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    Aufruhr an Unis: Stiftung streicht Stipendien

    Der Stipendienstiftung des Landes Rheinland-Pfalz geht das Geld aus: Wegen drastischer Mittelkürzungen des Landes wird die Stiftung künftig keine Promotionsstipendien für Nachwuchsforscher mehr anbieten. Das bestätigte deren Geschäftsführer Hubert Groß im Gespräch mit unserer Zeitung. Demnach sind die Zuwendungen des Landes von 1,47 Millionen Euro jährlich (bis 2011) auf rund 476.000 für das Jahr 2017 zurückgegangen.

    Die Doktorhüte werden teurer: Für Stipendien ist kein Geld mehr da.
    Die Doktorhüte werden teurer: Für Stipendien ist kein Geld mehr da.
    Foto: dpa

    Promotionsstipendien wurden aus Geldmangel bereits seit zwei Jahren nicht mehr gewährt. „Wir waren vergangenes Jahr in der Situation, dass wir mit dem Land nachverhandeln mussten, weil wir sonst die bereits laufenden Promotionsstipendien nicht mehr hätten bedienen können“, sagte Groß. Auch das geringe Stiftungskapital lässt keine Spielräume: Derzeit beläuft es sich laut Groß auf rund 2,4 Millionen Euro und wirft pro Jahr nur etwa 20.000 Euro Erträge ab, zumal auch diese Einnahmequelle zunehmend austrocknen wird, weil noch kein Ende der Niedrigzinspolitik zu erkennen ist.

    Nun fiel die Entscheidung, künftig keine Stipendien für Doktoranden mehr zu vergeben und die Stiftung neu auszurichten. „Wir würden Promotionsstipendien gern weiterhin anbieten. Wir haben das dem Land auch so kommuniziert. Dafür brauchen wir aber eine Extra-Finanzierung“, erklärt Groß. Bislang wurde dazu aber noch nichts beschlossen.

    Das Wissenschaftsministerium in Mainz rechtfertigt die Kürzungen um fast 68 Prozent: „Bei der Förderung von Studierenden durch Stipendien hat sich in den letzten Jahren eine vielfältige und breite Förderlandschaft aufgetan. Es kam zu zahlreichen Doppelangeboten“, teilt ein Sprecher auf Anfrage mit. Außerdem weist er auf neu geschaffene Stellen in der Wissenschaft hin: „In der letzten Legislaturperiode wurden den Hochschulen 300 zusätzliche Dauerstellen bereitgestellt.“ In dieser Legislaturperiode sollen weitere 200 Stellen, die bisher befristet waren, verlängert oder in Dauerstellen umgewandelt werden. Allerdings steigt bundesweit auch die Zahl der Promovierenden.

    Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) reagierte zerknirscht auf die Nachricht, in Zukunft keine Promotionsstipendien mehr abrufen zu können: „Wir bedauern die Entscheidung der Landesregierung zur Mittelkürzung der Stipendienstiftung Rheinland-Pfalz“, lässt der Präsident der JGU, Prof. Georg Krausch auf Anfrage mitteilen. Aus den Mitteln der Stipendienstiftung konnte die JGU zwischen 2009 und 2015 im Durchschnitt 49 Stipendien abrufen – inklusive der nun gestrichenen Promotionsstipendien. Bereits die jüngsten Kürzungen hatten zur Folge, dass die JGU nur noch die Hälfte der Stipendien vergeben konnte. „Dies trifft insbesondere die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften, die bislang in besonderer Weise an diesen Stipendien partizipiert haben. Betroffen ist zudem die Unterstützung von Austauschstudierenden ausländischer Partnerhochschulen“, heißt es in der Erklärung der Uni.

    An der Universität Koblenz-Landau schätzt man die Folgen anders ein: „Die Mittelkürzung erscheint auf den ersten Blick drastisch. Allerdings sind in den letzten Jahren die Fördermöglichkeiten für Studierende und Nachwuchswissenschaftler deutlich breiter und vielfältiger geworden, sodass die wegfallenden Mittel kompensiert werden können“, lässt Prof. Roman Heiligenthal, Präsident der Uni Koblenz-Landau, mitteilen.

    Stiftungsleiter Groß verspricht: „Wir werden die laufenden Promotionsstipendien noch zu Ende führen und uns dann auf andere Bereiche konzentrieren.“ Demnach will die Stiftung weiterhin exzellente Studenten unterstützen, denen etwa gegen Ende ihres Studiums das Geld ausgeht. „Es gibt einen großen Bedarf an Studienabschlussstipendien“, sagt Groß und betont, dass vor allem Fälle mit sozialem Hintergrund berücksichtigt werden sollen. Außerdem sollen zunehmend internationale Studierende gefördert werden oder deutsche Studenten, die zum Beispiel an internationalen Tagungen teilnehmen möchten und dafür Geld brauchen. Diese Stipendien soll es auch als Teilfinanzierung in Kombination mit anderen Fördermitteln – zum Beispiel vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) – geben.

    Außerdem plant die Stipendienstiftung Änderungen beim Nothilfefonds für Härtefälle bei Studenten in besonders schwierigen Lebenslagen – Details stehen hier aber noch nicht fest. Auch Alleinerziehende, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken, sollen gefördert werden. Etliche dieser Fördermöglichkeiten gab es schon vor der Neuausrichtung und sollen nun gestärkt werden.

    Von unserem Redakteur Stefan Hantzschmann

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