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    "Charlie Hebdo" als Wagenmotiv? Fastnachter sind vorsichtig geworden

    Auf den Motivwagen der rheinland-pfälzischen Fastnachter sind die Terroranschläge von Paris kein Thema, bei den Veranstaltern derzeit schon. Die Entscheidung der Kölner Karnevalisten sorgt für Diskussionen.

    Ein Motivwagen der Mainzer befasst sich mit der Diskussion um den Kabarettisten Dieter Nuhr, der wegen seiner Koran-Kritik angezeigt wurde. "Hier gelte nu(h)r ich", heißt es deshalb. Zu sehen sind das Grundgesetz und die Schlagworte Glaubensfreihheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit.
    Ein Motivwagen der Mainzer befasst sich mit der Diskussion um den Kabarettisten Dieter Nuhr, der wegen seiner Koran-Kritik angezeigt wurde. "Hier gelte nu(h)r ich", heißt es deshalb. Zu sehen sind das Grundgesetz und die Schlagworte Glaubensfreihheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit.

    Von unseren Reportern

    "Es ist schlimm genug, dass man diese Abwägungen vornehmen muss", sagt Rudolf Schwaderlapp, Justiziar beim Verband Rheinischer Karnevals-Korporationen (RKK), der mehr als 1100 Vereine mit 600 000 Mitgliedern vertritt. "Es ist gute Tradition, gesellschaftspolitische Themen aufzugreifen und karikierend zu kommentieren", sagt er. Man dürfe sich nicht von einer Drohung beschränken lassen, jeder Veranstalter müsse letztlich aber selbst entscheiden.

    Die Entscheidung der Kölner Karnevalisten kann Michael Bleidt, Präsident der KG Heimbach, nachvollziehen. "Ich würde mich als Zugverantwortlicher auch so entscheiden", sagt er. In Heimbach-Weis wird es keinen Wagen geben, der Islamisten darstellt. "Dieses kontroverse Thema hat keiner der Wagenbauer aufgegriffen. Es ist komplex, es betrifft Dinge, an denen die Satire an ihre Grenzen stößt und zur Beleidigung wird."

    Auch die Mainzer Karnevalisten winken ab. Der Sprecher des Mainzer Carneval-Vereins (MCV), Michael Bonewitz, sagt, die Entscheidung über die Motive sei bereits im November 2014 gefallen. Der Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" war im Januar 2015. "Das kann also gar keine Rolle spielen", sagte Bonewitz. Der einzige Motivwagen, der auf den Umgang mit freiheitlichen Werten eingeht, befasst sich mit dem Kabarettisten Dieter Nuhr, der wegen seiner Koran-Kritik angezeigt wurde. In der Vergangenheit hatten die Mainzer Narren nur selten aktuelle Entwicklungen ins Programm genommen. Etwa als Christian Wulff im Februar 2012 als Bundespräsident zurücktrat. Statt angeschlagen im Boxring zu liegen, wurde Wulff nun als komplett k. o. dargestellt.

    Verständnis für Kollegen in Köln

    Verständnis für die Entscheidung der Organisatoren des Kölner Rosenmontagsumzuges hat Raphael Stenzhorn von der Karnevalsgesellschaft Schwarz-Gold Baudobriga Boppard. "Wir haben selbst keine Motivwagen oder Gruppen, die dieses politische Thema aufgreifen, aber ich verstehe die Kollegen in Köln, denn es ist in der Tat eine sehr schwierige Entscheidung", sagt er. Zugleich hält er aber die Meinungsfreiheit für so wichtig, dass er einen entsprechenden Motivwagen eher zulassen als verbieten würde. Das sieht die Vorsitzende des Vereins "Kreiznacher Narrefahrt", Cornelia Christmann-Faller, anders: "Wir werden keinen Wagen zulassen, der Stimmung erzeugt, die in Gewalt umschlagen könnte. Unsere Toleranz ist groß, aber der Spaßfaktor muss erhalten bleiben."

    Auch beim Rosenmontagsumzug in Koblenz werden keine Wagen die Anschläge auf "Charlie Hebdo" thematisieren. "Wir wollen nicht weiter provozieren, und deswegen sollten nach Möglichkeit keine entsprechenden Wagen mitfahren", sagt Franz-Josef Möhlich, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval (AKK), die den Umzug organisiert. Die Karnevalisten haben weniger Angst vor konkreten Anschlägen als vielmehr vor Trittbrettfahrern, die die Fastnachter mit Bombendrohungen in Aufregung versetzen. "Wir wollen uns den Zug nicht kaputt machen lassen", betont Möhlich.

    In Andernach verzichtet der Festausschuss schon seit Jahren auf politische Aussagen im Karnevalsumzug am Rosenmontag. "Aus gutem Grund, wie man sieht", erklärt Präsident Lutz Schnitzendöbel. "Ich kann die besorgten Bürger gut verstehen, denn es ist sicherlich richtig, zur Meinungs- und Pressefreiheit zu stehen. Dennoch ist es stets eine Frage der Zeit, wann und wie man sensible Themen als Persiflage aufnehmen kann."

    Verantwortung fürs Publikum

    Der Vorsitzende der Cochemer Karnevalsgesellschaft (CKG), Günter Hammes, betont, man müsse kritische Themen grundsätzlich auch im Karneval anpacken dürfen - "nicht im Sinne einer Verunglimpfung, sondern als Eintreten für Presse- und Meinungsfreiheit."

    Helmut Hohl, Vorsitzender des Carneval Comités Oberlahnstein und Vorstandsmitglied im RKK, erklärt: "In einigen Büttenreden wurden die Themen "Charlie Hebdo" und Islam zwar aufgegriffen, bisher hat sich aber noch keine Gruppe mit einem entsprechenden Motivwagen angemeldet. Ich werde aber den Zugleiter entsprechend sensibilisieren. Denn grundsätzlich haben wir als Festkomitee natürlich eine Verantwortung. Aus Rücksicht aufs Publikum und die Mitläufer im Zug müsste man - ähnlich wie die Kölner Kollegen - auf einen solchen Wagen wohl verzichten, obwohl wir mit der Grundaussage konform gehen. Traurig, dass es so weit gekommen ist."

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