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    Mainz

    Auf 20 Pressen ruhen Brücke und Hoffnungen

    Unter der Brücke ist es ruhig. Zumindest an der Stelle, an der die sechs gelben Blechcontainer stehen, die sich im Schatten des Koloss' aus hellgrauem Beton hier zu verlieren scheinen. Nichts oder zumindest sehr wenig kündet davon, dass nur etwa 100 Meter weiter eine der aktuell populärsten Baustellen Deutschlands liegt.

    Von unserem Reporter Dominic Schreiner

    Seit den Abendstunden des 10. Februars geht auf der Schiersteiner Brücke, die den Rhein zwischen Mainz und Wiesbaden überspannt und im Ballungszentrum Rhein-Main-Gebiet eine der wichtigsten Verkehrsadern bildet, nichts mehr. Unter der Brücke hingegen schon. Denn Dutzende Mitarbeiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) und der Spezialfirma Max Bögl aus der Oberpfalz arbeiten seit sechs Wochen fast rund um die Uhr und im Schichtbetrieb daran, die Brücke, die normalerweise täglich rund 86 000 Fahrzeuge überqueren und deren Fahrbahn sich im Februar an einer Stelle plötzlich um 30 Zentimeter gesenkt hatte, wieder für den Verkehr fit zu bekommen.

    Michael Schneider ist einer dieser Männer und von Anfang an an den Reparaturarbeiten beteiligt. Der Abteilungsleiter bei der LBM-Außenstelle in Worms ist seit vielen Jahren im Geschäft, ist als Mitglied der Bauleitung an vielen Projekten beteiligt gewesen, doch eine solche Baustelle hat auch er noch nicht erlebt. "Das hier ist etwas ganz Besonderes etwas Herausragendes, im wahrsten Wortsinne", sagt er mit einem sanften Lächeln im Gesicht und blickt nach oben zum Ende der Stützpfeiler, wo die Brückenlager sitzen.

    An der Stelle, an der sich die Brücke abgesenkt hat, war im Zuge von Arbeiten an der Brücke eines dieser Lager herausgesprungen. Die Brücke kippte zunächst der Länge nach zur Seite ab, das Zwillingslager auf der anderen Seite der Brücke glich diese Schräglage wieder aus. Dafür senkte sich die Fahrbahn ab und der Beton bekam Risse, rund 100 größere und kleinere. "Das kommt schon mal vor, dass ein Brückenlager rausfliegt", erklärt Schneider.

    Zu Schneiders Aufgaben zählt vor allem die Koordination der Bauarbeiten: Damit bloß keine Zeit verloren geht, müssen Menschen und Maschinen zur richtigen Zeit am richtigen Ort eingesetzt werden. Und vor allem der Beton, von dem Hunderte Tonnen verbraucht werden. Wenn betoniert wird, wie beispielsweise an den acht Stützpfeilern, die sich aktuell in der Mache befinden, rollen bis zu 40 Mischer an. Noch bis etwa Ende dieser Woche wird an den Stützpfeilern gearbeitet. Wenn diese fertig sind, dann kommen auf ihnen - wahrscheinlich am 2. April - die 20 Hydraulikpressen zum Einsatz, die dann den abgerutschten Teil der Brücke in ihre alte Position heben sollen.

    "Das Hochpressen wird in kleinen Schritten erfolgen, nach jeweils 4 Zentimetern gibt es eine Pause", erläutert der technische Geschäftsführer des LBM, Bernd Hölzgen. Dann muss von den Ingenieuren genau hingeschaut, gemessen, ausgewertet und berechnet werden, wie und ob es weitergehen kann. Rund 400 Kilogramm wiegen die Hydraulikpressen selbst, von denen eine jede wiederum etwa 400 Tonnen anheben kann. Insgesamt müssen so gut 5000 Tonnen auf die 30 Zentimeter lange Reise geschickt werden, die wahrscheinlich einen ganzen Tag dauert. Und die der entscheidende Schritt bei den Arbeiten ist: "Ich fiebere diesem Moment entgegen", sagt Schneider.

    Nicht nur Schneider wird an diesem Tag ganz genau hinschauen. Eine ganze Großregion dürfte dann gespannt das Ergebnis des Pressvorgangs erwarten. Denn sollte das Anheben erfolgreich sein, werden die Risse, die größer als 0,4 Millimeter sind, mit Betonmilch oder Epoxidharz geschlossen. Im nächsten Schritt sollen dann Testfahrten über die Brücke ausgeführt werden, in deren Verlauf die Belastung stufenweise ansteigen soll.

    Wenn die Statiker dann immer noch zufrieden sind, soll die Brücke wieder für den Verkehr freigegeben werden - allerdings nur für Fahrzeuge bis zu einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen. Eine weitere Einschränkung: In Richtung Wiesbaden wird es teilweise nur eine Spur geben, in der entgegengesetzten Richtung sind es zwei.

    "Die Freigabe könnte bei störungsfreiem Verlauf gegen Ende der Osterferien in Rheinland-Pfalz erfolgen", hofft der rheinland-pfälzische Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD), der sich am Mittag selbst ein Bild vom Fortschritt der Reparatur macht. Mit 97-prozentiger Wahrscheinlichkeit würde das Hochpressen den gewünschten Erfolg für die rund 1 Million Euro teuren Reparaturen bringen, sagt der Minister. Bleibt eine 3-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Maßnahme scheitert und eine andere Lösung her muss - und jede Menge noch zu tun bis zum Pressvorgang. "Das ist für alle viel mehr Arbeit als sonst. Aber daran soll es nicht scheitern", sagt Michael Schneider.

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