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    Flughafen HahnFlughafen-Hahn: Was genau prüfte die Consultingagentur KPMG?

    Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG gilt als eine der vier größten Gesellschaften der Branche, eine Firma mit rund 174 000 Mitarbeitern in 55 Ländern weltweit und einem hohen Renommee. Doch nun gerät das Frankfurter Unternehmen in ein wenig schmeichelhaftes Licht: Was haben die Wirtschaftsprüfer eigentlich beim Verkauf des Flughafens Frankfurt-Hahn genau geprüft und getan? Warum haben sie dem Land Rheinland-Pfalz einen Käufer besorgt, dessen Seriosität und Bonität derzeit massiv im Zweifel stehen?

    Nicht gerade üppig: Der Hahn-Käufer, die Shanghai Yiqian Trading Company (SYT), teilt sich ein 30-Quadratmeter-Büro mit einem anderen Unternehmen.
    Nicht gerade üppig: Der Hahn-Käufer, die Shanghai Yiqian Trading Company (SYT), teilt sich ein 30-Quadratmeter-Büro mit einem anderen Unternehmen.
    Foto: dpa

    Von unserer Mitarbeiterin Gisela Kirschstein

    "Ich bin bestürzt über das Handeln einer weltweit agierenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaft", sagt Christoph Brützel, Professor für Luftverkehrsmanagement an der Internationalen Hochschule in Bad Honnef. Bei der KPMG dürfe man erwarten, dass man sich professionellen Spezialisten anvertraue - dass die am Ende einen allem Anschein nach fragwürdigen Käufer für den Flughafen vorgeschlagen haben sollten, sei schwer vorstellbar. "Da darf so etwas nicht passieren", sagte Brützel.

    Das Land Rheinland-Pfalz hatte am Mittwoch überraschend den Verkaufsprozess für den Flughafen Hahn an die Shanghai Yiqian Trading Company (SYT) vorläufig gestoppt, weil das Unternehmen eine vereinbarte Teilzahlung nicht bis zum 10. Juni überwiesen hatte. Mehr noch: Auf Anforderung legten die Chinesen bislang auch geforderte Unterlagen nicht vor, die nachgewiesen hätten, dass man überhaupt an dem Geldtransfer arbeitet. Ist der Käufer aus Schanghai also nur eine Luftnummer, wie jetzt Beobachter befürchten?

    Das Land verweist auf die KPMG: Die habe den Käufer überprüfen sollen und auch den Auftrag gehabt, vor Ort nachzusehen, sagte Lewentz am Donnerstag. Von der KPMG heißt es dazu: "Zusätzlich zu unserem Auftrag hat sich ein Mitarbeiter von KPMG die Räumlichkeiten des Käufers SYT vor Ort angesehen." Zwei Aussagen, die nicht zusammenpassen. Weitere Angaben dazu, was man denn dort vorgefunden hat, macht die KPMG nicht. Journalisten hingegen fanden am Firmensitz der SYT lediglich ein rudimentäres Büro ohne Firmenschilder, das sich offenbar auch noch mehrere Firmen teilten.

    Das Land müsse den genauen Prüfauftrag an die KPMG sowie mögliche Gutachten oder Expertisen "noch heute öffentlich machen", forderte deshalb CDU-Fraktionsvize Alexander Licht am Freitag. Geschehen ist das bislang nicht. Das Ministerium leitete aber schriftliche Antworten der KPMG auf Journalistenfragen weiter. Demnach lautete der Auftrag, den das Land der KPMG erteilte: "Beratung des Landes bei der Vorbereitung und Durchführung eines Ausschreibungsverfahrens". Konkret habe das die Vorbereitung und Durchführung der internationalen Ausschreibung sowie des Bieterverfahrens bedeutet, die Beratung und Unterstützung des Auftraggebers bei den Verhandlungen sowie die Abstimmung mit der Europäischen Union.

    Zum Auftrag gehörte laut KPMG auch "die Erstellung und Zusammenführung der notwendigen Unternehmensdokumentationen" für ausgewählte Bieter sowie die Organisation und Abwicklung der sogenannten Due Diligence-Prüfung - also die Risikoprüfung. "Gemäß Auftrag", heißt es vonseiten der KPMG weiter, sei "auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen" ein "limited research", also eine begrenzte Überprüfung auf Bonitätsrisiken und Gesetzesverstöße durchgeführt worden. Dies hat das Land im August 2015 beauftragt, als das Bieterverfahren weiter fortgeschritten war. In China seien "unter anderem" solche Verzeichnisse wie das staatliche "Business Credit Information Search System of Enterprises", die "Shanghai State Administration for Industry & Commerce" sowie "zahlreiche Datenbanken", unter anderem des nationalen Korruptionsbüros, geprüft worden. In Deutschland habe man "unter anderem" Handelsregister-, Bundesanzeiger- und Creditreform-Auskünfte eingeholt, ließ die KPMG außerdem wissen.

    Spurensuche: In diesem Bürogebäude in Schanghai "residiert" die Shanghai Yiqian Trading (SYT) im 15. Stockwerk des Gebäudes. Fotos: dpa
    Spurensuche: In diesem Bürogebäude in Schanghai "residiert" die Shanghai Yiqian Trading (SYT) im 15. Stockwerk des Gebäudes. Fotos: dpa
    Foto: dpa

    Das Ergebnis ging offensichtlich gut aus für die Hahn-Käufer: "Diese Abfrage hat keine Anhaltspunkte für Gesetzesverstöße oder eine fehlende Bonität der Shanghai Yiqian Trading Co. Ltd., ihrer Gesellschafter oder ihres Generalbevollmächtigten Dr. Yu Tao Chou ergeben", schreibt KPMG. Die SYT habe zudem auf Verlangen des Landes "eine haftungsbewehrte rechtliche Stellungnahme (sog. Legal Opinion) einer chinesischen Rechtsanwaltskanzlei vorgelegt". Darüber hinaus habe die SYT "wiederholt einen Liquiditätsnachweis in Form eines Kontoauszuges vorgelegt, der Liquidität deutlich oberhalb des Kaufpreises aufwies".

    Wie ein Kontoauszug zu bewerten sei, "wissen wir ja seit dem Nürburgring", sagte dazu Licht unserer Zeitung - auch damals legte der vermeintlich millionenschwere Käufer einen Kontoauszug vor. "Ein Tagesauszug sagt noch nichts über die Dauerliquidität des Käufers aus", betonte Licht: " Warum hat die Landesregierung nicht einen Geldnachweis auf einem deutschen Konto verlangt?"

    Die Beratungsgesellschaft KPMG habe offensichtlich den Verkaufsprozess begleitet, aber nicht bestimmt - das habe die Landesregierung getan, sagt Licht. Und dabei "sollte Schnelligkeit vor Gründlichkeit gehen und der Verkauf durchs Parlament gepeitscht werden". Das gesamte Verfahren müsse offengelegt werden, forderte der Oppositionspolitiker. Dann allerdings "würde die Öffentlichkeit sehr schnell erkennen, auf welchen Glückskeksen sich das Zukunftskonzept aufbaut", fügte er hinzu.

     

    Vom chinesischen Hoffnungsträger zum Phantominvestor

    Anfang 2016: Es wird bekannt, dass unter den Interessenten für den Verkauf des Flughafens chinesische Investoren sind.

    5. Juni: Der Kaufvertrag mit einem chinesischen Bieter ist notariell besiegelt.

    6. Juni: Die Landesregierung macht weitere Details zu dem Käufer, der Shanghai Yiqian Trading Company, öffentlich. Der Generalbevollmächtigte Yu Tao Chou kündigt einen Ausbau des Frachtgeschäfts an.

    7. Juni: Erste Zweifel am neuen Käufer werden laut, da über ihn
    wenig bis nichts bekannt ist.

    9. Juni: In einer Sondersitzung dreier Landtagsausschüsse wird über den Verkauf debattiert.

    14. Juni: Das hessische Kabinett stimmt dem Verkauf zu, Hessen hielt noch 17,5 Prozent der Anteile, der Rest ist in rheinland-pfälzischer Hand. Am selben Tag beschließt das Kabinett in Mainz ein Gesetz zum Verkauf. Das Ja des Landtags fehlt noch.

    20. Juni: Es riecht nach dem ersten Koalitionskrach: Die FDP wirft dem neuen Partner SPD Versagen bei der Entwicklung des verschuldeten Hunsrück-Airports vor.

    22. Juni: Der Hahn-Verkauf an die Chinesen sorgt für hitzige Landtagsdebatten. Einen Tag später wird das Gesetz auf den Weg gebracht.

    29. Juni: Der Verkauf des Flughafens Hahn an den chinesischen Investor SYT wird gestoppt.

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