Archivierter Artikel vom 20.03.2020, 09:24 Uhr
Koblenz

Konzert am Hilda-Gymnasium: Klares Statement gegen rechte Gewalt

Ein äußerst ambitioniertes Konzertprogramm wurde kürzlich in der Aula des Koblenzer Hilda-Gymnasiums aufgeführt.

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„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen“ – dieses Zitat des italienischen Schriftstellers und Auschwitz-Überlebenden Primo Levi ist Titel und zugleich Herzstück dieses Konzertprogramms.

Am 19. April 1945 schworen sich die Befreiten des Konzentrationslagers Buchenwald in einer bewegenden Ansprache, den „Nazismus mit seinen Wurzeln“ zu vernichten. Doch schon bald nach dem Untergang des NS-Regimes lebte in Deutschland rechtsextremes Gedankengut wieder auf. Seit 1945 fielen immer wieder Menschen rechtsextremer und rassistischer Gewalt zum Opfer. Seit ihrer Gründung sind in der Bundesrepublik Deutschland Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rechtsextremismus immer wieder Realität geworden. Zuletzt in Halle/Saale und Hanau.

Der Fernsehschauspieler Roman Knižka und das Ensemble OPUS 45, ein klassisches Holzbläserquintett, beleuchten in ihrer knapp eineinhalbstündigen musikalischen Lesung schlaglichtartig einschneidende Ereignisse in der Entwicklung der extremen Rechten seit der Gründung der Bundesrepublik. Darunter die Schändung der Kölner Synagoge im Jahr 1959, die Pogrome von Solingen, Mölln und Rostock sowie die rechtsextremen Terrorakte des NSU.

Der literarische Teil des Programms besteht aus harte Fakten, etwa in Form von Reportagen, Stimmen von Opfern rechter Gewalt sowie dem Zeugnis einer Neonazi-Aussteigerin. Knižka agiert in diesem halbszenisch angelegten Part ausgesprochen brillant, mit beeindruckend wandlungsfähiger Stimme. Den musikalischen Kommentar zur Lesung bilden große Werke der Holzbläserquintettliteratur von Paul Hindemith, Pavel Haas und György Ligeti. Die Musiker des Ensemble OPUS 45 präsentieren diese in einer bis ins Detail ausgefeilten und ausgesprochen effektvollen Interpretation.

Alle drei Komponisten wurden zu Opfern von Holocaust und nationalsozialistischer Diktatur. Der bereits arrivierte Komponist und Hochschulprofessor Paul Hindemith wurde als Verfasser sogenannter „entarteter Musik“ bereits 1936 von der nationalsozialistischen Kulturpolitik mit einem Aufführungsverbot belegt. Pavel Haas, der hochbegabte tschechisch-jüdische Komponist und Schüler Leoš Janáčeks, wurde im Konzentrationslager Theresienstadt interniert und später in Auschwitz ermordet. György Ligeti verlor Vater und Bruder in deutschen Konzentrationslagern. Als engagierter Neuerer der klassischen Musik widersetzte er sich übrigens später auch dem ästhetischen Diktat im stalinistisch geprägten Ungarn.

Das Konzert fand als Matinee für die Oberstufe des Hilda-Gymnasiums statt. Träger der Veranstaltung waren die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz sowie der Verein Mahnmal Koblenz. Mit ihrem Engagement möchten Schauspieler Roman Knižka und das Ensemble OPUS 45 besonders Schüler dazu animieren, sich mit der Problematik näher auseinanderzusetzen. Ein erklärtes Anliegen ist es außerdem, den Opfern rechter Gewalt zu gedenken und ihnen ein künstlerisches Denkmal wider das Vergessen zu setzen.