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Rheinland-Pfalz

Fern des Wahlkampfes: Malu Dreyer, Julia Klöckner und die Liebe

Julia Klöckner und Malu Dreyer hält man nicht unbedingt für Seelenverwandte. Wie unterschiedlich die beiden sind, zeigt sich auch abseits der Wahlkampfbühnen, zum Beispiel in der Art, wie die Politikerinnen ihre Lebenspartner präsentieren. Ein Stück über die Liebe.

Damen mit Herz: Malu Dreyer (55, SPD) und Julia Klöckner (43, CDU) haben beide Männer, die deutlich älter sind als sie und mit denen sie seit vielen Jahren zusammen sind. Dreyer mit Klaus Jensen (links). Und Klöckner mit Helmut Ortner (rechts). Illustration: Svenja Wolf
Damen mit Herz: Malu Dreyer (55, SPD) und Julia Klöckner (43, CDU) haben beide Männer, die deutlich älter sind als sie und mit denen sie seit vielen Jahren zusammen sind. Dreyer mit Klaus Jensen (links). Und Klöckner mit Helmut Ortner (rechts). Illustration: Svenja Wolf

Von unserem Redakteur Dietmar Brück

Malu Dreyer (SPD) und Julia Klöckner (CDU) sind Menschenfängerinnen, beide verfügen über eine Leidenschaft für Politik und den Willen zur Macht. Doch damit dürfte die Schnittmenge an Gemeinsamkeiten auch schon erschöpft sein. Dreyer ist viel mehr Kopfmensch als die Instinktpolitikerin Klöckner. Wie unterschiedlich die beiden sind, zeigt aber auch, wie sie ihre Lebenspartner präsentieren. Dreyers Ehemann Klaus Jensen (64), der First Gentleman des Landes, ist regelmäßig in der Öffentlichkeit zu sehen. Klöckners Partner Helmut Ortner (65) bleibt der große Unsichtbare. Und das seit Jahren.

Klaus Jensen ist eine öffentliche Person, oder besser ausgedrückt: Er war eine öffentliche Person. Als ehemaliger Sozialstaatssekretär und früherer OB von Trier hat er einen hohen Bekanntheitsgrad. Dreyer und Jensen sind seit mehr als zehn Jahren verheiratet. Ihre Verbundenheit zeigen sie öffentlich. Klaus Jensen schwärmt etwa dankbar auf seiner Internetseite, dass er nach dem frühen Tod seiner ersten Frau "noch einmal eine so große Liebe erfahren darf".

Stetiger Begleiter

Wenn es ihm möglich ist, begleitet er seine Ehefrau bei Empfängen oder auf Reisen – wie etwa bei einer großen Chinatour. Der innige Gleichklang der beiden ist dann allgegenwärtig. Sie lachen miteinander, kommunizieren mit vertrauten Gesten, reden in einem Tonfall miteinander, der Menschen vorbehalten ist, die sich besonders nah sind. Dreyer und Jensen harmonieren ganz offensichtlich.

Der Sozialplaner hat sich hochgearbeitet, hat Schicksalsschläge wie den tragischen Tod seiner ersten Frau überwinden müssen, die mit 40 Jahren den Kampf gegen den Krebs verlor. 1999 gab er sein Amt als Mainzer Sozialstaatssekretär auf, um sich fortan um seine todkranke Partnerin zu kümmern.

Später gründete er die Klaus-Jensen-Stiftung, die sich um Gewaltprävention und Friedensarbeit im In- und Ausland kümmert. Vielleicht half es ihm, sein Leben wieder mit Sinn zu füllen. Jensen gestaltete Politik zweifelsfrei aus einer inneren Motivation heraus, geprägt von seiner Aufstiegsbiografie, von persönlichen Wendepunkten, aber auch seinem Engagement in vielerlei sozialen Zusammenhängen. Er ist ein Mann mit Brüchen, Horizont und gedanklicher Tiefe. Im Gespräch wirkt er überlegt und ehrlich. Jemand, der gelernt hat, sich ungeschminkt im Spiegel zu betrachten.

Durchwachsenes politisches Erbe

Als OB von Trier haben ihn viele Beobachter für zu weich gehalten, für zu wenig durchsetzungsstark. Über seine politische Bilanz wird daher durchwachsen geurteilt. Manche fühlen sich enttäuscht von dem sanftmütigen Mann, der die Moselstadt einst regelrecht im Sturm eroberte.

Doch Klaus Jensen wirkt mit sich im Reinen. Ein bisschen Weltverbesserer wird er wohl immer bleiben. Da dürften sich die Linien mit seiner Ehefrau Malu Dreyer überschneiden, die zugleich nüchterner, analytischer und auch zupackender wirkt. Auch ihr politisches Schaffen wird von einem biografischen Antrieb bewegt. Wer chronisch an Multipler Sklerose erkrankt ist, sieht Politik zwangsläufig in einem anderen Licht. Hier geht es nicht nur allein um Fragen des praktischen Alltags wie die Barrierefreiheit, sondern auch um das Bewusstsein dafür, wie schnell Menschen aus sozialen und gesellschaftlichen Bezugssystemen rutschen können. Dreyers Credo des Zusammenhalts ist eine erlebte (und erlittene) Notwendigkeit.

Die SPD-Politikerin erlebt – trotz ihrer privilegierten Rolle – Hürden und Schranken am eigenen Leib. Ihr unverwüstlicher Optimismus hatte manche Bewährungsprobe zu überstehen. Seit ihre Partei im politischen Überlebenskampf steckt, braucht sie ihn besonders. Auch wenn ein Mainzer Wunder, also die Trendwende für die Genossen, inzwischen wieder ins Reich des Möglichen gerückt ist.

Helmut Ortner, Buchautor und Medienentwickler, ist ein ganz anderer Typ als Klaus Jensen. Seit rund 15 Jahren sind er und Julia Klöckner ein Paar. Er hat sie kennengelernt, als ihre politische Karriere noch vage am fernen Horizont schwebte. Und ist dann nie mehr von ihrer Seite gewichen. Derzeit stehen die Chancen nicht schlecht, dass Ortner demnächst in die Rolle des First Gentleman im Land schlüpfen könnte.

Bei allem, was über ihn bekannt ist, dürfte eine derartige Aufgabe allerdings kaum zu seiner Berufung werden. Ortner ist offensichtlich niemand, der seine Zeit als repräsentatives Beiwerk verschwenden möchte.

Kein Freund des Smalltalks

Die Struktur seiner Persönlichkeit, soweit sie sich in punktuellen Begegnungen erfassen lässt, bringt einen nicht auf den Gedanken, dass sich so jemand über den Erfolg eines anderen definieren könnte. Smalltalk scheint ihm lästig, trockenes Graubrot für einen wachen, unruhigen Geist.

Er trifft sich lieber mit alten (oder neuen) Freunden, von denen einige klangvolle Namen haben. Oder er schreibt an einem seiner vielen Bücher, die Titel tragen wie "Zorn: eine Hommage", "Das Buch vom Töten: Über die Todesstrafe" oder "Der Hinrichter: Roland Freisler". Ortner strahlt großbürgerliche Intellektualität und Weltläufigkeit aus. Ein Anti-Spießer: kritisch in jede Richtung, ungeeignet für Schubladen und Etiketten. Ein Mensch, der viel zu sagen hat, aber nicht unbedingt mit jedem spricht. So jemand hat eine DNA frei von Politiker-Genen, weil er nicht gefallen will – vor allem nicht allen.

Klöckner und Ortner leben in Bad Kreuznach, nach allem, was man hört, in einer fruchtbaren Streitkultur, aber einig in vielen Grundwerten. Das sagt auch etwas über Julia Klöckner aus: Dass sie Widerspruch und Gegenrede aushält, über die Kraft zum Diskurs verfügt – auch mit jemandem, der sie herauszufordern vermag. Ein schnelles Urteil über die CDU-Vorsitzende könnte daher schnell ein falsches sein.

Julia Klöckner sammelt kluge, unorthodoxe Leute um sich. Das sieht man an ihrem politischen Umfeld in der CDU, genauer: an den Menschen, die sie selbst ausgesucht hat – ihre geistigen Sparringspartner sozusagen. Alle diese Ratgeber und Strategen in der zweiten Reihe sind keine klassischen Parteisoldaten. Das passt nicht zu dem Bild einer oberflächlichen Karrieristin, das viele zeichnen.

Ihr Privatleben hält Klöckner gut unter Verschluss. Homestorys gibt es so gut wie nie, schon gar nicht mit Helmut Ortner. Nur manchmal lüftet sie den Schleier ein wenig, wie bei ihrer Pressereise, als sie die Journalistenschar zum Abschluss auf den elterlichen Winzerhof in Guldental einlud.

Und auch in ihrem Interviewbuch "Zutrauen" spart sie ihre Beziehung nicht gänzlich aus. Über ihren Partner sagt sie: "Er ist ein selbstständiger, politisch denkender, kluger Mann." Und dann typisch Klöckner: "Ich habe die härteste Opposition am Küchentisch, die mich immer wieder Neues denken und überprüfen lässt." Das Schwärzeste an Ortner dürfte sein Humor sein.

Glücksfall und verrückter Vogel

Malu Dreyer geht in ihrem Buch "Die Zukunft ist meine Freundin" ebenfalls auf ihren Partner und ihre Ehe ein. Ihren Ehemann bezeichnet sie als praktisch, humorvoll, charmant, als den Menschen, mit dem sie "in Ruhe alt werden will". Danach folgt eine Liebeserklärung: "Klaus ist mein Ruhepol und meine Kraftquelle, meine Heimat und mein Herzenspartner. Er ist ein Freund und Zuhörer und Liebhaber und Mann und Helfer und noch viel mehr – ein Glücksfall eben." Und dann schreibt Malu Dreyer: "Klaus Jensen ist ein verrückter Vogel, im besten Sinne – ich liebe ihn."

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