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Nürburg

Das «Signing» rückt näher: Ring-Verkauf in entscheidender Phase

Am legendären Nürburgring ist normalerweise Tempo Trumpf. Beim Verkauf der insolventen Rennstrecke ist das nicht unbedingt so. Sorgfalt geht vor Schnelligkeit, so lässt sich das Credo der Ring-Sanierer bei dem Prozess umschreiben, der auf die Zielgerade einbiegt.

Luftaufnahme des Nürburgrings
Die Frist wurde bis Mitte Februar verlängert.
Foto: Thomas Frey/Archiv – DPA

Ursprünglich sollten schon bis 11. Dezember 2013 verbindliche Angebote von Interessenten eingehen. Diese Frist wurde verlängert und endet nun Mitte Februar.

Die Fristverlängerung wurde nötig, weil Mitte Dezember noch keine zuschlagsfähigen, verbindlichen Angebote vorlagen, wie Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt sagt. «Aufgrund der Komplexität des Verfahrens und der noch offenen Fragen haben wir den Bietern daher mehr Zeit eingeräumt.» Mit der Verlängerung der Frist könnten sie in Ruhe ihre Due Dilligence – die Prüfung der Ring-Bücher – zu Ende führen und anschließend Angebote abgeben.

Nichtsdestotrotz wollen die Sanierer noch im ersten Quartal – rund anderthalb Jahre nach dem Insolvenzantrag der größtenteils landeseigenen Nürburgring GmbH – einen oder mehrere Interessenten für den Ring oder Teile des Komplexes präsentieren. «Daran halten wir fest», sagt Sprecher Pietro Nuvoloni. Wie viele Interessenten es gibt und wer das ist, sagt er nicht.

Aus Verhandlungskreisen ist zu hören, dass es mehrere Kaufwillige gibt. Einer ist der Autozulieferer Capricorn aus Düsseldorf, der das auch offen kommuniziert. «Wir sind ein Bieter», sagt Geschäftsführer Robertino Wild. Das Unternehmen hat insgesamt mehr als 350 Mitarbeiter, rund 100 davon arbeiten in einem Werk am Ring. Im Fokus des Capricorn-Konzepts steht eindeutig der Motorsport, wie Wild betont. «Ich hoffe, dass wir es schaffen.»

Im Rennen soll auch die Private-Equity-Gesellschaft HIG Capital sein. Ein Sprecher wollte sich auf dpa-Anfrage nicht dazu äußern. Kreisen zufolge soll HIG den britischen Ex-Rennfahrer Meyrick Cox und die Unternehmensgruppe Graf von Oeynhausen-Sierstorpff mit im Boot haben. Geschäftsführer der Gruppe ist Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff, Initiator des 2013 eröffneten Autorundkurses Bilster Berg im Teutoburger Wald.

Bekannt ist, dass auch Formel-1-Chef Bernie Ecclestone Interesse hat. Das sagte er Mitte Januar der «Wirtschaftswoche» und dem «Handelsblatt» – kurz bevor das Landgericht München Anklage gegen ihn wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue zuließ. Dabei geht es um den Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB 2006.

Dann ist da noch der ADAC. Er hat nach eigenen Angaben eine zweistellige Millionensumme geboten, ist aber nur an den Strecken interessiert und nicht an dem Freizeitpark. Weil das Gebot den Sanierern zu gering war, wurde es «geparkt». Später beschwerten sich der Verein «Ja zum Nürburgring» um ADAC-Ehrenpräsident Otto Flimm sowie der ADAC selbst bei der EU-Kommission über den Verkaufsprozess und nannten ihn intransparent.

Das weisen die Sanierer entschieden zurück. Sie betonen geradezu gebetsmühlenartig, wie wichtig es ihnen sei, dass der Prozess den EU-Richtlinien entspricht. Denn im Kaufvertrag wird es eine Ausstiegsklausel geben, die es dem Erwerber ermöglicht, vom Geschäft zurückzutreten – sofern Brüssel zu dem Schluss kommt, dass der Verkauf nicht europarechtskonform war.

Auch wenn es demnächst einen Kaufvertrag gebe, entscheidend werde der anstehende Bescheid der EU-Kommission über mögliche Rückforderungen von Beihilfen des Landes für den Ring sein, betont Sachwalter Jens Lieser. «Der oder die Erwerber des Nürburgrings werden nur dann von einer möglichen Beihilferückforderung verschont, wenn nachweislich der Verkaufsprozess EU-konform stattgefunden hat.»

Die Unterzeichnung eines Kaufvertrages wäre zunächst nur das «Signing», wie Sanierersprecher Nuvoloni es ausdrückt. Das «Closing» erfolge erst nach der EU-Entscheidung zu den Beihilfen und der Rechtmäßigkeit des Verkaufsprozesses. Man habe noch nicht beim Signing einen neuen Erwerber, sondern erst beim Closing. Zu rechnen sei mit einer zügigen Entscheidung in Brüssel, im ersten Quartal sei die aber eher unwahrscheinlich.

Doch was passiert, wenn auch Mitte Februar keine zuschlagsfähigen Angebote vorliegen? «Sollte dies nicht der Fall sein, werden wir den Verkaufsprozess verlängern und die derzeit «geparkten» Angebote, wie etwa auch das des ADAC in den Verkaufsprozess mit heranziehen», erklärt Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt.

Trotz aller Unwägbarkeiten blickt die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) mit Optimismus auf die Geschehnisse. Die Sanierer hätten im vergangenen Jahr bewiesen, «dass es am Ring gut läuft», sagte sie vor Kurzem. Der Käufer könne nur jemand sein, der ein seriöses Angebot abgebe.

Rheinland-Pfalz
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