Archivierter Artikel vom 21.11.2018, 11:29 Uhr
Rheinbrohl

Mahnen und Gedenken für den Frieden

Traditionelle Mahn- und Gedenkstunde am 29er Ehrenmal lockte bei bestem Herbstwetter zahlreiche Besucher auf die Rheinbrohler Ley.

Ewald Schneider begrüßte die Teilnehmer und Gäste zur diesjährigen Mahn- und Gedenkstunde.

Christoph Goßler

Auch die Fahnenabordnungen von Kolping, Schützen, Feuerwehr und den katholischen Junggesellen waren wie jedes Jahr anwesend.

Christoph Goßler

Bestes Herbstwetter sorgte für viele Besucher.

Michael Hammerstein

Im Innern des 29er Ehrenmals wurden Kränze und eine Blumenschale niedergelegt.

Michael Hammerstein

Auch in diesem Jahr fand die gemeinsame Mahn- und Gedenkstunde der Vereinigung ehemaliger 29er und Förderer des Ehrenmals und der Ortsgemeinde Rheinbrohl am 29er Ehrenmal auf der Rheinbrohler Ley statt. Musikalisch umrahmt vom Musikverein Bad Hönningen und dem Gemischten Chor „Rheinklänge“ Hammerstein kam man hier bei bestem Herbstwetter zusammen. Nicht wenige führte der Weg zu Fuß den Berg hinauf, um die schöne sich bietende Landschaft zu genießen.

Oben angekommen, wurden sie vom Vereinigungsvorsitzenden Ewald Schneider herzlich begrüßt. „Seit vielen Jahrzehnten haben wir uns daran gewöhnt, in einem friedlichen Land inmitten eines geeinten Kontinents zu leben, wo der Friede durch gemeinsame Werte gesichert scheint. Seit einigen Jahren ist jedoch eine bedenkliche Tendenz zu beobachten, nämlich, dass nationale Egoismen das friedliche Miteinander und auch den sozialen Frieden gefährden. Gerade die Staaten Europas, welches Schauplatz der letzten großen Kriege der Weltgeschichte war, sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein und ihre Politik wieder mehr auf ein Miteinander ausrichten anstatt nur auf den eigenen Vorteil aus zu sein. Am Volkstrauertag gedenken wir aller Opfer von Krieg, Terror und Gewalt und hoffen, dass uns der Frieden lange erhalten bleiben mag“, so Schneider zu Beginn. Sein besonderer Gruß galt dem Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel, dem Ersten Kreisbeigeordneten Michael Mahlert, dem Verbandsgemeindebeauftragten Reiner W. Schmitz, den Ortsbürgermeistern Oliver Labonde (Rheinbrohl) und Wolfgang Kluwig (Hammerstein) und den Geistlichkeiten Pastor Christian Scheinost, Pfarrer Christoph C. Schwaegermann und Kaplan Magnus Ifedikwa.

Gedenken an ungelebtes Leben

Im Folgenden richtete Michael Mahlert ein Grußwort an die Gäste. „Unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte“, zitierte der langjährige ehemalige Verbandsbürgermeister zunächst den deutschen Dichter Heinrich Heine. „Unter jedem Grabstein eine ganze Welt. – Das stimmt für die Menschen, die das Glück hatten, nach einem satten Leben, alt, quasi vom Leben müde zu sterben. Heute gedenken wir aber jener, die nicht alt starben, die ihr Leben noch nicht gelebt hatten. Wir gedenken der Menschen, die im Krieg starben, die Opfer des Krieges wurden. Unter jedem Grabstein – wenn Sie denn einen Grabstein haben – eine ganze Welt? Nein, wohl eher Träume, Wünsche, Ziele. Unter jedem Grabstein ein ungelebtes Leben. Ein vermeidbarer Tod!“ Wie in den Vorjahren verlas die junge Rheinbrohlerin Jana Scharrenbach im Anschluss ein Gedicht, bevor die Vereinigung, die freiwillige Feuerwehr und der VdK unter den Klängen des Musikvereins jeweils einen Kranz beziehungsweise eine Blumenschale niederlegten.

Mehr als 15 Millionen Tote in vier Jahren

Die eigentliche Ansprache zum Volkstrauertag hielt in diesem Jahr Ortsbürgermeister Oliver Labonde. Er erinnerte an mehr als 15 Millionen Tote in vier Jahren, an neun Millionen Soldaten und mehr als sechs Millionen Zivilisten. „Die alten Dämonen stehen wieder auf – bereit ihr Werk von Chaos und Tod zu vollenden“, Zitat des französischen Prädidenten Emmanuel Macron vor wenigen Tagen zum 100-jährigen Ende des Ersten Weltkrieges. Die Sicherung Europas könne nur über ausgebaute Freundschaften wie zwischen Deutschland und Frankreich garantiert werden. Oder auch mit anderen Ländern, so erinnerte er weiter an den Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zusammen mit der englischen Königin zur Gedenkfeier in London. „Diese starken Gesten wurden in Europa wahrgenommen und sollten nicht nur Mahnung sein, sondern zum Umdenken führen, damit der aktuelle eingeschlagene, nationalistische Kurs von einigen Ländern Europas und der Welt sich nicht weiter ausdehnen kann. Insofern ist der Volkstrauertag nicht nur Mahnung, sondern auch Ansporn. Ansporn für den Frieden und eine offene und tolerante Gesellschaft“, so Labonde in seiner Ansprache. Mit Beiträgen des Chores und des Musikvereins klang die diesjährige Gedenkstunde aus. Ewald Schneider dankte am Ende noch allen Helfern und Unterstützern, nicht nur zu diesem Anlass, sondern auch allen Gruppierungen, die sich das ganze Jahr über um die Anlagen auf der Rheinbrohler Ley verdient machen.