Archivierter Artikel vom 11.08.2020, 14:36 Uhr
Kettig

Kräuterwanderung in Kettig wurde trotz Corona und Hitze durchgeführt

Bei der inzwischen fünften Kräuterwanderung unter der Leitung von Kräuterpädagogin Katharina Kindgen von der NABU trafen sich im Landschaftsschutzgebiet Kettiger Bachtal viele Interessierte Natur- und Kräuterfreunde.

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Schattige Plätze waren bei 38 Grad sehr gefragt.
Schattige Plätze waren bei 38 Grad sehr gefragt.
Foto: NaturFreunde Kettig

Nach der Begrüßung und den Hinweisen zu den Abstandsregeln und der Corona Verordnung des Landes Rheinland Pfalz wurde den interessierten Zuhörern zum Beginn durch den Vorsitzenden der Kettiger Naturfreunde, Oliver Hartmann, mit einer kleinen Information zu den NaturFreunden Kettig, deren Veranstaltungen und Projekte vorgestellt. Trotz großer Hitze bei Temperaturen bis 38 Grad waren die Kräuterfreunde zahlreich erschienen und es fand im Vorfeld eine große Resonanz zu der Exkursion in Kettig statt. Da die Teilnehmerzahl begrenzt war konnten nicht alle an der Wanderung teilnehmen.

Auf dem "Platz der Begegnung" auf der Elmar Wiese konnten die Kräuterliebhaber kurz ausruhen bei einem Gedicht von Heinz Erhardt.
Auf dem „Platz der Begegnung“ auf der Elmar Wiese konnten die Kräuterliebhaber kurz ausruhen bei einem Gedicht von Heinz Erhardt.
Foto: NaturFreunde Kettig

Frau Kindgen begrüßte die Kräuterliebhaber nach einer kleinen theoretischen Einleitung. Nur ein paar Meter weiter am Kettiger Bach konnte die Biologin auf die Besonderheiten der Eberesche hinweisen, die essbar ist und und die auch zu Marmelade verarbeitet werden kann. Wiederholt verwies Frau Kindgen auf die meist ungeliebten Brennesseln, die zahlreiche Vitamine Mineralstoffe aufweisen und zum Beispiel gut für die Haare sind. Auch die Blüten der Brennnesseln (Nüsschen) sind essbar und man kann sie geröstet genießen. Auch Schmetterlingsflieder wurde entdeckt, mit der traurigen Tatsache, dass die Populationen der Schmetterlinge seit 2010 weiter stark gesunken sind. Dies hat auch damit zu tun, das Wiesen todgemäht und Blumen oder Hecken kaputt geschnitten werden oder Steingärten angelegt werden und somit viele Insekten keine Nahrung mehr finden.

Bei einer der Holunder Plantagen, die es in Kettig häufig gibt, verwies Herr Hartmann auf die große Bedeutung des Holunders für Kettig, welches das größte zusammenhängende Anbaugebiet in Deutschland habe. Auch der Holunder hat viele Vitamine und ist vielfältig verwendbar, zum Beispiel als Marmelade, Saft, Likör, Sekt oder zum Kochen. In früheren Zeiten, so Frau Kindgen, hatte der Holunder mehrere rituelle Aufgaben und die Menschen glaubten an seine heilende Wirkung, etwa bei Zahnfleischentzündungen oder offenen Wunden, auch wurde er als „Frauenbaum“ bezeichnet. Vom Verzehr im Rohzustand riet die Kräuterexpertin jedoch ab.

Auf der Elmar Hillesheim Wiese wurde auf den Weidenanbau der Förder- und Wohnstätte aufmerksam gemacht. Dort fand sich unter anderem der Beifuß, ein Korbblütengewächs, das Ambrosia enthält. Dies wurde früher oft bei Geburten oder Sterbenden verwendet. Auch glaubten die Menschen damals, es schütze vor Dämonen und Gewitter. Die Schafgarbe sei sowohl für Verletzungen geeignet als auch zum Füllen von Enten oder Geflügelbraten. Weiter ging es am Kettiger Bach mit der Wilden Möhre und dem Rainfarn. Auf der Elmarwiese trug die Pädagogin für die Kräuterliebhaber ein heiteres Gedicht von Heinz Erhard vor, welches den Zuhören viel Spaß und Abwechslung brachte. Auf dem Rückweg erklärte Frau Kindgen, dass die Eiche auch zum Gerben benutzt wurde und gut gegen Rachenentzündung sei. Bei der Diestel Maria Bettstroh erfuhren die Kräuterfreunde, dass diese früher von Kindern geerntet wurden um damit Kissen und Matratzen zu füllen. “Finger Weg Pflanze“ so nennt Kindgen die Planzen, die für den Menschen hoch giftig sind. So wurde bei der Hundspetersilie eindringlich davor gewarnt, diese zu verzehren (eine geringe Menge kann zu Tod führen), sogar sie anzufassen sei gefährlich.

Frau Kindgen hätte noch viele weitere Kräuter auf dem recht kurzen Stück zwischen Anne Frank Schule und Elmar Hillesheim Wiese zeigen und erklären können, doch aus zeitlichen Gründen und wegen der hohen Temperaturen musste man zum Abschluss kommen. Herr Hartmann bedankte sich bei der Expertin und bei allen Teilnehmern für die Interessante Führung im Landschaftsschutzgebiet Kettiger Bachtal.