Archivierter Artikel vom 02.04.2019, 15:20 Uhr
Koblenz

Zeitzeugin Edith Erbrich berichtete von ihrem Leidensweg während des Holocaust

Die Schilderungen der Holocaust-Überlebenden Edith Erbrich sorgten angesichts der unvorstellbaren Erlebnisse, die Frau Erbrich als Kind erleiden musste, bei den jungen Zuhörern für fassungsloses Entsetzen und Tränen.

Foto: Staatliches Koblenz-Kolleg und -Abendgymnasium

Als siebenjähriges Mädchen wird Edith Erbrich mit ihrem Vater und ihrer Schwester kurz vor Kriegsende in einem Viehwaggon Richtung Osteuropa verschleppt. Mehrere Tage müssen die Menschen unter erbärmlichen Umständen im Zug ausharren.

Ediths Vater ist Jude, die Mutter „Arierin“, dies führt dazu, dass die Mutter ins Gefängnis kommt und der Vater mit den Kindern ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wird. Die unerträglichen Lebensbedingungen der Menschen, die dort während der Zeit des Nationalsozialismus interniert waren, lassen sich kaum vorstellen und ertragen. Wie die kleinen und jungen Häftlinge diesen unmenschlichen Alltag bewältigten, lässt sich kaum begreifen.

Edith Erbrich berichtete in eindrucksvoller Weise von ihrem Martyrium, so dass die sehr persönlichen Worte für jeden “Nachgeborenen” eine Pflichtstunde in Sachen Geschichte darstellten, denn es ging nicht um Zahlen und abstrakte Größenordnungen, sondern um Menschen und menschliche Gefühle, um Angst und Hoffnung unter ausweglosen Bedingungen.

Edith Erbrich unterstrich aber auch, dass es Menschen gab, die im Rahmen der damaligen Möglichkeiten bereit waren, verfolgten Menschen zu helfen. Nach der schrecklichen Zeit im Konzentrationslager erfolgte in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai 1945 die Befreiung durch die Rote Armee. Edith Erbrich, ihr Vater und ihre Schwester überlebten und kehrten auf abenteuerlichen Wegen nach Frankfurt zu Ehefrau und Mutter zurück.

Frau Erbrich ist es sehr wichtig, die Erinnerung an ihre furchtbaren Erlebnisse jungen Menschen zu vermitteln, um deutlich zu machen, was damals passiert ist. Sie will über die Vergangenheit sprechen und Auskunft geben, damit ein solch menschenverachtendes Regime nie wieder an die Macht kommt. Sie setzt sich in ihrer Heimatstadt Frankfurt am Main dafür ein, das Gedenken an die menschenverachtenden Zustände und die vielen Ermordeten wachzuhalten.

Seit 2015 gibt es auf dem Grundstück der Europäischen Zentralbank, auf deren Gelände damals die Frankfurter Großmarkthalle lag und die Züge zu den Konzentrationslagern abfuhren, einen Edith-Erbrich-Steg, der an alle Deportierten und Ermordeten erinnert.