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    Beliebt, aber teuer: Kommunale Hallenbäder stehen unter Druck

    Für den Familienausflug am Wochenende oder zum Sport nach der Arbeit: Schwimmengehen ist für viele Menschen ein beliebter Zeitvertreib. Zahlreiche kommunal betriebene Hallenbäder bringen die Gemeinden aber in ernste Finanznot. Die Kommunen müssen jedes Jahr hohe Beträge für den Betrieb der Bäder zuschießen.

    Inzwischen nicht nur gesperrt, sondern abbruchreif: Das Koblenzer Hallenbad.
    Inzwischen nicht nur gesperrt, sondern abbruchreif: Das Koblenzer Hallenbad.
    Foto: Stephanie Mersmann

    Von Simon Ribnitzky und Oliver von Riegen (dpa)

    In Rheinland-Pfalz gibt es nach Zahlen des Innenministeriums 100 kommunale Hallenbäder und 175 kommunale Freibäder. Kaum eines dieser Bäder arbeitet kostendeckend, berichtet Referatsleiter Harry Herrmann aus dem Ministerium in Mainz. "Der Betrieb der kommunalen Bäder kostet den Steuerzahler jedes Jahr 52 Millionen Euro." Für Investitionen wie die Sanierung oder Erweiterung eines Bades hat das Land ein Bäderprogramm aufgelegt. Mit dem jetzt ausgelaufenen Programm wurden in den vergangenen fünf Jahren 40 Bäder mit 66 Millionen Euro gefördert. "Wir haben eine ausreichende Bäderinfrastruktur", sagt Herrmann. Jetzt gehe es darum, das Angebot zu erhalten. Dabei müssten die Bäder zunehmend mit anderen Freizeiteinrichtungen konkurrieren.

    Vorzeigebad: Rheinwelle in Gau-Algesheim

    Als Vorzeigemodell kommunaler Bäder nennt Herrmann die Rheinwelle in Gau-Algesheim. "Wir schreiben schwarze Zahlen und sind damit wohl das einzig kommunale Bad in Deutschland, das dieses Ziel erreicht", berichtet Geschäftsführer Dirk Osterhoff. Mit 480 000 Besuchern im Jahr kämen mittlerweile fast doppelt so viele wie beim Bau vor acht Jahren geplant. Den Grund dafür sieht Osterhoff zum einen in der Lage des Bades nahe der Autobahn. Geld verdient die Rheinwelle Osterhoff zufolge auch, weil Gastronomie und Werbevermarktung in eigener Hand sind, also nicht verpachtet. "Ich bin überzeugt, dass das Defizit bei vielen kommunalen Bädern zumindest deutlich geringer sein könnte", sagt er. "Das scheitert nur daran, dass viele Bäder politisch regiert sind."

    Angesichts leerer Kassen wissen immer mehr Kommunen nicht, wie sie ihre Bäder finanzieren sollen. Trotzdem tun sich Kommunalpolitiker sehr schwer damit, ein Bad zu schließen, berichtet Referent Gerd Thielmann vom Städte- und Gemeindebund Rheinland-Pfalz. Denn heftiger Bürgerprotest sei oft die Folge. "Man kann den Leuten nur schwer etwas wegnehmen, das sie lieb gewonnen haben", erklärt Thielmann.

    Koblenz: Großstadt mit Zwergbad

    Aber manchmal passiert es eben doch, dass ein Bad geschlossen wird: In Koblenz müssen sich Vereine und Öffentlichkeit derzeit das kleine Beatusbad teilen. Die Schwimmhalle des maroden Stadtbades bleibt zu, berichtet Bäderbetriebsleiter Lothar Zehe. Glücklich darüber ist er nicht. Über den Bau eines neuen Hallenbades werde zwar diskutiert, noch sei aber keine Entscheidung gefallen. "Hallenbäder sind eine freiwillige Leistung der Kommunen, aber es geht dabei um das Thema Volksgesundheit", erklärt Zehe. Da seien Hallenbäder sehr sinnvoll.

    Das Mons-Tabor-Bad in Montabaur wird komplett von der Verbandsgemeinde finanziert. Im Jahr fällt durchschnittlich ein Defizit von rund 800.000 Euro an. Die Besucherzahlen schwanken je nach Wetter in den Sommerferien zwischen 120.000 und 130.000 pro Jahr. Und doch: "Eine Schließung des Bades oder auch nur die Reduzierung auf Vereinsschwimmen ist derzeit keine Option."

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