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    Wiesbaden/Mainz

    30 Zentimeter abgesackt: Schiersteiner Brücke bleibt noch tagelang gesperrt

    Kein Ende des Verkehrschaos in Sicht: Die Schiersteiner Brücke zwischen Wiesbaden und Mainz bleibt noch bis mindestens Rosenmontag gesperrt. Lesen Sie hier, wie Sie um das Verkehrschaos herum kommen.

    Arbeiter gehen über die gesperrte Schiersteiner Brücke zwischen Wiesbaden und Mainz. Die Brücke ist am Dienstagabend überraschend für Fahrzeuge und Fußgänger gesperrt worden. 
    Arbeiter gehen über die gesperrte Schiersteiner Brücke zwischen Wiesbaden und Mainz. Die Brücke ist am Dienstagabend überraschend für Fahrzeuge und Fußgänger gesperrt worden. 

    Die Verbindung zwischen Wiesbaden und Mainz ist am Dienstagabend überraschend für Fahrzeuge und Fußgänger gesperrt worden. Die Brücke war am Dienstag abgesackt - um bis zu 30 Zentimeter, wie die Experten später mitteilten.

    Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) sagte am Mittwoch, die Experten gingen davon aus, dass die Ergebnisse der Untersuchung in der nächsten Woche vorlägen. „Wir rechnen damit, dass wir über einen längeren Zeitraum nachdenken.“ Der technische Leiter des Landesbetriebs Mobilität Rheinland-Pfalz, Bernd Hölzgen, sagte: „Die Sicherheit geht vor. Deswegen können wir die Brücke jetzt nicht freigeben.“ Weil sich ein Pfeiler auf Höhe der Anschlussstelle Mainz-Mombach an der Vorlandbrücke geneigt hatte, war das wichtige Nadelöhr gesperrt worden.

    Ein Brückenpfeiler der Vorlandbrücke hatte sich am Abend gegen 22 Uhr bei Bauarbeiten verschoben. Zur Ursache der Verschiebung sind noch keine Aussagen möglich, hieß es von den Experten. Hierzu sind Untersuchungen angelaufen. Als Folge der Verschiebung hat sich die Brücke um bis zu 30 Zentimeter abgesenkt. Am Morgen war zunächst von vier Zentitmetern gesprochen worden.

    Alle Auffahrten auf die Autobahn 643 zur Schiersteiner Brücke hin wurden gesperrt. «Natürlich staut sich jetzt alles», sagte der Sprecher. Das Bild dieser WebCam des Landesbetriebs Mobilität zeigt die verwaiste Brücke:

    Die Theodor-Heuß-Brücke dagegen:

    Dieses Video der Allgemeinen Zeitung demonstriert die verstopften Straßen:

    Im Laufe des Vormittags griff die Stadt zu drastischen Schritten - die Ampeln stadteinwärts wurden auf Rot gestellt. Wie der SWR berichtete, durften auf Veranlassung von Verkehrsdezernentin Kathrin Eder (Grüne) nur noch Autos in die Stadt, wenn andere Fahrzeuge hinaus fuhren. 

    Hier die Sicht von hessischer Seite auf das Schiersteiner Kreuz A643/A66:

    Einer der Pfeiler auf Mainzer Seite habe sich geneigt, teilte eine Sprecherin des Landesbetriebes Mobilität (LBM) Rheinland-Pfalz in Koblenz am Mittwoch mit. Dadurch hänge der Überbau durch und die Fahrbahn habe sich leicht gesenkt. Ob weitere Pfeiler betroffen sind, wieso sich der Pfeiler geneigt hatte und wie schnell das Problem gelöst werden kann, war laut der Sprecherin vorerst unklar. „Wir sind noch in der Ursachenforschung.“

    In der Nacht entstanden: Ein Riss in der Brücke. Foto: Gisela Kirschstein/mainz&
    In der Nacht entstanden: Ein Riss in der Brücke.
    Foto: Gisela Kirschstein/mainz&

    Die Behinderungen zwischen der Anschlussstelle Heidesheim und dem Kreuz Mainz-Süd auf der A60 lösten sich im Laufe des Vormittags zunächst auf - hier die WebCam bei Weisenau: 

    Spott ließ auch nicht lange auf sich warten: Ein Nutzer zog Parallelen zu der defekten Tür an der Uni, die als Netzphänomen deutschlandweit Furore machte:

    Auch in der Fassenacht ist sie gerade zu Ehren gekommen: "Der Brigg, der geht's net gut", sang Nick Benjamin bei der Sitzung der Mombacher Bohnebeitel (Video) mit dem Refrain: "Sie bebt noch, ja sie bebt noch."

    Die Sperrung hat eine Diskussion um den Zustand anderer maroder Brücken in Hessen entfacht. Nach Einschätzung des ADAC herrscht ein gewaltiger Sanierungsstau an den Brücken im Land, aber auch im übrigen Bundesgebiet. Nach Angaben des hessischen Verkehrsministeriums und von Hessen Mobil sind etwa 600 Bauwerke sanierungsbedürftig oder müssen neu gebaut werden. Bei rund 50 Brücken sei der Zustand so schlecht, dass es bereits Einschränkungen für den Verkehr gebe.

    Die Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern (Arge) kritisiert, dass zu wenig in die Infrastruktur in Hessen investiert wird. In einer Mitteilung schreibt die Arge von einem "enormen Nachholbedarf an Investitionen". "Es steht zu befürchten, dass sich 
    ähnliche Meldungen in Zukunft häufen werden, wenn nicht bald ausreichende 
    Mittel für die nötigen Reparaturen zur Verfügung stehen", heißt es weiter in der Mitteilung.

    Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) bläst in das selbe Horn: "Die Risse an der Schiersteiner Brücke stehen symptomatisch für den Zustand des gesamten Verkehrssystems“, äußert sich Prof. Ringat, Sprecher der Geschäftsführung und Geschäftsführer des RMV in einer Mitteilung. Gleichzeitig kündigte der RMV an, alles zu unternehmen, um den Verkehr in Mainz und Wiesbaden zu entlasten.

    Dichter Verkehr auf der Theodor-Heuss-Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden: Da eine der drei Verbindungen über den Rhein zwischen Wiesbaden und Mainz, die Schiersteiner Brücke, für Fahrzeuge und Fußgänger gesperrt worden ist, erhöht sich das Verkehrsaufkommen auf den übrigen beiden Brücken. Foto: Fredrik von Erichsen dpa 
    Dichter Verkehr auf der Theodor-Heuss-Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden: Da eine der drei Verbindungen über den Rhein zwischen Wiesbaden und Mainz, die Schiersteiner Brücke, für Fahrzeuge und Fußgänger gesperrt worden ist, erhöht sich das Verkehrsaufkommen auf den übrigen beiden Brücken.
    Foto: Fredrik von Erichsen dpa 

    Zehntausende Autofahrer auf beiden Seiten des Rheins standen am Mittwoch im Stau. In Wiesbaden und Mainz ging stellenweise nichts mehr. Das Fahrverbot gilt auch für Fußgänger und Radfahrer.

    Alle Auffahrten auf die Autobahn 643 zur Schiersteiner Brücke hin waren dicht. «Wir haben das Verkehrschaos hoch drei», hieß es bei der Mainzer Polizei. Sie warnte Autofahrer, in die Innenstadt zu fahren und empfahl, die Autobahnen 60, 671 und 66 zu nutzen.

     Nach Angaben des ADAC Hessen-Thüringen bedarf es bundesweit mehr Investitionen in den Brückenbau. 1,4 Milliarden Euro müssten jährlich in den Neubau und die Sanierung gesteckt werden. In diesem Jahr seien es aber nur 980 Millionen Euro, sagte Verkehrstechniker Wolfgang Herda vom ADAC in Frankfurt.

    Auch Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sieht die Brückensperrung als Ausdruck des großen Sanierungsstaus im deutschen Straßennetz. In den vergangenen Jahren sei zu wenig in die Infrastruktur investiert worden und dann auch noch meistens in den Neubau, sagte Al-Wazir. Die meisten Brücken in Deutschland seien jahrzehntealt, sie seien weder für die gestiegene Zahl der Autos noch für deren gestiegenes Gewicht ausgelegt.

    In Hessen besteht auch an zahlreichen anderen Brücken Sanierungsbedarf, etwa an der A45. Zwischen Gießen und Dortmund müssen dem ADAC zufolge alle 22 Brücken saniert und neu gebaut werden. «Bei einigen ist der Neubau wirtschaftlicher als eine Sanierung», sagte Herda. Ein Problem auf der Sauerlandlinie: Die Brücken sind durch die Witterung und tiefe Temperaturen im Winter enorm belastet. Eine Großbaustelle ist auch die A3: Zwischen Limburg und Idstein muss an neun Brücken etwas getan werden.

    Nach offiziellen Angaben hat der Vorfall an der Schiersteiner Brücke nichts mit dem Alter des Bauwerks zu tun. Die vor mehr als 50 Jahren gebaute, vierspurige Schiersteiner Brücke ist marode und vielen Pendlern von Staumeldungen im Radio bekannt. Seit 2013 entsteht daneben ein sechsspuriger Neubau, der aber erst Ende 2019 fertig sein soll.

    Die Schiersteiner Brücke war im Jahr 1962 fertiggestellt worden und umfasst zwei Fahrbahnen in jede Richtung. Mit fast 1300 Metern ist sie als Teil der Autobahn 643 laut Hessen Mobil die längste Brücke Hessens. Bis zu 90 000 Fahrzeuge passieren nach Angaben der Straßenverkehrsbehörde dort pro Tag die Landesgrenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz. 

    Die Polizei empfiehlt, den betroffenen Bereich zu meiden.  Eine Alternativroute ist derzeit nur über die A 60 / Weisenauer Brücke zum Mainspitzdreieck möglich. Von dort über die A 60 weiter in Richtung Darmstadt oder über A 671 zur A 66 Richtung Wiesbaden oder Frankfurt.

    Fernfahrern wird empfohlen, über die A 61 in Richtung Süden oder Norden auszuweichen.

    Pendler nach Mainz atmen auf: Schiersteiner Brücke ab 20. November offenVerkehr rollt ab 20. November über neue Schiersteiner BrückeNadelöhr bleibt Pendlern erhalten: Schiersteiner Brücke erst im Spätsommer 2017 fertigSchiersteiner Brücke: 2000 Tonnen Stahl schippern übern RheinEs geht voran: 120 Meter langes Bauteil an Schiersteiner Brücke eingepasst [Fotostrecke]weitere Links
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