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    Betzdorfer Imam bestreitet Spionagevorwurf: „Ich würde niemals ein Gemeindemitglied verraten“

    Die Vorwürfe wiegen schwer: Der bisherige Betzdorfer Imam soll eine Liste mit Namen von Anhängern der Gülen-Bewegung an die türkische Regierung weitergegeben haben. Diese macht die Gülen-Organisation für den Putschversuch am 15. Juli verantwortlich. Die „Türkisch-Islamische Gemeinde zu Betzdorf“ mit 320 Mitgliedern gehört – wie die meisten im Land – dem Ditib-Verband an. Der soll die Bespitzelung der Gemeindemitglieder auf Anweisung der türkischen Religionsbehörde Diyanet angeordnet haben.

    Die Spitze des Moscheeverbands allerdings bestreitet dies - ebenso wie der besagte Imam Musa Cavdar, der seit 1. November wieder in der Türkei lebt. Demgegenüber liegt unserer Zeitung ein amtliches Dokument des türkischen Generalkonsulats vor, mit neun türkischen Namen aus Betzdorf. Verfasser: Musa Cavdar.

    Im Turnus von fünf Jahren wechselt in jeder deutschen Ditib-Gemeinde der Imam. Cavdars Nachfolger als Betzdorfer Gemeindevorsteher ist seit Mitte November Mehmet Yilmaz - er wie auch Ahmet Öcal, Vorsitzender der Moscheegemeinde, und dessen Stellvertreter Murat Gültekin aus Kirchen machen für die Spionagevorwürfe die Gülen-Bewegung verantwortlich. Ihre Position ist klar: Die Anhänger sind radikal und wollen in der Türkei die Macht an sich reißen. Bei einem gemeinsamen Telefongespräch in die Türkei stimmt Imam Cavdar dem zu und fügt an: "Wie auch ein deutscher Pfarrer würde ich niemals ein Gemeindemitglied verraten. Dies ist nicht mit den Werten eines moslemischen Religionsbeauftragten vereinbar."

    Öcal fügt an: "Bei uns würde es auch nicht verborgen bleiben, wenn so eine Liste aufgestellt würde. Das würde sich doch herumsprechen. Ich kenne die Gemeindemitglieder. Das würde 100-prozentig keiner von uns machen."

    Öcal und Gültekin unterstreichen auch, dass ihre Gemeinde von Behörden weitgehend unabhängig agiert: "Wir wollen hier leben. Wir bestimmen, was hier geschieht. Und auch kein Imam kann machen, was er will." Zugleich sind sie sich sicher: "Die Ditib ist nicht der verlängerte Arm der türkischen Regierung."

    Streit um Diskussion über Ditib in Koblenz

    „Die Marionetten Erdogans“: So hat der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Universität Koblenz eine Informations- und Diskussionsveranstaltung zu Ditib in Deutschland überschrieben. Sie sollte am Donnerstag in einem Seminarraum auf dem Uni-Campus stattfinden. Gegen die Veranstaltung waren bei der Universität mehr als 750 Protest-E-Mails eingegangen und Demos aus dem Ditib-Lager angekündigt worden. Die Uni beschloss daraufhin eine Verschiebung aus Sicherheitsgründen. Das führte zum offenen Disput mit dem Asta. Dieser kritisiert dies als „Beugen“ vor dem politischen Druck Erdogans und verlegte die Diskussion in ein Veranstaltungslokal in der Innenstadt. tim

    Diese Darstellung deckt sich mit der offiziellen Linie von Ditib-Deutschland. Hinter vorgehaltener Hand räumen Funktionäre auf Landesebene allerdings ein, dass sie über Umstrukturierungen innerhalb des Verbands nachdenken. Vor allem die politischen Entwicklungen innerhalb der Türkei bezeichnen sie als problematisch. Öffentlich äußern möchte sich so aber niemand. Der Bundesverband - und über ihn die türkische Regierung - könnte sie qua Satzung schnell aus dem Amt entfernen.

    Welche Konsequenzen die Spionage für einzelne Gläubige haben kann, schildern zwei Betzdorfer, deren Namen auf der Liste auftauchen. Sie stellen klar: Bezüge zur Gülen-Bewegung bestehen praktisch nicht. "Das macht uns traurig und unruhig", sagt das Ehepaar. "Wir leben seit fast 40 Jahren in Deutschland, die Hälfte davon in Betzdorf. Und jetzt trauen wir uns kaum, unsere Verwandten in der Türkei zu besuchen - man hat schon so seine Befürchtungen, wer einen da am Flughafen womöglich erwarten könnte."

    Auch Gültekin und Öcal leben schon Jahrzehnte im Westerwald. "Ich bin hier groß geworden", erzählt Gültekin, "aber für mich ist es jetzt gerade die schlimmste Zeit, die ich hier erlebt habe. Wir haben immer öfter das Gefühl, dass man uns misstraut, dass wir uns schon für das Kopftuch rechtfertigen müssen, das die Frauen tragen." Vor einem generellen Misstrauen gegen Ditib-Mitglieder warnte auch Miguel Vicente, der Integrationsbeauftragte der Landesregierung. Das schüre Verbitterung.

    Von Peter Seel und Carsten Zillmann

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