Archivierter Artikel vom 07.03.2018, 15:12 Uhr
Waldbreitbach

Läufer messen sich in stillgelegtem Salzbergwerk

Lauftreff des VfL Waldbreitbach ist auch unter Tage erfolgreich.

Foto: VfL Waldbreitbach

Kalt, nass und rutschig. Das sind die wohl treffendsten Bezeichnungen für die Wetterbedingungen, mit denen sich Läufer auch im Wiedtal seit vielen Wochen herumplagen. Zwei Mitglieder des Lauftreffs VfL Waldbreitbach, Tobias Bußmann (Bonefeld) und Sebastian Fröder (Waldbreitbach/Glockscheid), sannen daher auf zumindest kurzfristige Abhilfe. Denn die versprach ein Lauf im thüringischen Merkers: 500 Meter unter Tage lockten angenehme 21 Grad bei nur 30 Prozent Luftfeuchtigkeit im stillgelegten Salzbergwerk.

Mit einem nur als komfortabel zu bezeichnenden Aufzug ging es in völliger Dunkelheit 20 Sekunden lang in die Tiefe. Erste Bürgerpflicht war das Aufsetzen von Helmen, die im Bergwerk Pflichtausrüstung sind. Die meisten Teilnehmer behalfen sich hier mit zugelassenen Fahrradhelmen. Kleine Pritschen-Lkw brachten sie in allerdings nur gefühlter halsbrecherischer Geschwindigkeit in den Start- und Zielbereich. Dort wartete ein 250 Meter langer und 22 Meter breiter Saal auf sie, dessen Prunkstück der weltgrößte unterirdische Schaufelradbagger darstellt.

Stühle wie in einem Theatersaal und vernünftige Sanitäreinrichtungen standen den Teilnehmern zur Verfügung, sogar ein Kletterseilgarten war installiert. Im thüringischen Boden verlaufen 4600 Kilometer Stollen bis zu einer Tiefe von 860 Metern, von denen 3,25 Kilometer als Rundkurs zum Laufen freigegeben wurden. Den ersten Tageswettbewerb bildeten drei Runden als (fast) Zehn-Kilometer-Lauf, danach wurden gemeinsam die Halbmarathon- (sieben Runden, 22,75 Kilometer) und Marathonläufer (13 Runden, 42,25 Kilometer) losgelassen.

Trotz der vorhandenen Beleuchtung waren die Läufer verpflichtet, eine Stirn- oder Taschenlampe mitzuführen. Die erste Überraschung wartete direkt beim Verlassen der großen Halle in Form einer ersten veritablen Steigung. Denn aufgrund tektonischer Aktivitäten sind die salzführenden Schichten verschoben und stellen somit ein stetes, bis zu 15 Grad heftiges Auf und Ab mit dar. Pro Runde waren daher etwa 60 Höhenmeter zu bewältigen.

Vorbei an ausgedientem Bergwerksgerät und nach vielen Richtungs- und Höhenwechseln war trotzdem schon bald auf der Rundenmitte der erste von zwei gut bestückten Verpflegungspunkten erreicht. Viel zu trinken war bei der großen Trockenheit ganz besonders wichtig, denn der Schweiß trocknete direkt auf der Haut. Zahlreiche Marathonläufer kamen so auf fünf und mehr Liter Flüssigkeitszufuhr im Laufe des Rennens.

Nach 3,25 Kilometern war die erste Runde geschafft und die zweite Verpflegungsstation am Ende der Halle erreicht. Weitere sechs Runde hatten die beiden Lauftreffler noch zu absolvieren, was sie mit Bravour schafften: Fröder war nach 2:08 Stunden, hochzufrieden im Ziel, während Bußmann offensichtlich nicht genug bekommen konnte: Sein Arbeitstag war eigentlich bereits nach 1:49 Stunden beendet, aber da ihn niemand aufhielt, hängte er versehentlich sogar eine achte Runde dran.

Beide beschlossen noch in der Tiefe, im nächsten Jahr, vielleicht durch weitere Mitglieder des Lauftreffs VfL Waldbreitbach verstärkt, wiederzukehren. Glück auf!