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    Angst und Schrecken: Mit Einbrechern im Haus

    Die Einbruchsserie im Westerwaldkreis hält weiter an: Diebesbanden haben erneut in mehreren Ortschaften des Unterwesterwaldes zugeschlagen. Dabei hatten es die bislang unbekannten Täter vor allem auf Bargeld abgesehen.

    Die Einbruchserie im Westerwaldkreis hält weiter an: Diebesbanden haben auch am Mittwochabend wieder in mehreren Ortschaften des Unterwesterwaldes zugeschlagen.
    Die Einbruchserie im Westerwaldkreis hält weiter an: Diebesbanden haben auch am Mittwochabend wieder in mehreren Ortschaften des Unterwesterwaldes zugeschlagen.
    Foto: Gina Sanders - Fotolia

    Westerwaldkreis/Siershahn - Die Einbruchsserie im Westerwaldkreis hält weiter an: Diebesbanden haben auch am Mittwochabend wieder in mehreren Ortschaften des Unterwesterwaldes zugeschlagen. Dabei hatten es die bislang unbekannten Täter vor allem auf Bargeld abgesehen. Die Einbrecher kommen mit Einsetzen der Dämmerung – fast aus dem Nichts. Sie gehen schnell, routiniert, ja professionell vor. So wie in Siershahn.

    Ein authentischer Fall: Heute ist es spät geworden. Der Ransbach-Baumbacher Stadtrat hat getagt. Es ist kurz vor 21 Uhr. Auf dem Nachhauseweg überholt uns mitten im Ort ein Streifenwagen mit Blaulicht, ohne Martinshorn. Die Reifen drehen auf der regennassen Fahrbahn fast durch. Schnell sind die blau zuckenden Lichter verschwunden. Zurück bleibt ein ungutes Gefühl: Mir gehen die Einbruchserien der vergangenen Wochen durch den Kopf.

    Unser Haus liegt im Dunklen. Die Straßenlaterne wirft einen Schimmer auf den Eingangsbereich. Kein angenehmes Gefühl, jetzt allein nach Hause zu kommen. Nichts rührt sich, alles scheint still. Oder doch?

    Unser Jüngster läuft müde, aber vergnügt durch den Flur auf der Suche nach Schokolade. Zum Glück ist er laut. Die Flurlampe scheint hell – und wirft ihr Licht auf Grasbüschel, Erde, Dreckklumpen. Nichts Ungewöhnliches. Oder doch? Rasch ist der kleine Racker ins Bett gebracht. Stille kehrt ein.

    Ich rufe meine Mutter an. Um ihr zu sagen, dass ich gut angekommen bin und bei uns alles in Ordnung ist. Langsam gehe ich die Treppen ins Untergeschoss. Habe ich etwas gehört? Warum nur steht die Schranktür offen? Diese Unordnung. Woher kommt der eiskalte Luftzug? Gänsehaut.

    Während meine Mutter fröhlich weiter redet, stehe ich starr auf der Treppe. Die seitliche Eingangstür steht offen, bewegt sich. Langsam, ganz langsam. Die Synapsen und Neurotransmitter in meinem Hirn überschlagen sich, leisten in Bruchteilen von Sekunden Höchstleistungen. Ihr Signal: Einbrecher, jetzt ganz ruhig bleiben, normal weiter telefonieren, langsam wieder die Treppe hochgehen. „Ja, Mama, mit Weihnachten überlegen wir noch mal“, sage ich mühsam. Vor Schreck bleibt mir fast die Luft weg. Ich muss einen Fluchtweg schaffen, sagen mir die Synapsen.

    Die Garage ist geschlossen. Die Terrassentür geht zum Garten. Fieberhaft suche ich die Haustürschlüssel in den Tiefen meiner Handtasche. Gott sei Dank, das metallene Gefühl in der Hand beruhigt. Zitternd sperre ich die klemmende, schwere Eingangstür auf. Frische Luft weht mir um die Nase, ein Mann mit Hund spaziert vorbei. „Bei uns haben sie eingebrochen“, sage ich gepresst in den Hörer. Mit zittriger Hand versuche ich die Nummer der Polizei zu wählen. Das Handy entgleitet mir fast.

    Nach wenigen Minuten sind die drei Beamten der Fahndungseinheit vor Ort. Mit einer ruhigen Routine nehmen die Polizisten in Zivil den Tatort in Augenschein, gehen mit ihren Turnschuhen zielstrebig durchs Haus. „Wann haben Sie den Einbruch bemerkt? Haben Sie etwas gehört? Fehlt etwas“, wollen sie wissen.

    Die Einbrecher waren sehr ordentlich. Augenscheinlich ist alles wie immer. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich: Die Täter haben alles durchsucht. Im ganzen Haus. Jeden Schrank, jede Schublade, selbst Wäsche, Kleidung, Schuhkartons. Sie müssen Zeit gehabt haben, viel Zeit. Wie mag der Lichtkegel ihrer Taschenlampen über alles hinweggeglitten sein? Haben sie die Uhr, die Kamera, den Laptop nicht gesehen? „Die Täter suchen vor allem Bargeld und Goldschmuck“ sagt einer der Ermittler.

    Doch so ordentlich wie hier ist es nicht immer. „Manchmal sieht es richtig übel aus. Dann sind die Schubladen herausgerissen und alles liegt auf dem Boden herum“, schildert er. Nur einen alten Schrank haben sie kaputt gemacht, eine Wange abgerissen, in der Hoffnung, dahinter ein Geheimfach zu finden.

    Es ist fast halb elf. Eigentlich endet der Arbeitstag der Ermittler um 22 Uhr. „Es wird später“, sagt ein Polizist in sein Handy. Heute war viel zu tun. „Wir sind von einem Ort zum anderen gehetzt. Im Moment gibt es wahnsinnig viele Einbrüche.“ Von den Tätern gibt es indes keine Spur. „Bringst du mal den Koffer für die Spurensicherung?“, ruft ein Ermittler. Die Beamten untersuchen Fenster und Türen, leuchten alles mit Taschenlampen ab.

    Fingerbreite Hebelspuren zeigen die Akribie der Täter. Bei der Seiteneingangstüre hatten sie Erfolg. Doch Spuren hinterließen die Einbrecher nicht. Keine Fingerabdrücke, nichts. Hier waren Profis am Werk. Mit Handschuhen haben sie alles sorgsam gesichtet. Ein beruhigendes Gefühl, dass sie nichts mit bloßer Hand angefasst haben. Doch das ist auch alles.

    „Das sind professionelle Banden. Sie kommen aus größeren Städten und sind meist mit Kleintransportern unterwegs. Über die Autobahn sind sie schnell hier und auch wieder weg“, sagt ein Polizist. Das macht es so schwer, die Täter zu schnappen. „Deshalb sind wir dringend auf die Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen“, sagt er. Unbekannte Autos, die langsam durchs Wohngebiet fahren oder hier parken – all dies sind für die Polizei wichtige Hinweise.

    Die Täter auf frischer Tat zu ertappen, ist fast unmöglich. Sie kommen in der Dämmerung, meist zwischen 16 und 21 Uhr. Unbemerkt. Viele sind dann noch nicht zu Hause. Für die Täter ein leichtes Spiel. „Lassen sie sich von unseren Spezialisten beraten. Ein Gitter vor der Seitentür wäre gut“, rät der Polizist. Fenstergitter, Bewegungsmelder, Flutlicht. Einen hundertprozentigen Schutz vor Einbruch gibt es nicht. Ich werde aufmerksam sein. Es ist wirklich spät geworden heute.

    Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

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