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    Koblenz

    Bundeswehr-Arzt: Überwältigt von Größenordnung des Ebola-Ausbruchs

    Tausende Menschen sind in Westafrika schon an Ebola gestorben. Langsam rollt die internationale Hilfe an. Für die Bundeswehr hat sich Oberstarzt Thomas Harbaum ein Bild vor Ort gemacht – und ist erschüttert.

    Thomas Harbaum
    Bundeswehr-Arzt Dr. Thomas Harbaum.
    Foto: Ingo Wagner/Archiv – DPA

    Der bevorstehende Einsatz des Deutschen Roten Kreuzes und der Bundeswehr im Ebola-Krisenland Liberia stellt die Helfer vor große Herausforderungen. Welchen Eindruck Oberstarzt Thomas Harbaum bei einer Erkundungsreise von dem Land hatte, erzählt er im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa:

    Was war die Aufgabe des achtköpfigen Erkundungsteams?

    Wir haben unter der Leitung des Roten Kreuzes erkundet, wie wir dort sinnvoll Hilfe leisten zu können. Die Vorgabe war, dass wir Hilfsleistungen vorbereiten, die sich auf die Behandlung von infizierten Patienten in der Hauptstadt Monrovia konzentrieren.

    Herrscht dort in der Bevölkerung Panik?

    Nein, Panik sieht anders aus. Man sieht Paralyse. Aus Angst, sich zu treffen oder zu berühren, wird zum Beispiel die Ernte nicht eingefahren. Das heißt, es gibt Knappheit bei den Grundnahrungsmitteln. Die sind jetzt schon um ein Viertel teurer als sonst. Für ein armes Land wie Liberia ist das fatal.

    Funktionieren die staatlichen Strukturen noch?

    Die Gesundheitseinrichtungen sind teilweise geschlossen, mit Stacheldraht verhauen. Die Angst der Ärzte und Pfleger ist, dass sie sich bei nicht erkannten Ebola-Fällen infizieren. Man sieht ein Land, in dem das normale Leben weitgehend still steht. So ein Geschehen habe ich noch nirgendwo gesehen. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass Ärzte ohne Grenzen Militär aktiv um Unterstützung für die Hilfsleistungen gebeten hat.

    Was macht die Hilfe in Monrovia besonders schwer?

    Es gibt viele quadratkilometergroße Slums. Man kann unter diesen Lebensbedingungen nur sehr schwer Verdachtsfälle so identifizieren, dass sie zügig isoliert werden können. Deshalb ist die Ausbreitungsdynamik hier besonders anspruchsvoll. Gleichzeitig geht es darum, durch sachliche Information auch Verschwörungskampagnen im Land zu begegnen – zum Beispiel, dass Ebola im Labor hergestellt wird. Hierbei leisten die Mitarbeiter des liberianischen Roten Kreuzes unschätzbar wertvolle Arbeit.

    Ist die Lage vor Ort unter Kontrolle?

    Sie ist nicht unter Kontrolle. In einer Studie im „New England Journal of Medicine“ wurden im September Fallzahlen prognostiziert. Die Prognose belief sich für den 20. Oktober auf 2000 Erkrankungsfälle in Liberia. Wir haben jetzt mit Stand 15. Oktober real über 4000. Wir sind alle überwältigt von der Größenordnung dieses Ausbruchs.

    Wäre eine frühere internationale Hilfe nötig gewesen?

    Natürlich war das spät, das ist mittlerweile erkannt. Wir sind noch weit entfernt von einer Kontrolle des Ausbruchs. Wenn die Hilfe aber jetzt zügig greift, war es zwar spät, aber nicht zu spät.

    ZUR PERSON: Oberstarzt Thomas Harbaum ist Leiter des Zentralen Instituts des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Koblenz. Der 49-Jährige ist Allgemeinmediziner und Experte für Tropenmedizin und war schon bei humanitären Hilfsaktionen in vielen Ländern dabei – etwa nach der Tsunamikatastrophe in Indonesien 2004.

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