Archivierter Artikel vom 25.02.2021, 15:22 Uhr
Engers

Gedenken an den Holocaust – virtuell an der IGS

Seit mehr als zehn Jahren organisiert die IGS Johanna Loewenherz für die zehnten Klassen am Holocaust Gedenktag eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit Günther Salz zum Thema „Engers und die NS-Zeit“.

Für die Schüler bot sich dabei immer die beeindruckende Gelegenheit, zu erfahren, wie die Menschen während des Nationalsozialismus in Engers und Umgebung lebten, welche Schicksale sich ereigneten und wie Krieg und Hetze deren Leben bestimmten. Herr Salz präsentierte dazu eine 40-minütige Bild- und Tonshow, die er in Zusammenarbeit mit dem Landesmedienzentrum erstellt hatte. Im Anschluss konnten die Schüler mit ihm ins Gespräch kommen, Fragen stellen und sehr persönliche Eindrücke gewinnen. In Zeiten des Corona-Lockdowns konnte diese traditionsreiche und wichtige Veranstaltung leider nicht in der Schule stattfinden. Alle Beteiligten hatten jedoch ein Internet-Format entwickelt, das es den Schüler der Klassenstufe 10 erlaubte, die Tonshow im Vorfeld zu sehen. Herr Salz kam danach mit den Zehnern ins virtuelle Gespräch. Die Resonanz war groß. Viele Schüler nahmen an der Fragestunde teil. Kameras und Mikrofone waren ausgeschaltet, um eine stabile Übertragung zu gewährleisten. Herr Salz ging auf Filmsequenzen ein und erklärte die Hintergründe mancher Szene. Auch Einzelschicksale wurden von ihm vertieft, wie zum Beispiel das „Verschwinden“ der jüdischen Engerser Familie Mendel, die brutale Hinrichtung des „Fremdarbeiters“ Franciszek Matczak oder das Überleben des Kommunisten Josef Günter. Zeichen des Widerstandes setzten auch die Engerser Pfadfinder, die während der NS-Diktatur nicht in HJ-Braunhemden, sondern in ihren Pfadfinder-Hemden zum Fronleichnam-Aufmarsch vor dem Schloss erschienen.

Herr Salz berichtete aber nicht nur von Opfern. Er recherchiert aktuell auch nach Tätern, die in Engers lebten. Der Hauptsturmführer Rudolf Schmücker wuchs in Engers auf und machte als Nazi Karriere. In der Nachkriegszeit konnte er sich schnell reinwaschen, wurde lediglich als „Mitläufer“ bezeichnet und konnte zunächst seine Karriere bei der Landespolizei in Mainz unbeschadet fortsetzen. Die ein- oder andere Frage von Schülern erlaubte es Herrn Salz, zusätzlich interessante Geschichten aus der damaligen Zeit zu erzählen und einen Eindruck der bedrückenden Lage von Menschen zu bekommen, die nicht in das Weltbild der Nationalsozialisten passten. Demokratie ist nichts Selbstverständliches und Herr Salz verwies dabei auf die Ereignisse vor dem Berliner Reichstag, dessen Stufen im letzten Jahr von einer Horde randalierender Demonstranten gestürmt wurde. Demokratie müssen wir verteidigen – heute, in Europa, in den USA, in Russland, in der Türkei, überall. Das abschließende Gruppenbild auf den Bildschirmen stimmte diesbezüglich hoffnungsvoll.