Archivierter Artikel vom 02.11.2018, 14:16 Uhr
Neuwied

Absetzen von Antidepressiva: Wege zur Risikoverminderung und Rückfallverhütung

NO NAME ist eine Selbsthilfegruppe, die sich seit nunmehr 18 Jahren mit psychischen Erkrankungen verschiedenster Art (Ängste und Depressionen, auch in Verbindung mit Sucht, Psychosen) auseinandersetzt.

Sie hatte kürzlich als Referenten Dr. phil. h.c. Peter Lehmann aus Berlin, selbstständiger Autor und Verleger und Gründer des Antipsychiatrieverlages sowie selbst Betroffener, zu Gast. In seinem Referat zum Thema „Absetzen von Antidepressiva – Wege zur Risikoverminderung und Rückfallverhütung“ greift Lehmann ein Thema auf, das in der heutigen Zeit große Brisanz hat.

Die Gruppe der Antidepressiva zähle zu den psychiatrischen Psychopharmaka, die am schwierigsten abzusetzen seien – zumindest laut einer betroffenenkontrollierten Studie in England. Im aktuellen Diagnosenbuch DSM-5 sei ein Antidepressiva-Absetzsyndrom gelistet mit einem Komplex von Symptomen, die beim Absetzen der Anti​depressiva auftreten können und einzig durch die Wiedereinnahme von Antidepressiva beherrschbar seien, so Lehmann.

In einem zweitägigen Workshop bei NO NAME lernten die Gruppenmitglieder die derzeit bekannten Maßnahmen ken​nen, mit denen Risiken beim Absetzen vermindert werden können und der Gefahr von Rückfällen einigermaßen vorgebeugt werden kann. „Patentrezepte gibt es nicht, aber Erfahrungsberichte Betroffener sowie Ratschläge kompetenter Ärzte, zudem Betroffenenforen, in denen kompetente und verantwortungsvolle Informationen aus​getauscht werden“, so Lehmann.

Ziel des Workshops war, aus Betroffenensicht (Peter Lehmann ist kein Arzt) einen Überblick zu geben über alle möglichen Aspekte des Absetzens, damit man verantwortungsvoll entscheiden kann, ob man Antidepres​siva absetzen will und welche Maßnahmen man einleiten könnte oder sollte.

Dieser Workshop war das zweite Projekt von NO NAME in diesem Jahr. Bereits im Frühjahr dieses Jahres fand das Projekt „Besuch einer Vorstellung im Schlosstheater Neuwied“ statt, in welchem es in erster Linie darum ging, psychisch kranken Menschen die Angst vor Menschen zu nehmen. Geplant ist in diesem Jahr noch der Besuch eines Weihnachtsmarktes.

Möglich sind diese Projekte durch finanzielle Unterstützungen des Landesnetzwerks Selbsthilfe seelische Gesundheit in Rheinland-Pfalz (ehemals LVPE RLP) sowie durch Unterstützung verschiedener Krankenkassen.

Die Gruppe NO NAME ist eine offene Gruppe und nimmt jederzeit neue Mitglieder auf; es bestehen keinerlei Wartezeiten. Die Gruppentreffen finden zweiwöchentlich freitags von 18 bis 20 Uhr in der Tagesklinik des Marienhausklinikums St. Antonius, Willi-Brückner-Straße 8, Neuwied, statt. Infos unter www.shg-noname.de oder Telefon 02683/948 99 25.