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Mainz, 1

Bernsteinzimmer in Mainz gefunden (Vom 1. April)

April – Die Landeshauptstadt darf über einen sensationellen Fund jubeln. Landesarchäologe Gerd Rupprecht hat das legendäre Bernsteinzimmer mitten in der Mainzer Altstadt entdeckt. Im Weinhaus Bluhm. Der MRZ hat er die Geschichte weltexklusiv gesteckt. Niemand sonst wurde eingeweiht: Weder die Stadtspitze noch die Bundesregierung oder der Kreml ahnen etwas davon.

Bernsteinzimmer in Mainz gefunden
Vorsichtig dreht Gerd Rupprecht eine Schraube an der Bernsteindecke im Weinhaus Bluhm auf.
Foto: Harry Braun

Mainz – Die Landeshauptstadt darf über einen sensationellen Fund jubeln. Landesarchäologe Gerd Rupprecht hat das legendäre Bernsteinzimmer mitten in der Mainzer Altstadt entdeckt. Im Weinhaus Bluhm. Der MRZ hat er die Geschichte weltexklusiv gesteckt. Niemand sonst wurde eingeweiht: Weder die Stadtspitze noch die Bundesregierung oder der Kreml ahnen etwas davon.

Wie kam Rupprecht dem Bernsteinzimmer auf die Spur? "Naja, ich saß im Bluhm, einer historisch bedeutsamen Stätte im Herzen der Altstadt, in dessen Keller sich ein altes römisches Mosaik befindet, und trank ein Gläschen Wein. Ich glaube, es schimmerte ein wenig bernsteinfarben." Rupprecht macht eine kleine Pause und lächelt. "Da fiel mein Blick auf die Decke."

Decke mit seltsamer Farbe

Er fragte nach bei Silvia und Roland Ladendorf, dem Ehepaar, das die Weinstube betreibt, ob es ihm die seltsame Farbe der Deckenverkleidung erklären könne. "Das ist eine Eigenkonstruktion unseres Vorgängers Bernd Bluhm", erläuterte Silvia Ladendorf dem neugierig gewordenen Landesarchäologen, der in Mainz schon viele Schätze geborgen hat. "Darf ich mir das einmal bei Tageslicht aus der Nähe anschauen?", fragte er nach. Er stieg auf einen Stuhl und nahm die Decke genauer in Augenschein. Vorsichtig löste er eine der Schrauben der Schutzverkleidung, und tatsächlich: Dahinter schimmerte es bernsteinfarben. "Das ist eine Farbe mit vielen Nuancen", erläutert Rupprecht verschmitzt: "Das geht von fast Weiß bis ins Bräunliche, es gibt eher rötliche, gelbliche oder auch beige Töne."

Seit 1945 ist das Bernsteinzimmer verschollen. Über seinen Verbleib gibt es laut Wikipedia eine kaum noch überschaubare Fülle an Behauptungen, Vermutungen und Spekulationen. In der einschlägigen Literatur werden allein mehrere hundert Orte benannt, wo es verborgen sein soll, inklusive des Wracks der Wilhelm Gustloff. Zahlreiche in- und ausländische Forscher haben bisher vergeblich nach dem Bernsteinzimmer gesucht. Fest steht lediglich, dass es letztmals in Königsberg gesehen worden ist. Nach Erkenntnissen der beiden britischen Forscher Adrian Levy und Catherine Scott-Clark soll es 1945 dort verbrannt sein, und zwar nachdem die Sowjets die Stadt und das Schloss erobert hatten. Das gehe aus bislang unbeachteten Archivdokumenten aus dem Nachlass des sowjetischen Bernsteinzimmer-Beauftragten Anatoli Kutschumow hervor, wird aber von Sachverständigen bezweifelt oder gilt nach heutigem Stand des Wissens als widerlegt.

Wie das Bernsteinzimmer ins Weinhaus Bluhm gelangen konnte, bleibt indes völlig unklar. Der frühere Inhaber Bernd Bluhm, der einst die Deckenkonstruktion angefertigt hatte, versicherte auf MRZ-Anfrage: "Ich stamme zwar aus Ostpreußen und bin nach dem Zweiten Weltkrieg von dort nach Mainz gekommen, aber von einem Bernsteinzimmer weiß ich nichts."

Duftflacons zum Mitnehmen

Wie auch immer: Im Weinhaus Bluhm geht es vorerst weiter wie immer. Eine große Werbeaktion plant Rupprecht für den Sommer. "Die Besucher dürfen dann sogar etwas mitnehmen. Denn wenn man Bernstein bereibt, entsteht ein Duft. Diesen kann man dann in kleine Fläschchen füllen und mit nach Hause nehmen. Dies wollen wir aber nur an zwei Steinen ermöglichen." Rupprecht hat Silvia und Roland Ladendorf auf jeden Fall schon mal den Rat gegeben, ihren Keller gut zu füllen, sagt er mit einem Augenzwinkern. Froh ist der Landesarchäologe übrigens, dass das Bernsteinzimmer im Nichtraucherraum des Weinhauses gefunden wurde: "Es wäre restauratorisch sehr teuer geworden, den Raucherquarz zu entfernen."

Armin Thomas

Das Weinhaus Bluhm in der Badergasse 1 hat am heutigen 1. April wie immer ab 16 Uhr geöffnet.

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