40.000
Aus unserem Archiv
Rheinland-Pfalz

Bei den Liberalen rumort es: Landesvize Sandra Weeser tritt gegen FDP-Bezirkschef Buda an

Zweikampf bei der FDP: Der Koblenzer Bezirksvorsitzende Alexander Buda, der als lauter „Ampel-Rebell“ nach der Landtagswahl 2016 über seinen Heimatkreis Neuwied hinaus bekannt wurde, muss sich beim Bezirksparteitag in Feldkirchen (Kreis Neuwied) am Samstag auf eine Konkurrentin einstellen, die er ernst nehmen sollte.

Greift an: Sandra Weeser
Greift an: Sandra Weeser
Foto: privat

Die Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Landesvorsitzende Sandra Weeser (Betzdorf, 48) kandidiert für den Vorsitz – mit dem Ziel, Buda abzulösen. Eine wichtige Wahl, umfasst der Bezirk doch das Gebiet der Kreise Ahrweiler, Altenkirchen, Westerwald, Mayen-Koblenz, Rhein-Lahn, Neuwied und der Stadt Koblenz.

Die frühere Vizepräsidentin der SGD Nord möchte die Brücke zwischen Bundespolitik und Bezirksverband sowie den Kreisen schlagen, um lösungsorientiert an Themen zu arbeiten, wie sie unserer Zeitung sagt. Dazu gehören für sie auch Geschlossenheit und eine gemeinsame Sprache in der Partei. Die Betriebswirtin, die fürs politische Geschäft beruflich einige Managementerfahrung mitbringt, ist im Ausschuss für Wirtschaft und Energie die Obfrau der FDP-Bundestagsfraktion. Sie will sich vor allem für den Mittelstand und für kostengünstige wie zuverlässige Energieversorgung einsetzen.

Paukenschlag von 2016

Buda war Anfang Juni 2016 mit einem Paukenschlag ins Amt gekommen. Nicht gerade zur Freude von FDP-Landeschef und Wirtschaftsminister Volker Wissing und anderen Spitzenliberalen hatte er es damals geschafft, kurz nach der Bildung der neuen Landesregierung aus SPD, FDP und Grünen überraschend Justizminister Herbert Mertin an der Spitze des Bezirksverbands mit knappem Vorsprung abzulösen. Damals hieß es, der neue Vorsitzende müsse die Reihen der Liberalen schnell wieder schließen, damit der Bezirksverband Koblenz sich nicht als zerstrittener Haufen präsentiere.

Kämpft ums Amt: Alexander Buda
Kämpft ums Amt: Alexander Buda
Foto: privat

Integrative Kraft dürften einige Liberale aber zuletzt vermisst haben. Etliche FDP-Mitglieder haben im Vorfeld des Parteitags gehofft, dass sich Weeser zur Kandidatur entschließt, heißt es in Parteikreisen. Buda habe immer wieder für Unruhe im FDP-Bezirk gesorgt – nicht nur mit Beiträgen in sozialen Netzwerken, deren Wortwahl Liberale entsetzte und sie an die Sprechweise von Populisten erinnerte.

Zuletzt handelte sich Buda auch Ärger mit dem vollmundigen Alleingang ein, als er mit dem Koblenzer Kreisvorsitzenden David Hennchen den Rücktritt von Integrationsministerin Anne Spiegel (Grüne) forderte. Dies erboste nicht nur die Jungen Liberalen. Mit seinem Vorpreschen beweise Buda kurz vor dem Bezirksparteitag „einmal mehr, dass er in der Partei nicht Meinungsführer, sondern maximal Beauftragter für schlechte Stimmung ist“, erklärte Juli-Landeschefin Maike Wolf im Februar. Denn für die Forderung des Vorsitzenden lag offenbar kein abgestimmter Beschluss im Bezirk vor, obwohl die FDP mit Spiegel am Mainzer Kabinettstisch sitzt.

Trotzdem: Buda geht selbstbewusst und mit der festen Überzeugung in die Wahl, dass er „mit hervorragender Leistungsbilanz“ ein gutes Blatt in der Hand hat, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. Schließlich habe der Koblenzer Bezirk, der bei den Wahlergebnissen „früher immer im Mittelfeld lag“, bei der Bundestagswahl die meisten Erst- und Zweitstimmen für die FDP im Land geholt. Außerdem habe er mehr Neumitglieder verzeichnen können als die drei anderen Bezirke. Zu seinem Amtsbeginn habe der Bezirk 849 Mitglieder gezählt, heute seien es 1030 Liberale, berichtet Buda stolz und rechnet sich gute Chancen aus.

Zuwachs im Bezirk

Wie eine Übersicht der Landesgeschäftsstelle zeigt, hat die Landes-FDP im vergangenen Jahr 590 neue Mitglieder aufgenommen, darunter 200 im Koblenzer Bezirk. Allerdings hat sie auch welche verloren. So bleibt im Jahr der Bundestagswahl, in dem FDP-Bundeschef Christian Lindner Anhänger massiv mobilisierte, ein Zuwachs von 389 Mitglieder auf insgesamt 4402.

Am Samstag liegt jedenfalls beim FDP-Bezirksparteitag, bei dem auch Wissing, sprechen will, in der Aula der Landesschule für Blinde und Sehbehinderte in Neuwied viel Spannung in der Luft. Denn die Mehrheiten unter den Delegierten für Weeser und Buda lassen sich schwer abschätzen. Deshalb dürfte noch viel telefoniert werden – wie zuletzt im Westerwälder Kreisverband. Dort wurde der Vorsitzende, der Landtagsabgeordnete Thomas Roth, überraschend von Torsten Koch abgelöst. Für Roth, der im Herbst 2017 nach einiger Kritik als Chef der FDP-Landtagsfraktion das Handtuch warf, war dies die zweite bittere Niederlage in kurzer Zeit. Der enttäuschte Roth sprach von einer Intrige. Dass sich ganz kurz vor dem Parteitag Turbulenzen ankündigten, hatte er wohl zu spät bemerkt.

Von unserer Chefreporterin Ursula Samary

Rheinland-Pfalz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Das Wetter in der Region
Donnerstag

16°C - 30°C
Freitag

10°C - 22°C
Samstag

9°C - 19°C
Sonntag

14°C - 20°C

Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

Anzeige
Anzeige
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!