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    Koblenz

    Bauernverband vor Wechsel – Sonnleitner geht 2012

    Gesucht wird ein neuer oberster Landwirt: Beim Bauernverband zieht sich der kampferprobte Präsident Sonnleitner im nächsten Jahr zurück. Aktuell macht sich die Branche Sorgen um knapper werdende Flächen.

    Bauernverband vor Wechsel - Sonnleitner geht 2012
    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, M), der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner (r), und der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland- Nassau, Leo Blum (l), posieren zum Auftakt des Deutschen Bauerntages in Koblenz mit der Deutschen Weinkönigin Mandy Großgarten (2. v.l) und der rheinischen Kartoffelkönigin Valerie Pütz (2. v.r).
    Foto: dpa

    Koblenz - Beim Deutschen Bauernverband kommt es zu einem Führungswechsel. Der langjährige Präsident Gerd Sonnleitner kündigte am Freitag beim Bauerntag in Koblenz an, im Sommer 2012 nicht erneut zu kandidieren.

    "Ich hab's gern gemacht", sagte der 62-Jährige, der seit 1997 an der Spitze der einflussreichen Berufsvertretung steht. Er will sich künftig stärker dem eigenen Familienbetrieb widmen und im nächsten Jahr auch das Amt als Landesbauernpräsident in Bayern abgeben. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) dankte Sonnleitner für seinen Einsatz. Die Bauern machen Front gegen einen verschärften "Landfraß" durch die Energiewende in Deutschland.

    In den kommenden Monaten wolle er weiter "mit Feuer und Flamme" in seinen Funktionen aktiv sein, sagte Sonnleitner, der bis 2012 noch Präsident des europäischen Bauernverbands ist. Auch ein Verband brauche wie ein Hof eine gut vorbereitete Übergabe. Zu einem möglichen Nachfolger, der aus dem Kreis der Landesbauernpräsidenten bestimmt werden muss, äußerte er sich nicht. Es gebe aber eine Auswahl an hervorragenden Persönlichkeiten. Der Bauernverband vereint über seine 18 Landesverbände rund 280 000 Betriebe und damit nach eigenen Angaben rund 90 Prozent der deutschen Landwirtschaft.

    Mit Blick auf die Energiewende nach der Abkehr von der Atomkraft forderte Sonnleitner: "Jetzt muss es oberste Priorität sein, alle unsere Hektare in der Produktion zu halten." Für jeden Quadratmeter, der zubetoniert werde, müsse an anderer Stelle einer entsiegelt werden. Die Branche fürchtet, dass durch neue Stromtrassen und mehr Biomasse Flächen für Lebensmittel und Tierhaltung verloren gehen.

    Als Ergänzung werde die Bioenergie gebraucht. Erste Aufgabe der Bauern "ist und bleibt die Nahrungsmittelproduktion", sagte Sonnleitner aber. Es gelte daher, land- und forstwirtschaftliche Nutzflächen zu schützen. "Es geht nicht an, dass einerseits die Erneuerbaren Energien einschließlich der Bioenergie massiv ausgebaut werden sollen und andererseits für neue Stromtrasse, Windanlagen, Gaskavernen und Pumpspeicher immer mehr produktive Ackerflächen zu Biotopen umgewandelt werden." Schon bisher würden täglich etwa 100 Hektar Agrarfläche überbaut.

    Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) sagte zu, dass über eine Eindämmung des Flächenverbrauchs im Herbst beraten werden solle. Für die Energiewende sei ein moderater Ausbau dezentraler Biogasanlagen in bäuerlicher Hand anzustreben. Die Ministerin verteidigte erneut, dass die Behörden wegen der EHEC-Infektionswelle zwischenzeitlich vor Tomaten, Gemüse und Salat gewarnt haben. Wenn es um Menschenleben gehe, sei dies gerechtfertigt. Die EU-Entschädigungen von insgesamt 210 Millionen Euro müssten nun schnell bei geschädigten Höfen ankommen. Aigner rief die Landwirte auf, das Interesse vieler Verbraucher an höheren Standards bei der Tierhaltung als Chance zur Vermarktung ihrer Produkte zu nutzen.

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