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    Bad Honnef/Bonn

    Fall Anna: Prozess nicht erneut geplatzt

    Das Verfahren im Fall Anna, das den gewaltsamen Tod des neunjährigen Pflegekinds aufklären soll, kann vorerst weiterlaufen.

    Die Angeklagte Petra W. und Anwalt Christian Breuer sind mit dem Antrag gescheitert, den Prozess im Fall Anna ein weiteres Mal von vorne zu beginnen.
    Die Angeklagte Petra W. und Anwalt Christian Breuer sind mit dem Antrag gescheitert, den Prozess im Fall Anna ein weiteres Mal von vorne zu beginnen.
    Foto: dpa

    Das hat Vorsitzender Richter Josef Janßen zu Beginn des Verhandlungstages am Donnerstag verkündet. Damit ist die Verteidigung der angeklagten Pflegemutter Petra W. mit ihrem Antrag gescheitert. Anwalt Christian Breuer hatte erreichen wollen, dass der Prozess, der schon einmal auf sein Betreiben hin geplatzt war, noch ein drittes Mal von vorne beginnt.

    Auf der Suche nach immer neuen Anfechtungsgründen war der Verteidiger auf die Idee gekommen, die lange Sommerpause zu rügen. Die sei länger als zugelassen gewesen; eine Verlängerung der üblichen Frist sei nur bei einem Beschluss der Strafkammer möglich. Diesen habe es nicht gegeben. Dem widersprach nun Richter Janßen. Seiner Anordnung habe ein Kammerbeschluss zugrunde gelegen. Und er wunderte sich darüber, dass Anwalt Breuer seinen Antrag erst am vierten Verhandlungstag nach Ende der sommerlichen Unterbrechung gestellt hatte. Ob dies „rechtsmissbräuchlich“ sei, spiele jedoch keine Rolle, da der Antrag auch in der Sache keinen Erfolg habe.

    Neben den juristischen Spitzfindigkeiten verlas das Gericht einen Brief, den die Ende Juli 2010 getötete Anna rund ein Jahr vor ihrem Tod an ihre leibliche Mutter geschrieben hatte. „Ich möchte bei Onkel und Tanti bleiben“, heißt es darin. „Tanti“ war der Name, mit dem sich die Angeklagte stets von ihren Pflegekindern anreden ließ. Bei ihr habe sie viel gelernt, sich auch in der Schule verbessert, ließ Anna ihre Mutter schriftlich wissen. Und: „Danke, Mama, dass ich hier sein darf.“

    Wie sich im Lauf des Verfahrens bereits herausgestellt hatte, war dies nicht der erste Brief, der auf Betreiben und offenkundig auch unter Anleitung der Pflegemutter geschrieben worden war. Eine Zeugin hatte dem Gericht vor einiger Zeit berichtet, sie habe einen Brief abgeschrieben, den ihr Petra W. vorformuliert hatte.

    Unterdessen ist immer noch nicht abschließend geklärt, welche Rolle das Königswinterer Jugendamt in dem Fall spielt. Die Stadt hat dazu einen Gutachter beauftragt, der mögliches Versagen von Jugendamtsmitarbeitern untersuchen will. Bei dem Experten handelt es sich um Professor Christian Schrapper von der Universität Koblenz, der vor Kurzem im Rahmen eines Hearings des Neuwieder Kreistags Stellung bezog. Dort hatte er sich bereits zum „Fall Anna“ geäußert. Die Arbeitsbelastung des Sozialen Dienstes des Jugendamts habe dazu geführt, dass Warnsignale nicht mehr aufmerksam registriert worden sind. Gleich mehrere Fehleinschätzungen von Mitarbeitern der Behörde haben laut Schrapper in Kombination mit mangelndem Informationsfluss den Tod des Mädchens ermöglicht.

    Die Forderung des Pädagogik-Professors lautet daher, die Jugendämter finanziell besser auszustatten und genauso intensiv zu schulen wie Feuerwehrleute. Seine Prognose im Fall Anna lautet: Auch politische Köpfe werden rollen. Bislang wurden nur der Jugendamtsleiter und die für Anna zuständige Mitarbeiterin in andere Abteilungen versetzt. Für die Stelle des Jugendamtsleiters will die Stadt jetzt eine endgültige Lösung finden. mp

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