Archivierter Artikel vom 27.03.2019, 15:00 Uhr
Neuwied

Internationale Woche gegen Rassismus war Thema bei Eirene Neuwied

Die Teilnehmer des Qualifizierungskurses „Konfliktvermittler“ von Eirene Neuwied veranstaltetet kürzlich eine Gesprächsrunde zum Thema Rassismus.

Die Konfliktvermittler des EIRENE-Projektes "Starke Nachbarn" veranstalteten im Rahmen der Internationalen Woche gegen Rassismus eine Gesprächsrunde zum Thema Rassismus.
Die Konfliktvermittler des EIRENE-Projektes „Starke Nachbarn“ veranstalteten im Rahmen der Internationalen Woche gegen Rassismus eine Gesprächsrunde zum Thema Rassismus.
Foto: EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst

Diese fand im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus 2019 statt, an denen sich die Stadt Neuwied beteiligt.

Zunächst gab es eine Vorführung mit Tejan Lamboi, Bilal Almasri und Simone Mertsch. Diese spielten einen rassistischen Übergriff nach, in dem eine weiße Frau die Haare eines Schwarzen als „Löwenmähne“ bezeichnet und versucht hatte, diese anzufassen. Auf das verletzende Verhalten hingewiesen, rechtfertigte sie sich damit, es nicht so gemeint zu haben. Sie könne gar nicht rassistisch sein, sie habe schließlich einen schwarzen Schwager.

Nach der szenischen Darstellung verdeutlichten Ngozi Okeke und Christa Frey mit Statements, dass es bei rassistischen Vorfällen nicht auf die angeblich harmlose Absicht ankomme. Ausschlaggebend sei die Wirkung, die mit derartigem Verhalten bei Persons of Color (PoC) und Schwarzen erzeugt werde. Des Weiteren legten sie dar, dass Rassismus von der gesamten weißen Mehrheitsgesellschaft ausgehe. Es greife zu kurz, wenn weiße Menschen diesen lediglich bei AfD und Pegida verorteten und sich selbst als frei von rassistischen Verhaltensweisen sähen. Die anschließende Gesprächsrunde wurde von Ngozi Okeke geleitet. Tejan Lamboi, Antirassismustrainer aus Berlin, gab zu Bedenken wie wichtig es sei, die eigene Sprache und die verwendeten Begriffe zu reflektieren. Als Beispiel führte er das Wort „farbig“ an. Dessen Verwendung als Bezeichnung für schwarze Menschen sei rassistisch. Es sei, wie viele andere Begriffe, im Zusammenhang mit europäischer Eroberung und Kolonialisierung entstanden. Damit werde die Abweichung von einer konstruierten und zugleich unausgesprochenen Norm – dem weiß sein – markiert. Er empfahl, dass Weiße sich anhand geeigneter Literatur schwarzer Autoren und von PoC in das Thema einlesen. Die Bücher exitRACISM von Tu-poka Ogette oder Deutschland Schwarz Weiß von Noah Sow seien geeignet für den Einstieg in das Thema.

Aus dem Publikum berichtete Tsiko Amesse von eigenen Erfahrungen mit rassistischen Bemerkungen und Handlungen. Er erklärte anhand einiger Beispiele, wie er mit solchen Situationen umzugehen pflege. Eirene-Mitarbeiter Felix Sirrenberg verwies auf seine Unsicherheit in Bezug auf seinen Umgang mit diesem Thema. Er sei erfreut darüber, dass es an seinem Arbeitsplatz eine Expertin gäbe, die einen rassismuskritischen Veränderungsprozess begleite. Bei diesem könne er viel lernen und Nachfragen seien willkommen. Alle Anwesenden betonten, wie wichtig es sei, miteinander ins Gespräch zu kommen und wünschten sich weitere Gelegenheiten dazu. Abschließend zeigte sich Ngozi Okeke zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung und beendete diese nach zwei Stunden.