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Rheinland-Pfalz

CDU-Finanzaffäre: Raabs PR-Frau Allendorf gerät ins Zwielicht

Gaby Allendorf ist dafür da, Menschen zu einem positiven Image zu verhelfen. Sie verpasst ihren Kunden eine mediale Politur, inszeniert sie in Presse, Funk und Fernsehen, feilt an ihrem Erscheinungsbild. In Mainz wird gegen sie ermittelt.

Sie ist für Stefan Raab da, wenn er nur als Wachsfigur vertreten ist: PR-Profi und Raab-Managerin Gaby Allendorf – hier im Wachsfigurenkabinett "Madame Tussauds"  in Berlin – erlebt wegen ihrer Rolle in der CDU-Finanzaffäre derzeit schlechte PR.
Sie ist für Stefan Raab da, wenn er nur als Wachsfigur vertreten ist: PR-Profi und Raab-Managerin Gaby Allendorf – hier im Wachsfigurenkabinett "Madame Tussauds" in Berlin – erlebt wegen ihrer Rolle in der CDU-Finanzaffäre derzeit schlechte PR.

Von unserem Redakteur Dietmar Brück

Rheinland-Pfalz – Gaby Allendorf ist dafür da, Menschen zu einem positiven Image zu verhelfen. Sie verpasst ihren Kunden eine mediale Politur, inszeniert sie in Presse, Funk und Fernsehen, feilt an ihrem Erscheinungsbild.

Bekannt in der PR-Szene ist die Kölnerin, weil sie einen berühmten Entertainer mit Starqualitäten managt: das Allroundtalent Stefan Raab. Bekannt in Rheinland-Pfalz ist die Geschäftsführerin der Allendorf Media GmbH, weil sie im Landtagswahlkampf 2005/2006 einen Kunden mit sehr viel weniger Showtalent promotete: den damaligen CDU-Partei- und Fraktionschef Christoph Böhr. Und bekannt bei der Mainzer Staatsanwaltschaft ist die PR-Frau, weil gegen sie ermittelt wird. Sie wird verdächtigt, gemeinschaftlichen Betrug in Tateinheit mit Untreue begangen zu haben. Gaby Allendorf hat längst selbst ein Imageproblem. Sie scheint tief in die CDU-Finanzaffäre verstrickt zu sein.

Viele offene Rechnungen

Der Hintergrund der Affäre: Der frühere CDU-Fraktionsgeschäftsführer Markus Hebgen hatte im Wahlkampf 2005/2006 nicht nur in die CDU-Kasse gegriffen und Bordellrechnungen mit der christdemokratischen Kreditkarte bezahlt, er fiel auch bei seiner Anschlussverwendung im hessischen Kloster Eberbach durch kriminelle Aktivitäten auf. Dort bediente er sich an Barschecks (Eberbach-Verfahren eins), was er tränenreich einräumte und wofür er längst verurteilt wurde. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft erneut (Eberbach-Verfahren zwei): Offenbar hat der findige Christdemokrat mit Klostergeld auch Rechnungen für die rheinland-pfälzische CDU bezahlt.

Doch was hat das alles mit Gaby Allendorf zu tun? Sie stellte die fraglichen Rechnungen, sie erhielt vermutlich das Geld. 2006 überwies Markus Hebgen als Geschäftsführer der Stiftung Eberbach 46 000 Euro an die Kölner Agentur, dem keine entsprechende Leistung gegenüberstand. Konnte auch nicht. Denn mit der Summe wurden nach derzeitiger Kenntnis Beratungen bezahlt, die von Allendorf für die CDU-Fraktion erbracht worden waren. Eine illegale Umwegfinanzierung steht im Raum.

Nach der verlorenen Wahl 2006 war Hebgen noch für die Rechnungslegung zuständig, das heißt, er sortierte die alten Fraktionsfinanzen, obwohl bereits eine neue Fraktionsführung unter Christian Baldauf (CDU) und Hans-Josef Bracht (CDU) im Amt war. Über die Motive Hebgens, von der altehrwürdigen Zisterzienserabtei Geld an die rheinland-pfälzische CDU-Fraktion zu transferieren, kursieren mehrere Versionen.

Szenarien des Betrugs

Fakt ist: Mit seinen Betrügereien hatte der überschuldete Lebemann bereits Jahre vor seinem Amtsantritt in Eberbach im Juni 2006 begonnen. Die Griffe in die CDU-Kasse tarnte er mit kreativer Buchführung. Versuchte er, seine damals noch unentdeckten Machenschaften zu verschleiern, indem er offene CDU-Rechnungen mit Eberbacher Geld beglich? Hatte er Angst vor den Mahnungen, die in der CDU-Geschäftsstelle schlafende Hunde wecken konnten? Oder versuchte Hebgen gar, Beratungen vorzutäuschen, um selbst an den Honoraren zu verdienen? Im Alleingang? Hebgen hatte mit der Firma Allendorf und der Düsseldorfer C4 Consulting schon in der Ära Böhr eng zusammengearbeitet. Eine Kooperation, die in dem Vorwurf der illegalen Spendenfinanzierung endete. Aber das ist ein anderer Ast am Baum dieses unseligen Skandals.

Gaby Allendorf, die Hebgen angeblich gut kannte, gab sich im Untersuchungsausschuss zerknirscht. Die blonde Unternehmenschefin bedauerte, sich auf den eloquenten Gernegroß eingelassen zu haben. Doch welche Wahrheit verbirgt sich hinter diesen Worten? Hebgen verschaffte Allendorf immerhin kurz nach seinem ersten Arbeitstag im Kloster einen Großauftrag. Ein paar Wochen später flossen jene 46 000 Euro, zugleich stornierte die C4 Consulting auf der anderen Rheinseite Rechnungen an die CDU in gleicher Höhe. Morgen im U-Ausschuss wird die neue CDU-Fraktionsführung wohl erneut ihre Ahnungslosigkeit beteuern.

Der Wirtschaftsanwalt Hermann Zimmermann, den Eberbach eingeschaltet hatte, nachdem Hebgen auf- und rausgeflogen war, berichtete von einer verräterischen E-Mail von Allendorf an Hebgen. In dieser gebe die Agenturchefin zu, dass eine Rechnung nicht echt sei. Der Fachjurist spricht von Luftbuchungen und vermutet: „Hebgen suchte sich Firmen, die ihm Alibi-Rechnungen schrieben.“ Offen ist, wer davon profitierte. Nachweislich hat die Firma Allendorf tatsächlich PR fürs Kloster gemacht. „Nur bei manchen beschriebenen Leistungen wurden wir skeptisch“, so jüngst Steuerberater Ralf Hauck.

Online-Kampagne fingiert

Pikant ist, dass Allendorf Media bereits 2009 unangenehm auffiel. Damals wurde sie vom Deutschen Rat für Public Relations (DRPR) wegen „verdeckter Online-PR für die Deutsche Bahn“ gerügt. Ihr Unternehmen hatte unter anderem bahnfreundliche Beiträge vermeintlicher Bürger in großen deutschen Online-Foren platzieren lassen. Nur: Ein Viertel der Beiträge war nicht echt.

Richard Gaul, Vorsitzender des DRPR, erinnert sich: „Allendorf war damals unheimlich unkooperativ bei der Aufklärung.“ Andere Protagonisten der PR-Szene sprechen „von schwarzen Schafen, die der gesamten Branche schaden“. PR-Spezialist Gerhard Pfeffer zweifelt das „Geschäftsprinzip“ von Allendorf an. Ein anderer glaubt, dass die Skandale ihr „wirtschaftlich schwer schaden werden“.

Bei der Brainpool TV GmbH, an der Raab beteiligt ist, verweist man auf Allendorf, was Presseauskünfte angeht. Allendorf Media schweigt trotz mehrerer Anfragen unserer Zeitung. Zur Allendorf-Gruppe gehört auch die Firma Allendorf Riehl. Zu deren Kunden zählte oder zählt nach Brancheninformationen neben Raab auch die TV-Moderatorin Barbara Eligmann. Gaby Allendorf selbst hatte übrigens schon immer enge Verbindungen zur CDU. Die frühere ZDF-Redakteurin arbeitete einst für die Bundesgeschäftsstelle und war Pressereferentin von Verteidigungsminister Manfred Wörner (CDU).

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