd auf Karl Theodor zu Guttenberg", die vor dem Rücktritt des damaligen Verteidigungsminister rasant Anhänger gesammelt hatte. Bereits als Schüler stand er in der Öffentlichkeit, weil er Seiten des Bundesjustizministeriums gehackt und auf eine Sicherheitslücke aufmerksam gemacht hatte. Später hatte er unter anderem einen gigantischen Datenskandal bei T-Mobile öffentlich gemacht hatte. Sein Engagement als Gründer einer Firma für Altersverifikationssystem für Erotikseiten und Verleger in dem Gebiet brachte ihm den Stempel Erotikunternehmer ein, wenn er auch inzwischen seinen Schwerpunkt verlagert hat und auch international als Berater tätig ist.

Mit Huchs Entwicklung private.ki sollen Privatnutzern und Firmen ihre gesamte E-Mail-Kommunikation abwickeln können – so sicher verschlüsselt, dass auch der Diensteanbieter sie nicht lesen könne. Für Privatanwender und Kleinunternehmen soll es eine Basis-Version geben, für Berufsgeheimnisträger eine Profi-Version. Huch zufolge basiert private.ki auf einer 4096-Bit-Verschlüsselung auf der Basis des bestehenden PGP-Programms. Im Unterschied dazu soll es aber für jeden Nutzer ohne Vorwissen kinderleicht zu nutzen sein. Durch Open Source soll transparent sein, dass das Programm keine Tücken hat. Zudem soll es eine Schnittstelle zu ähnlichen Entwicklungen geben. Auf der Crowdfunding-Plattform kickstarter.com hat Huch nach eigenem Bekunden 10.000 Dollar für den Plan gegeben, das "Dark Mail"-Protokoll von Lavabit von Entwicklern bereinigen zu lassen und Open Source zur Verfügung zu stellen.

Rheinland-Pfalz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Das Wetter in der Region
Montag

1°C - 7°C
Dienstag

2°C - 5°C
Mittwoch

2°C - 5°C
Donnerstag

1°C - 6°C

Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

Anzeige
Anzeige
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!