Archivierter Artikel vom 23.04.2021, 12:38 Uhr
Koblenz

Fünf Jahre Wandern mit Freunden

"Ich plante das Projekt Wandern mit Flüchtlingen im Februar 2016, als ehrenamtlicher Mitarbeiter im Rahmen des ehrenamtlichen Patenprojektes für Flüchtlinge der Caritas Koblenz.

Es ging mir darum, Flüchtlinge aus ihren Camps zu holen um ihnen unsere schöne Heimat zu zeigen. Viele hatten noch nicht viel von Deutschland und unserer schönen Gegend gesehen. Am 29. April 2016 war es soweit für unsere erste Wanderung. Wir wanderten den Rheinsteig von Kaub nach Lorsch. Dabei waren elf Flüchtlinge und vier Ehrenamtliche, der Caritas Koblenz und dem Sozialen Netzwerk Koblenz (SNK). Ich kann mich noch sehr gut an diese Wanderung erinnern, zumal es sich ja auch um eine neue Erfahrung für uns alle handelte. Menschen wanderten mit, die unter schlimmsten Umständen nach Deutschland flüchteten. Wir wollten diesen Menschen unsere schöne Landschaft zeigen, engeren Kontakt aufnehmen und uns austauschen. Das beruhte auf Gegenseitigkeit. Wir fanden schnell heraus: was gibt es Besseres als wandern? Verständigungsschwierigkeiten gab es nicht und unsere erste gemeinsame Wanderung kam bei allen sehr gut an. Alle Wanderer waren am Ende ausgelassen und fröhlich, es hatte gut geklappt. Wir legten gemeinsam fest, dass wir den letzten Sonntag im Monat als unseren permanenten Wander-Termin nehmen. Ich plante neue Wanderungen.

Im Juli 2016 kam unser Wanderfreund Mohammed Ali als Projektmitarbeiter hinzu. Er war für die arabisch sprechenden Teilnehmer zuständig. Gemeinsam besprachen wir jetzt die von mir geplanten Wanderungen. Mohammed und ich gingen auch vorher manche Wanderstrecken ab, besonders vor dem Ramadan, um zu sehen, ob die Strecken nicht zu mühsam sind. Jetzt wurde auch unser Name zu Wandern mit Freunden geändert. Unsere Wandergruppe hatte bis Dato 33 Wanderungen, vier Besichtigungen, eine Stadtführung, drei große Grillfeste und eine Aktion, (pflanzen unseres Apfelbaumes). Leider sind mehrere Wanderungen wegen der Corona-Pandemie ausgefallen. Es hatte sich auch schnell eine Kerngruppe von acht Wanderern gebildet und wir konnten durchschnittlich mit 16 Teilnehmern rechnen. Hunderte von Menschen waren bei den Wanderungen dabei. Beliebt waren auch unsere großen Grillfeste, wo auch viele Familien teilnehmen konnten, die nicht zur Wandergruppe gehörten. Man kann sagen, Wandern mit Freunden ist eine außergewöhnliche Wandergruppe und wir können auch ruhig den Anspruch auf das Wort „Multikulturell“ erheben. Darauf sind wir alle stolz. Einmal habe ich festgestellt, dass Menschen aus zehn verschiedenen Ländern zusammen kamen um mit uns gemeinsam zu wandern.

Das Ziel eine Internationale Wandergruppe zu gründen ist gelungen, dank der vielen Freunde die mitgemacht haben und die Unterstützung der Caritas Koblenz. Viele der ehemaligen Flüchtlinge, die anfangs mitgewandert sind, sind alle heutzutage integriert, haben Jobs und ihre Familien konnten nachkommen. Vielleicht hat unsere Wandergruppe dazu beigetragen, dass sich die Menschen hier in Koblenz wohlfühlen.

Nachfolgend einige Glanzpunkte, an die ich mich gerne erinnere:

  • 28. Mai.2016: Burg Eltz, die Gräflich Eltz´sche Kastellanei hat uns eingeladen alles umsonst zu besichtigen. Anschließend gab es umsonst Getränke und Essen.
  • 21. Mai 2017: Auf unserer Kräuterwanderung am Remstecken bestimmen wir, unter Anleitung von unserer Kräuter-Expertin Mary Niegot, Kräuter am Wiesen- und Wegesrand.
  • 29. Juli 2018: Halfterweg, großer historischer Wanderweg von Diez an der Lahn nach Obernhof an der Lahn. Der längste Wanderweg mit fast 20 Kilometern – bis jetzt!
  • 30. September 2018: Ein Apfelbaum wurde gepflanzt, als Wunschbaum und unser Wahrzeichen, im BUND Garten, am Moselweiser Hang.
  • 28. Oktober 2018: Reichsburg Cochem, hier drehte der SWR einen Dokumentarfilm über unsere Wandergruppe, der Tage später im Fernsehen ausgestrahlt wurde.
  • 29. September 2019: Drachenfels/Drachenburg, hier hatten wir eine ausführliche Führung durch das Schloss. Finanziert durch Caritas Koblenz und dem SNK.
  • 26. Juli 2020: Forsthaus Kühkopf, hier begleitete uns eine Reporterin der Deutschen Welle. Sie führte Interviews mit uns allen und ihr Beitrag wurde weltweit gesendet. Freunde von mir in Australien haben diesen Bericht im Radio gehört.

Was immer sehr gut geklappt hat, sind die Fahrgemeinschaften zu unseren Ausgangspunkten, niemand blieb zurück. Treffpunk ist und bleibt der Lidl in der Nähe des Hbf. Koblenz. Ich bedanke mich bei allen Fahrern. Ich freue mich schon darauf, dass wir nach Ende der Corona-Pandemie sofort wieder jeden letzten Sonntag im Monat wandern gehen. Wir haben noch viel nachzuholen und herrliche Landschaften zu sehen. Durch Facebook oder unsere WhatsApp-Gruppe bleiben wir immer in Verbindung, das ist sehr wichtig. Ich führe seit 2017 ein Wanderbuch mit den Teilnehmern und seit 2019 haben wir eine kleine Wanderkasse, die momentan mehr als 80 Euro enthält. Davon können wir nach einer Wanderung schön Kaffee trinken gehen.

Danke an alle Mitwirkenden und Helfer. Ich möchte mich auch noch einmal bei allen Freunden und Förderern bedanken. Diejenigen, die mit Geld- und Sachspenden das Gelingen eines solchen Projekts ermöglichen, besonders der Caritas Koblenz und dem Sozialen Netzwerk Koblenz. Ich bedanke mich bei denen, die bei unseren Veranstaltungen mit viel Aufwand persönlich mitwirken, auch den vielen ungenannten Helfern im Hintergrund, die organisieren, transportieren und vieles mehr. Nur durch das Zusammenwirken von diesen überzeugten Helfern und Förderern war das bisher Erreichte möglich. Bleibt gesund und sportlich!“

Bericht von Manfred Beuth