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Mainz

Ein „echter Pontifex“ ist gegangen: Kardinal Lehmann nach längerer Krankheit gestorben

Karl Lehmann war 33 Jahre Mainzer Bischof und 21 Jahre Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Sein Nachfolger im Bischofsamt, Peter Kohlgraf, würdigt den Verstorbenen als „leidenschaftlichen Brückenbauer (Pontifex) zwischen den Konfessionen“.

Kardinal Karl Lehmann, einer der beliebtesten Katholiken Deutschlands, ist tot. Der frühere Mainzer Bischof starb nach Angaben des Bistums am frühen Sonntagmorgen in Mainz. Er wurde 81 Jahre alt. Lehmann hatte seit September vergangenen Jahres mit den Folgen eines Schlaganfalls und einer Hirnblutung gekämpft. Nachdem der Gesundheitszustand monatelang stabil war, schwanden seine Kräfte zuletzt aber deutlich. Der frühere Bischof genoss weltweit Ansehen.

Karl Lehmann soll nach Angaben des Bistums am 21. März beigesetzt werden. Das Requiem soll an dem Tag um 15.00 Uhr im Mainzer Dom beginnen, wie das Bistum am Sonntag mitteilte. Nach dem Gottesdienst werde Lehmann dann in der Bischofsgruft des Domes beigesetzt. Die Bevölkerung habe in den nächsten Tagen in der Kirche des Mainzer Priesterseminars Gelegenheit, von Lehmann Abschied zu nehmen. Dort werde der Verstorbene vom kommenden Dienstag an ab 17.00 Uhr aufgebahrt.

Lehmann war nach seinem Schlaganfall zunächst in einem Krankenhaus behandelt worden. Seit Dezember vergangenen Jahres wurde er schließlich in seinem Zuhause in Mainz versorgt. Nach Angaben seines Nachfolgers Peter Kohlgraf hatte er zuletzt selbst signalisiert, dass er sich „auf den Weg macht“. In einem Schreiben an Pfarrgemeinden und Mitarbeiter hatte Kohlgraf noch am vergangenen Montag zum Gebet für Lehmann aufgerufen.

Der gebürtige Sigmaringer war von 1983 bis 2016 rund 33 Jahre lang Bischof des Bistums Mainz, das sich auf Gebiete in Hessen und Rheinland-Pfalz erstreckt, dazu kommt die Exklave Wimpfen in Baden-Württemberg. Von 1987 bis 2008 leitete Lehmann die Deutsche Bischofskonferenz. Nachdem er 2011 zwei künstliche Kniegelenke erhalten hatte, bereitete ihm das Gehen Probleme.

Im Mai 2016 ging er mit 80 Jahren in den Ruhestand. Er hatte den Papst aus Altersgründen darum gebeten, seinen Dienst als Bischof zu beenden. Zu seinem Abschied kamen rund 1200 Menschen in den Mainzer Dom. Danach wollte Lehmann weiter in Theologie, Philosophie und Ökumene tätig sein. Im August 2017 trat Kohlgraf seine Nachfolge an – das war der letzte öffentlicher Auftritt von Lehmann.

Lehmann bezog in vielen Debatten klar Stellung – zum Beispiel mit seinem gemäßigt liberalen Kurs bei der Schwangeren-Konfliktberatung und bei wiederverheirateten geschiedenen Katholiken. Er setzte sich für ein Diakonenamt für Frauen ein. Während der Flüchtlingskrise warb er für Solidarität und Verständnis. Lehmann zeigte sich beunruhigt über die AfD und hielt sie aus christlicher Sicht nicht für wählbar. Für seine Verdienste um die Verständigung zwischen den christlichen Kirchen ehrte ihn die Evangelische Kirche in Deutschland 2016 als ersten katholischen Träger mit der Martin-Luther-Medaille.

Der Kardinal war auch Autor zahlreicher Bücher – und Ehrenmitglied des 1. FSV Mainz 05. Als Höhepunkt in seiner Zeit als Mainzer Bischof bezeichnete er in einem Interview den Katholikentag 1998, aber auch große Jubiläen wie 1000 Jahre Mainzer Dom. Tiefpunkte waren für ihn die Fälle von sexuellem Missbrauch, aber auch Auswirkungen der Limburger Affäre um den früheren Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst mit der Folge vieler Kirchenaustritte. dpa

Rheinischer Präses würdigt Lehmann als „echten Pontifex“

Der oberste Repräsentant der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, hat den verstorbenen Kardinal Karl Lehmann als Brückenbauer zwischen Kirche und Gesellschaft und zwischen den Konfessionen gewürdigt.

Karl Kardinal Lehmann
Kardinal Karl Lehmann, aufgenommen im Bischöflichen Ordinariat.
Foto: Fredrik von Erichsen/Archiv - dpa

„Wir haben Bruder Lehmann als einen echten Pontifex, einen Brückenbauer, erlebt: Er hat Konfessionen übergreifend Brücken geschlagen und dabei immer wieder auf die Quellen verwiesen, aus denen wir gemeinsam schöpfen“, würdigte der rheinische Präses am Sonntag in seinem Kondolenzschreiben an Lehmanns Nachfolger, Bischof Peter Kohlgraf.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat das „segensreiche Wirken“ des im Alter von 81 Jahren gestorben früheren Mainzer Bischofs, Kardinal Karl Lehmann, gewürdigt. Als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und als Bischof von Mainz habe er „über viele Jahre das Bild der katholischen Kirche in unserem Land maßgeblich mitgeprägt“, schrieb das Staatsoberhaupt in einem Kondolenzschreiben an Lehmanns Nachfolger in Mainz, Bischof Peter Kohlgraf. Der ökumenische Dialog habe ihm immer am Herzen gelegen. Er sei einer der wichtigen Brückenbauer zwischen den Konfessionen und Religionen gewesen.

„Dass er dabei nicht nur den eigenen Kräften vertraut hat, sondern auch mit der Gnade Gottes rechnete, merkten die Menschen, die ihm begegneten“, schrieb der Bundespräsident. „Sie spürten es an der Zuversicht und auch an seinem ansteckenden Lachen, das aus der tiefen gläubigen Fröhlichkeit kam, die Karl Kardinal Lehmann ausstrahlte. Jedes Gespräch mit ihm war eine Bereicherung, sein Rat für mich von besonderem Wert. Wir alle sind ihm für sein segensreiches Wirken dankbar und wir werden ihn nicht vergessen.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit Trauer auf den Tod von Kardinal Karl Lehmann reagiert und ihn als wichtigen Vermittler gewürdigt. Merkel ließ mitteilen, sie denke heute mit tiefer Dankbarkeit an die guten Gespräche und Begegnungen über viele Jahre. Kardinal Lehmann sei ein „begnadeter Vermittler, zwischen den deutschen Katholiken und Rom, im Geist der Ökumene zwischen den christlichen Kirchen, genauso aber zwischen Christen und den Gläubigen anderer Religionen“ gewesen.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat Kardinal Karl Lehmann als kritischen Mahner und wichtigen Ratgeber gewürdigt. „Ich bin ihm für viele gute Gespräche und Anregungen sowie den vertrauensvollen Austausch mit der Landesregierung sehr dankbar“, erklärte Dreyer am Sonntag in Mainz. Lehmann habe „Maßstäbe für einen weltoffenen Katholizismus gesetzt“. Er habe sich nach dem Grundsatz gerichtet, dass Kirche dort mit anpacke, wo Hilfe gebraucht werde. 

Als Beispiel nannte Dreyer die Aufnahme von Flüchtlingen. Beim kirchlichen Beistand für Schwangere im Gewissenskonflikt habe sich Lehmann an die Seite der Frauen gestellt und auch den Konflikt mit dem Vatikan nicht gescheut. Die Ministerpräsidentin sprach Bischof Peter Kohlgraf und allen Gläubigen im Bistum Mainz ihr Beileid aus und sagte: „Rheinland-Pfalz trauert um einen großartigen Menschen und eine herausragende Persönlichkeit.“

Als „guten Geist in Mainz“ hat die rheinland-pfälzische CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner den verstorbenen Kardinal Karl Lehmann bezeichnet. Auch für Menschen ohne Bezug zur katholischen Kirche sei er das bekannte Gesicht der Stadt gewesen, erklärte die christdemokratische Politikerin am Sonntag in Mainz.

„Mit dem Tod von Karl Kardinal Lehmann verlieren wir eine bedeutende Persönlichkeit, ein Stück Geschichte, einen wahren Zeugen des Glaubens, einen herausragenden Wissenschaftler und Philosophen“, fügte Klöckner hinzu, die auch dem Zentralkomitee Deutscher Katholiken (ZDK) angehört. Dem „warmherzigen Zuhörer“ seien die Sorgen und Nöte der Menschen immer ein Anliegen gewesen. „Kardinal Lehmann war eine Institution - gütig, lebensfroh und beliebt bei den Menschen. Er wird fehlen – nicht nur in der Landeshauptstadt.“

Kardinal Karl Lehmann hat die Erneuerung der katholischen Kirche nach Einschätzung von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) maßgeblich vorangetrieben. „Kardinal Lehmann wird dieser Welt als authentischer Repräsentant und Erneuerer der katholischen Kirche fehlen“, ließ Bouffier am Sonntag anlässlich Lehmanns Tod mitteilen. Über die Parteigrenzen hinweg sei der langjährige Mainzer Bischof auch für die Politik „ein geistig und geistlich bereichernder Gesprächspartner“ gewesen. „Insbesondere als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz hat er wichtige gesellschaftliche Impulse gegeben.

Mit großer Betroffenheit und Trauer hat die Deutsche Bischofskonferenz auf die Nachricht vom Tod Kardinal Lehmanns reagiert. „Ein großer Theologe, Bischof und Menschenfreund geht von uns“, sagte Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising. Mit Lehmann gehe ein warmherziger und menschlicher Bischof von großer Sprachkraft. „Die Kirche in Deutschland verneigt sich vor einer Persönlichkeit, die die katholische Kirche weltweit wesentlich mit geprägt hat“, heißt es in der Mitteilung der Deutschen Bischofskonferenz vom Sonntag. Lehmann war am frühen Sonntagmorgen im Alter von 81 Jahren gestorben.

Mehr als zwanzig Jahre leitete Lehmann die Bischofskonferenz. Dabei habe er „Höhen und Tiefen erfahren“, sagte Marx. Dazu gehörten Momente wie die „Kölner Erklärung“ von 1988, das Ringen um den richtigen Weg in der Schwangerenkonfliktberatung und das Bekanntwerden von Fällen sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Verdienste habe sich Lehmann auch bei der Ökumene erworben. „Den Kontaktgesprächskreis zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und der EKD hat er mit Leben und Ideen, Diskussionen und Anregungen gefüllt“, sagte Marx. Mit dem Tod von Karl Lehmann verliere die Kirche in Deutschland eine prägende Gestalt und einen überzeugten Europäer. „Karl Lehmann war ein katholischer Weltbürger, auskunftsfähig zu allen Themen der Zeit.“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat den im Alter von 81 Jahren gestorbenen Kardinal Karl Lehmann als Wegbereiter für die Annäherung beider Kirchen gewürdigt. „Für die evangelische Kirche war er in den vergangenen Jahrzehnten ein ganz wichtiger Ansprechpartner und Mitstreiter für das ökumenische Miteinander“, schrieb der bayerische Landesbischof in einem Brief an Lehmanns Nachfolger in Mainz, Bischof Peter Kohlgraf. Er habe ein „weltweit beachtetes Zeichen für die Verständigung der beiden großen Konfessionen“ gesetzt.

„Es ging ihm immer darum, Christus neu zu entdecken“, schrieb Bedford-Storm. Durch seine „herausragende theologische Kompetenz, gepaart mit einem weiten Herzen“, habe er die Ökumene entscheidend vorangebracht. „Wir werden ihn alle sehr vermissen. Ich vertraue darauf, dass er in Gottes Hand geborgen ist und jetzt schauen darf, woran er geglaubt hat.“

Das Bistum Limburg hat den Einsatz des verstorbenen Kardinal Karl Lehmann für die Verständigung der Konfessionen gewürdigt. „Die katholische Kirche in Deutschland verliert mit ihm einen ganz großen Brückenbauer. Die Brücken, die er geschlagen hat, sind solide und können weiter gefestigt werden“, erklärte der Limburger Bischof Georg Bätzing am Sonntag in einer Mitteilung. Lehmann habe sich immer für die Ökumene eingesetzt. „Wenn wir heute sagen, uns verbindet viel mehr als uns trennt, dann ist das nicht zuletzt Frucht des jahrzehntelangen ökumenischen Dialogs, für den sich Kardinal Lehmann kontinuierlich im Gesprächskreis von katholischen und evangelischen Theologen einsetzte.“

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat sich „sehr betrübt“ über den Tod von Kardinal Karl Lehmann geäußert und ihn als treuen Freund Europas bezeichnet. „Zeit seines Lebens hat Kardinal Lehmann Brücken der Menschlichkeit und der Solidarität in und für Europa gebaut“, teilte Juncker am Freitag in Brüssel mit. „Viel hat er so dazu beigetragen, Ost und West zusammenzubringen, nicht nur in Deutschland, sondern auch im Dialog mit Polen.“ Er habe stets in die Zukunft Europas investiert.

„Als moralischer Kompass hat er uns den Weg gewiesen und an die Werte erinnert, die Europa zu etwas Besonderem machen“, so Juncker. Solidarität und Nächstenliebe seien ihm ein Handlungsauftrag gewesen. Lehmann habe unter anderem in der Flüchtlingsfrage dazu aufgerufen, „sich auf die europäische Kraft des Gemeinsamen zu besinnen und im Sinne der Menschlichkeit zu reagieren.“

Als einen der „intellektuellen Köpfe der Bischofskonferenz“ hat Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck den verstorbenen Kardinal Karl Lehmann gewürdigt. Mit seiner ruhigen und ausgleichenden Art sei es dem langjährigen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz immer wieder gelungen, gemeinsam getragene Positionen der katholischen Bischöfe zu erarbeiten. Als Schüler des Theologen Karl Rahner und während seiner römischen Studienzeit sei der Verstorbene einer der deutschen Bischöfe gewesen, die das II. Vatikanische Konzil noch persönlich erlebt haben. „Er war zweifellos ein wandelndes und kommentierendes Lexikon dieses Konzils“, sagte Overbeck in einer Mitteilung des Bistums Essen am Sonntag. Die Ökumene habe Kardinal Lehmann besonders am Herzen gelegen und er sei deshalb nicht müde geworden, sich stets für das Zusammenwachsen der Kirchen einzusetzen. Die starke pastorale Prägung seines Engagements sei vor allem in seinem Wirken als Bischof von Mainz zum Ausdruck gekommen.

Die Stadt Mainz trauert um ihren Ehrenbürger Kardinal Karl Lehmann. Er habe sich vor allem durch „seine Offenheit für die Menschen“ ausgezeichnet, erklärte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). „In einer Zeit, in der so viele nicht mehr offen sind, in der sich viele gar nicht mehr bemühen, einander zu verstehen, in der die Schranken nicht nur an die Grenzen, sondern auch in manche Köpfe zurückkehren, werden wir diese Eigenschaft wohl mit am meisten vermissen.“

Auch der Fußball-Bundesligist Mainz 05, in dem Lehmann Ehrenmitglied war, kondolierte: „Er hat Mainz als Bischof mit seiner Klarheit, Aufrichtigkeit und menschlichen Wärme über viele Jahre mit geprägt“, teilte der Verein mit. Lehmann habe „auch beim 1. FSV Mainz 05 Spuren hinterlassen, die seine Lebenszeit überdauern werden“. dpa

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