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    Koblenz

    Filmemacher gegen Rassismus – Land fördert Kinospot

    Djalal Nikou erlebt Rassismus in vielen Varianten - und er wollte etwas dagegen tun. Nun läuft ein Antirassismus-Spot des Koblenzers im Kino. Reaktionen im Internet zeigen, wie aktuell das Thema ist.

    Der Koblenzer Kameramann Jalal Nikou hat einen Kinospot gegen Rassismus gedreht, der zurzeit in den Filmhäusern in Rheinland-Pfalz läuft. Foto: Thomas Frey/dpa
    Der Koblenzer Kameramann Jalal Nikou hat einen Kinospot gegen Rassismus gedreht, der zurzeit in den Filmhäusern in Rheinland-Pfalz läuft.
    Foto: Thomas Frey/dpa

    Auch mehr als zehn Jahre später ist Djalal Nikou noch erschüttert. „Die beste Freundin meiner Tochter hat zu ihr gesagt: "Scheiß Ausländer, was macht Ihr hier?"“, erinnert sich der Koblenzer. Die Achtjährige sei weinend aus der Schule gekommen. Weil dem gebürtigen Iraner dieses Erlebnis nicht aus dem Kopf ging, hat der Kameramann es in einem kurzen Antirassismus-Spot verarbeitet. Er wird derzeit in allen großen Kinos in Rheinland-Pfalz gezeigt.

    In dem Film schimpft ein Familienvater, gespielt vom Koblenzer Schauspieler Mario Specht, auf seinen ausländischen Kollegen. Sein kleiner Sohn, der neben einem Freund mit Migrationshintergrund vor dem Fernseher sitzt, fragt ihn: „Papa, bist du ein Nazi?“

    Die Idee dafür hat der Kölner Regisseur Omid Zamani entwickelt, aufbauend auf der Erinnerung seines Kollegen Nikou. Das rheinland-pfälzische Innen- und das Integrationsministerium haben Produktion und Ausstrahlung des Films mit rund 22 000 Euro gefördert.

    „Neben der Bekämpfung von rechtsextremistischen Organisationen nehmen wir auch rechtsextreme und rassistische Haltungen in der sogenannten Mitte der Gesellschaft stärker in den Blick“, sagt Miguel Vicente, Beauftragter der Landesregierung für Migration und Integration, über die finanzielle Unterstützung. Der Film solle zum Nachdenken und zur Diskussion anregen.

    Ein Jahr ehrenamtliche Arbeit haben Nikou und seine Mitstreiter in den Film investiert. „In den vier Wochen Laufzeit sollen ihn 130 000 Menschen sehen“, sagt der Kameramann. Er denkt darüber nach, sein Antirassismus-Projekt mit Prospekten und Flyern zu erweitern. Dabei war der Koblenzer zwischendurch kurz davor, seine Idee aufzugeben, weil er keine Sponsoren fand. Eine Erfahrung, die den 51-Jährigen getroffen hat.

    Regisseur Zamani war dagegen sofort bereit, Nikou zu unterstützen. Er ist halb Afghane und halb Luxemburger, mit elf Jahren zog er aus Luxemburg nach Deutschland. „Man muss konstant etwas gegen Rassismus und Vorurteile tun“, sagt der studierte Diplom-Psychologe. Sonst hätten es Menschen mit Migrationshintergrund zum Beispiel auch auf dem Arbeitsmarkt weiter schwer. Eine Studie, nach der Bewerber mit ausländischem Namen schlechtere Chancen haben als andere, sei ein Grund für ihn gewesen, bei dem Film mitzumachen, erzählt Zamani. Der andere sei die Geschichte der Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) gewesen. Ihr wird die Ermordung von neun Einwanderern und einer deutschen Polizistin zur Last gelegt.

    „Der NSU hat gezeigt, wo eine Stereotypenbildung hinführen kann“, sagt auch Selim Özen, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Beiräte für Migration und Integration Rheinland-Pfalz (AGARP). Er hält unterschwellige Vorurteile gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland für sehr verbreitet.

    „Der Film zeigt sehr gut, dass es um keine Randgruppe geht, sondern um eine ganz normale Familie“, lobt Özen. Ein Beispiel für Rassismus im Alltag sei der Wohnungsmarkt. Plötzlich sei die Wohnung schon vermietet, wenn jemand mit ausländisch klingendem Namen zur Besichtigung vorbeikommen wolle. Der AGARP-Vorsitzende ruft dazu auf, gegen Vorurteile und Rassismus im Alltag offen Position zu ergreifen. „Eltern sind Modell für ihre Kinder, sie sollten nicht unbedacht reden.“

    Das sieht Kameramann Nikou genauso. Er erlebt Rassismus auch in seinem Arbeitsalltag: „Es kommen immer wieder blöde Sprüche, dass mir als Ausländer ein deutscher Assistent die technische Ausrüstung trägt“, sagt er. Als er 1986 nach Deutschland gekommen sei, hätten Berliner noch vor seine Füße gespuckt. „Jeder Ausländer in Deutschland hat in seinem Leben nicht nur eine schlechte Erfahrung gemacht, er kann 'zig Sachen erzählen.“

    Auch die beiden Filmemacher haben wieder eine negative Erfahrung mehr gemacht: „Bei YouTube gab es zu unserem Film rechte Kommentare“, sagt Regisseur Zamani. „Ich fühle mich deshalb unwohl.“ Der 32-Jährige fragt sich, ob er eine Reaktion von Rechts gegen ihn persönlich befürchten muss. „Immer, wenn man politisch aktiv wird, hat man Gegner, das schreckt viele sicher ab“, glaubt der Kölner.

     

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