Archivierter Artikel vom 26.11.2019, 15:18 Uhr
Linz/Rhein

Ilka Piepgras ließt aus ihrem Buch „Letzte Reisen“

In seiner dritten Informationsveranstaltung 2019 hatte der Förderverein für Palliativ- und Hospizarbeit Rhein-Wied in Kooperation mit der Katholischen Familienbildungsstätte und der Buchhandlung Cafitz zu einer Lesung eingeladen.

Das Foto zeigt Ilka Piepgras (Mitte) mit dem Vorstand des Fördervereins und Ute Gilles-Adenauer (Zweite von rechts) von der Katholischen Familienbildungsstätte.
Das Foto zeigt Ilka Piepgras (Mitte) mit dem Vorstand des Fördervereins und Ute Gilles-Adenauer (Zweite von rechts) von der Katholischen Familienbildungsstätte.
Foto: Förderverein Rhein-Wied

Ilka Piepgras, die als Redakteurin beim ZEITmagazin Schriftstellerkolleginnen portraitiert, über Kochkultur und Mode schreibt, las aus ihrem Buch „Letzte Reisen“ zu einem ganz anderen Thema, nämlich über ihre sehr persönlichen Erfahrungen als Sterbebegleiterin.

Drei thematische Abschnitte des Buchs hatte Frau Piepgras an diesem Abend ausgewählt:

Im ersten Abschnitt schilderte sie ihren Weg in die Hospizbewegung: Vom unfassbaren plötzlichen Tod des Nachbarn, einem Ereignis, das sie total überforderte, hin zum Entschluss, sich über die Ausbildung zur Hospizbegleiterin intensiv mit dem Thema Sterben und Tod auseinanderzusetzen.

Es folgte im zweiten Teil die exemplarische Schilderung einer Begleitung: Helene, 40 Jahre, Mutter von zwei Kindern, seit zwei Jahren krebskrank und in der letzten Phase ihres Lebens angekommen. Die Autorin beschrieb, dass Helenes Art zu sterben in Lebenshunger und Weiterlebenwollen bestanden habe. Deshalb geschah hier die Begleitung in vielen Spaziergängen, im Erleben von Natur, in Gesprächen über das Leben, nicht aber im Reden über Sterben und Tod.

In ihrem Schlussteil zog Ilka Piepgras Bilanz über ihre Erfahrungen als Sterbebegleiterin: Die Sterbebegleitung habe sie zu einem stärkeren Menschen gemacht, sie sei radikaler geworden und achte mehr auf den Sinn und Wert ihres Tuns.

Im Anschluss an die Lesung stellten die Zuhörer noch viele Fragen: Wie können Angehörige von Sterbenden stark gemacht werden? Wie gehen Hospizbegleiter mit den Bildern um, die sie in der Begleitung mitnehmen? Wie steht es überhaupt um die persönliche Bindung einer Hospizbegleiterin an einen Schwerkranken? Wie kommen Hospizbegleiter an die zu begleitenden Personen? In welcher Phase des Sterbens werden sie eingesetzt? Gibt es überhaupt ein „Sterben in Würde“ und was bedeutet es? Ist der assistierte Suizid nicht die bessere Lösung?

Der von Stefan Wester, dem zweiten Vorsitzenden des Fördervereins, moderierte Leseabend war wie die vorausgegangen Veranstaltungen eine Ermutigung, sich mit der Problematik Sterben und Tod individuell und gesellschaftlich als fortwährende Aufgabe auseinander zu setzen, also weiter an der Enttabuisierung des Todes und an verbesserten Möglichkeiten der Begleitung Sterbender zu arbeiten. Frau Piepgras meinte dazu: „Wer sich im Hospiz engagiert, so scheint es, übernimmt gleichzeitig die Rolle eines Botschafters im Sterben, eine Rolle, die noch öfter besetzt werden muss.“

Zum Abschluss gab es die obligatorischen Autogramme und interessierte Einzelgespräche mit der Autorin.