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Rheinland-Pfalz

Eigentlich doch ganz einfach? Debatte ums Semesterticket scheint komplett verfahren

Andreas Egenolf

Eigentlich klingt es ganz einfach: Alle Studierenden an Hochschulen und Universitäten in Rheinland-Pfalz zahlen einen Beitrag zu einem Semesterticket, mit dem sie dann günstig durchs ganze Land fahren können. Und doch sind die Pläne für die Einführung eines landesweiten Semestertickets derzeit eines der größten Reizthemen unter Studenten. Die einen wollen nicht mehr zahlen, weil sie ein solches Ticket nicht brauchen, die anderen lieber ihre alten Tickets behalten, weil es für ihre Bedürfnisse besser passt. Und die Landesregierung? Sie hält die Schaffung eines landesweiten Semestertickets für sinnvoll, will von einer finanziellen Unterstützung aber nichts wissen.

Marion Schneid, hochschulpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion
Marion Schneid, hochschulpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion

Einer zahlt, einer nicht

Derzeit läuft es so: Studenten im Land haben spezielle Semestertickets – aber was diese kosten und für welche Region sie gelten, ist von Uni zu Uni unterschiedlich. Die Folge: Während der eine Student ohne Aufpreis nach Hause fährt, muss der andere pro Semester rund 200 Euro dafür berappen.

Deswegen hat die Landes-Asten-Konferenz (LAK), der Zusammenschluss aller rheinland-pfälzischen Studierendenschaften, der rund 120.000 Studierende im Land vertritt, im September 2017 ein Positionspapier verabschiedet, das unter anderem die Finanzierung eines landesweiten Semestertickets per Solidarmodell fordert. Und da ergibt sich das erste Pro-blem. Jeder Student soll einen Zusatzbeitrag fürs Semesterticket zahlen – unabhängig davon, ob er es nutzt oder nicht. Anders ist der günstige Preis des Tickets nicht möglich, betont die LAK. Allein, die Idee stößt bei jenen, die ein solches Ticket nicht nutzen, zumeist auf wenig Gegenliebe.

Der nächste Knackpunkt: Was ist mit den Studierenden, die mit ihren aktuellen Tickets über die Landesgrenze hinaus fahren dürfen – so wie etwa an der der größten Uni im Land, der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz? Die LAK fordert für sie einen Bestandsschutz. Gibt es den nicht, werden einige Unis sicher nicht mitziehen. „Eine Einschränkung des derzeitigen Geltungsbereiches ist nicht denkbar“, macht beispielsweise Paul Hansen, Sprecher des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) der Gutenberg-Uni in Mainz ganz deutlich.

Die Lage ist also verfahren. Dennoch arbeiten die Verkehrsverbünde im Land an einem ersten verbindlichen Angebot, das den Studierenden bis Ende Mai vorgelegt werden soll. Einer, der dabei mitwirkt, ist Stephan Pauly, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Rhein-Mosel. Er pocht auf das Solidarmodell zur Finanzierung. „Die durchaus günstigen Fahrpreise ließen sich anders überhaupt nicht realisieren.“ Bei der Einführung eines landesweiten Fahrscheins sollten aus seiner Sicht alle Studierenden den gleichen Einheitspreis zusätzlich zum aktuellen Semesterticket zahlen. Pauly hält 50 Euro pro Halbjahr für vertretbar. Zum Einordnen: Das derzeit teuerste Semesterticket kostet die Studierenden in Mainz derzeit 204,19 Euro pro Halbjahr – der Zuschlag betrüge also mindestens rund 25 Prozent.

Wenn über das erste Angebot verhandelt wird, werden sicher auch Vertreter der rheinland-pfälzischen Regierungskoalition aus SPD, FDP und Grünen mit am Tisch sitzen. Sie haben sich 2016 in ihrem Koalitionsvertrag für ein Semesterticket ausgesprochen. „Wir halten die Schaffung eines landesweiten Semestertickets für sinnvoll und unterstützen die Interessenvertretungen der Studierenden bei der Erreichung dieses Zieles“, heißt es in dem Papier. Eine finanzielle Unterstützung sieht die Landesregierung aber nicht vor.

Auf Anfrage unserer Zeitung heißt es, dass die Studierenden bisher bei der Einschreibung an der Hochschule einen Fahrausweis für den öffentlichen Personennahverkehr erhalten, der durch einen Semester- oder Sozialbeitrag solidarisch von allen Studenten der jeweiligen Hochschule finanziert werde. „Die Landesregierung will dieses bewährte Verfahren nicht ändern und beabsichtigt daher nicht, ein landesweit geltendes Semesterticket mit Landesmitteln zu bezuschussen.“ Sie sieht sich vielmehr in der Vermittlerrolle, wie ein Runder Tisch im Wissenschaftsministerium Ende November 2017 bereits gezeigt hat.

Kritik an Landesregierung

Die hochschulpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Marion Schneid, kritisiert genau das. „Die Landesregierung darf sich hier nicht auf eine begleitende Moderatorenrolle zurückziehen. Wenn sie Mobilität auch für die ländlichen Regionen fördern will, ist ein Studi- und Azubi-Ticket durchaus eine interessante Komponente“, betont Schneid. Das funktioniere wiederum nicht ohne eigene Anstrengungen und nicht ohne Landesmittel. Grundsätzlich steht die CDU dem landesweiten Semesterticket jedoch positiv gegenüber – im Gegensatz zur AfD-Landtagsfraktion. „Der Sinn eines landesweiten Studierenden-Tickets erschließt sich mir nicht unmittelbar. Es ist aus meiner Sicht ungeklärt, wie es dem raschen Erreichen von Studienzielen dienen soll“, findet der verkehrspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Jens Ahnemüller.

Von unserem Reporter Andreas Egenolf

Landesweite Semestertickets: So läuft es in anderen Bundesländern

Landesweite Semestertickets werden auch in anderen Bundesländern immer wieder heiß diskutiert oder sind schon seit Jahren eingeführt. Niedersachsen und Bremen haben sich beispielsweise jüngst dazu entschieden, zum Wintersemester 2018/2019 ein entsprechendes Ticket für sämtliche Regionalzüge und S-Bahnen einzuführen. Die Studenten können nun teilweise sogar über die Landesgrenzen hinweg reisen, zum Beispiel bis nach Lübeck, Münster oder ins niederländische Hengelo.

Der Standardpreis beträgt hier 129,59 Euro, kann aber an den Hochschulen variieren. In Nordrhein-Westfalen setzt man schon länger auf ein landesweites Ticket für Studierende. Die Landesregierung bezuschusst die Verkehrsverbünde hier, zudem erhalten sie einen entsprechenden Anteil aus den Semesterbeiträgen der jeweiligen Hochschule. Die Preise für das Semesterticket variieren, da jeweils der Preis des Heimatverkehrsverbundes plus ein Aufschlag für den Rest von Nordrhein-Westfalen berechnet wird. In Köln müssen rund 180 Euro bezahlt werden, während in Wuppertal schon rund 200 Euro fällig werden. aeg

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