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    Dörfern Freikarten für die F1 am Nürburgring spendiert – Korruptionsexperte kritisch

    Mit einer großzügigen Geste überraschte die Nürburgring Automotive GmbH im Vorfeld des Formel-1-Rennens die Ortsbürgermeister in den umliegenden Gemeinden und brachte sie gleichzeitig in Verlegenheit.

    Ein hoher Preis für den Großen Preis – teilweise kosteten die Eintrittskarten für das Formel-1-Spektakel am Nürburgring mehr als
    Ein hoher Preis für den Großen Preis – teilweise kosteten die Eintrittskarten für das Formel-1-Spektakel am Nürburgring mehr als 400 Euro. Die nun als Geste verschenkten Karten sollen einen Wert von 265 Euro gehabt haben.
    Foto: Montage: Wolf

    Nürburgring. Mit einer großzügigen Geste überraschte die Nürburgring Automotive GmbH im Vorfeld des Formel-1-Rennens die Ortsbürgermeister in den umliegenden Gemeinden und brachte sie gleichzeitig in Verlegenheit.

    Reguläre Eintrittspreise für den Grand Prix: Die günstigsten Preise lagen bei 89 Euro.
    Reguläre Eintrittspreise für den Grand Prix: Die günstigsten Preise lagen bei 89 Euro.
    Foto: Screenshot: Schwarze

    Sie spendierte pro Dorf jeweils zehn Freikarten im Wert von mehr als 265 Euro pro Karte für das Rennwochenende mit der Maßgabe, sie an verdiente Bürger zu verteilen. Nach Informationen der Nürburgring Automotive waren es insgesamt 1000 Karten, die aber nicht in die Verkaufsstatistik und -kalkulation eingeflossen sind. Nach Auskunft von Pressesprecherin Stefanie Hohn handelte es sich um eine „gut gemeinte Aktion“ mit dem Ansinnen, den Menschen in der Region etwas zurückzugeben.

    Das Ticket für die Region: Für den Tag vor dem Hauptrennen, für das Qualifying, gab es ein besonderes Angebot. Bewohner der Krei
    Die Eintrittskarte für die Region: Für den Tag vor dem Hauptrennen, für das Qualifying, gab es ein besonderes Angebot. Bewohner der Kreise Ahrweiler, Vulkaneifel und Mayen-Koblenz durften für 49 Euro beim Qualifizierungsrennen auf der Grand-Prix-Strecke dabei sein.
    Foto: Screenshot: Schwarze

    Kritik vom Korruptionsexperten

    Strafrechtlich kritisch bewertet das allerdings der von der RZ zu dieser Geschenkaktion befragte Wolfgang J. Schaupensteiner aus Oberursel, einst bundesweit erster Korruptionsstaatsanwalt und nach seiner Zeit als Korruptionsbeauftragter der Deutschen Bahn heute selbständiger Berater.

    Einem Amtsträger dürften keine geldwerten Vorteile gewährt werden, weder ihm selbst noch über ihn an Dritte. Auch die rheinland-pfälzische Gemeindeordnung (PDF) schreibt in Paragraf 94 vor: Über die Annahme oder Vermittlung von Sponsoringleistungen, Schenkungen und ähnlichen Zuwendungen entscheidet der Gemeinderat. Ein entsprechendes Angebot ist „der Aufsichtsbehörde unverzüglich anzuzeigen“.

    Nachdem das Windkraftunternehmen Provento 5000 Mark im Taunusörtchen Allendorf für den örtlichen Spielplatz an die Gemeindekasse spendete, wurde die Justiz hellhörig. Insgesamt hatte die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit den Spenden von Provento gegen 15 Bürgermeister aus Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg wegen Vorteilsnahme ermittelt. Die meisten Verfahren waren gegen Geldzahlungen eingestellt worden.

    Vielleicht ist auch vor dem Hintergrund die Gemeinde Nürburg selbst leer ausgegangen. Deren Ortsbürgermeister Reinhold Schüssler ist aber auch in der Vergangenheit mit kritischen Äußerungen zu dem Ring-Management aufgefallen. „Ich habe davon gehört“, sagt Schüssler gegenüber unserer Zeitung zur Freikartenaktion. Er ergänzt aber auch: „Selbst wenn ich Karten bekommen hätte, wären sie wieder zurückgeschickt worden.“

    Schwierige Entscheidungen

    Gemeinden, die plötzlich im Besitz der begehrten Karten waren, reagierten unterschiedlich, bevorzugt mit Verlosungen durch Vereine. „Ich glaube nicht, dass unter den Nutznießern auch nur ein Mandatsträger gewesen sein wird“, ist einer der Ortsbürgermeister davon überzeugt, dass seine Kollegen sich ähnlich verhalten haben wie er. Seinen Namen will er nicht nennen.

    Detlev Goebel, Bürgermeister der Ortsgemeinde Wimbach, war drauf und dran, die Karten – wie viele seiner Kollegen auch – zurückzugeben. Verteilen an verdiente Bürger – das wird an einem gewissen Punkt aus seiner Sicht immer ungerecht.

    In Wimbach bot sich jedoch an, die freiwilligen Helfer zu belohnen, die in 147 ehrenamtlichen Arbeitsstunden den Platz am Gemeindehaus verschönert haben. Beteiligte Mandatshelfer waren als Empfänger von vornherein ausgeschlossen. „So konnten wir mit einem wertvollen Geschenk einmal Dankeschön sagen. Immerhin haben die Menschen auf diese Weise mal etwas vom Ring“, findet Goebel.

    Rheinland-Pfalz
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