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Berlin

Chamäleons sind komplizierte Haustiere

Chamäleons gehören zu den schillerndsten Reptilien. Doch sie als Haustiere zu halten, ist mühevoll: Sie brauchen eine Lichtdusche, korrekte Temperatur, Sprühnebel und müssen mit lebenden Insekten gefüttert werden. Anfänger sind da schnell überfordert.

Toll anzusehen, aber schwer zu halten
Toll anzusehen, schwer zu halten: Damit ein Chamäleon sich wohl fühlt, muss sein Halter viel Aufwand betreiben.
Foto: Wolfgang Thieme – DPA

Sie sind bekannt als die Verwandlungskünstler des Tierreichs: Chamäleons. Viele dieser Reptilien sind mal grünlich, mal bräunlich, ein anderes Mal haben sie eine ganz andere Hautfarbe. Chamäleons als Haustiere sind aber alles andere als pflegeleicht.

«Chamäleons sind nicht geeignet für Einsteiger in die Echsenhaltung und Terraristik», sagt Uwe Wünstel, Leiter des Reptilium Terrarien- und Wüstenzoos Landau. «Wir im Reptilium beobachten, dass das Problem von Jahr zu Jahr größer wird. Immer mehr Halter brauchen Hilfe, weil sie mit ihrem Chamäleon überfordert sind.»

Das betont auch Silvia Macina, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) in Rheinbach bei Bonn. «Man darf Chamäleons nicht unreflektiert kaufen – es gibt Tiere, die deutlich pflegeleichter zu halten sind.» Der Deutsche Tierschutzbund in Bonn geht sogar noch einen Schritt weiter: «Chamäleons sind in Gefangenschaft grundsätzlich nicht artgerecht zu halten», sagt Fachreferentin und Reptilienexpertin Sandra Giltner.

Chamäleons gehören zwar zu den Reptilien, unterscheiden sich aber in mehrfacher Hinsicht von anderen Echsenarten, wie Uwe Wünstel erklärt. Da ist zum Beispiel die Versorgung mit Wasser. «Viele Chamäleonarten trinken nicht aus einem Napf, sondern schlecken in der Natur den Raureif von den Blättern.» Sie benötigen daher spezielle Beregnungsanlagen oder müssen mit Pipetten Wasser erhalten. «Je nach Art brauchen die Tiere unterschiedlich viel Wasser, nur einmal kurz den Pump-Sprüher hinhalten, reicht nicht.»

Bekommen die Tiere nicht genug Wasser, dehydrieren sie. «Das führt zum einen dazu, dass bei der Häutung die Hautreste nicht mehr problemlos vom Körper abgestreift werden können», sagt Wünstel. Zum anderen trocknen die Tiere aus, ihr Kreislauf und die Nieren leiden.

Wichtig ist auch die richtige Beleuchtung. «Für Chamäleons braucht man eine spezielle UV-Beleuchtung – oft wird jedoch die falsche verkauft», sagt Wünstel. Die Lampen müssen ausreichend große Mengen UV liefern, da UV wichtig für die Vitamin D3-Synthese der Tiere ist.

Ein weiteres großes Problem ist die korrekte Temperatur. «Bestimmte Arten brauchen eine Nachtabsenkung auf 15 bis 16 Grad, manche sogar noch darunter», erklärt Giltner. Das bedeutet: Während tagsüber über 30 Grad notwendig sind, muss es nachts deutlich abkühlen. «Diese Bedingungen zu Hause nachzubilden, ist sehr schwierig, wenn nicht für Laien sogar nicht machbar.»

Das Futter bereitet ebenfalls häufig Probleme. «Die Tiere werden oft überfüttert», sagt Silvia Macina vom DGHT. Viele Halter könnten nicht richtig einschätzen, wann ein Chamäleon Futter benötigt. Ein erwachsenes Tier müsse nur etwa zwei- bis dreimal pro Woche gefüttert werden. Hinzu kommt, dass die Tiere lebendes Futter brauchen und sehr abwechslungsreich zu füttern sind, das heißt zum Beispiel mit Heuschrecken, Grillen, Wachsmaden oder Fliegen.

Trotz dieser komplizierten Haltungsbedingungen gibt es für Halter nur wenig verlässliche Quellen, bei denen sie sich Rat holen können. «Im Internet steht jede Menge Unsinn», findet Macina, und auch Giltner betont: «Die Informationslage ist schlecht, auch auf Reptilienmessen oder Internetforen wird immer wieder Falsches erzählt.» Die Experten raten daher, sich gründlich zu informieren.

Auf geschlossene Augen achten

Bei Chamäleons, die als Haustiere gehalten werden, kommt es immer wieder vor, dass sie mit geschlossenen Augen dasitzen. «Manche Tierärzte verschreiben dann eine Augensalbe, doch das ist falsch», sagt Uwe Wünstel. «Geschlossene Augen sind das erste Anzeichen dafür, dass etwas mit dem Tier nicht stimmt.» Denn dann fahren Chamäleons ihren Stoffwechsel herunter, werden schwächer – und schließen die Augen.

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