Archivierter Artikel vom 14.02.2019, 12:57 Uhr
Vallendar

Die Arbeit mit Bibliodrama und Bibliolog als Kerngeschäft

Festwochenende anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Geistlichen Zentrums an Haus Wasserburg am Pallottifest.

„Gottlos glücklich, ein erfülltes Leben braucht keinen Glauben“. Mit diesem provozierenden Satz auf dem T-Shirt eines Mannes überraschte das Team des Geistlichen Zentrums 120 Gäste zum Festakt anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Geistlichen Zentrums an Haus Wasserburg. „Was heißt „glücklich“ und was ist Erfüllung in einer Gesellschaft, in der Gott scheinbar oder oftmals nur noch als antiquiertes Bedürfnis, wahrgenommen wird, um Lebensglück und Sinn zu finden?,“ fragt das Teammitglied Christina Hacker zu Beginn ihrer Rückschau auf 20 Jahre Arbeit im Geistlichen Zentrum. „Nach Gott fragen, Gott Raum geben in unserer Zeit und Welt von heute“ – darum ging es, und darum geht es uns, dem Team vom geistlichen Zentrum im Verbund mit allen anderen hier am Ort.“

Der Leiter des Geistlichen Zentrums Dirk Gottwald, hatte bereits in seiner Begrüßungsansprache „die Gottesspur in dieser Welt in konkreten Menschen“ gelegt und die Jubiläumsfeier in den Zusammenhang des jährlichen Pallottifestes gestellt und gefragt: „Wie können wir heute seine Erbe in unserer Zeit, mit unseren Bedingungen und Möglichkeiten, ins Wort und Handeln weiterführen? Mit sagen, wo es langgeht, wird diese Frage nicht beantwortet. Sich der Gottesfrage nähern, geht nur im gemeinsamen Ringen.

Sehr bald wurde dem aufmerksamen Publikum klar, dass sich das Team in den verschiedensten Facetten ihrer Angebote „herausgefordert fühlt, Gott zur Sprache zu bringen, da, wo es Menschen zuweilen auch die Sprache verschlägt, Räume zu eröffnen, in denen Gott erfahrbar werden kann wie ein Magnetfeld, das erst sichtbar wird, wenn es seine bewegende Kraft ausübt“, so Hacker.

Kurzweilig stellten die Mitglieder des Geistlichen Zentrums ihr „Kerngeschäft“ vor: Die Arbeit mit Bibliodrama und Bibliolog. Menschen machten durchweg die Erfahrung, dass jede persönliche Auseinandersetzung mit biblischen Texten eine Erfahrung sei, die im wahrsten Sinne des Wortes durch sie hindurchfahre. Damit seien sie sowohl im Spiel auf der Grundlage eines biblischen Textes, als auch in der Dramatik des eigenen Lebens. Dies mit Menschen, die ebenfalls auf der Suche seien und lernen möchten, mit anderen den Glauben zu buchstabieren. „Wir bieten mit unseren Bibliodrama- und Bibliologangeboten geschützte Räume, in denen wir Glaubenskommunikation lernen,“ fasst Arthur Pfeifer diese Arbeit zusammen.

„Das Leben auf Gott hin und von Gott her anschauen und deuten“, das sei die Überschrift für alle Formen von persönlicher Beratung, geistlicher Begleitung, Supervision“, greift die Moderatorin Hacker den Faden auf. „Letztendlich fußt all das auf unserem Verständnis von Seelsorge: Menschen zu begleiten auf ihrem Weg, zuweilen stellvertretend für sie oder in Glaubenskommunikation mit ihnen die Zusage Gottes durchzubuchstabieren für ihr Leben“, umreißt Dirk Gottwald, seine Ausführungen über die Arbeitsfelder der verschieden Beratungsangebote, ohne zu verschweigen, dass das, was wir als Gott anzusprechen gewohnt waren, sich mehr und mehr verflüchtigt.

Diese schleichende „Gotteserosion“, beobachten wir alle in unserer Arbeit und führt zum Erleben auch der eigenen Sprach- und Ratlosigkeit“, moderiert Hacker und schlägt die Brücke zu einer dritten Säule der Arbeit: Die Arbeit mit Führungspersönlichkeiten in christlichen Einrichtungen, wie Schulen, Krankenhäuser oder Altenheime.

„In solchen Einrichtungen“, weiß Helga Schmitt aus eigener Erfahrung, „erinnern oftmals nur noch die neu aufgelegten Leitbilder daran, was die ursprünglichen Gründer und Gründerinnen aus dem Feuer der Leidenschaft ihrer Gottsuche in die Zukunft tragen wollten. Grund genug einen gesellschaftlichen Beitrag dazu zu leisten, Menschen in Schlüsselpositionen zu qualifizieren, in ihren Einrichtungen organisations-prägend zu wirken und zunehmend die Frage nach Gott zu stellen.

Das große Tor zur Grundthematik dieser Feier hatte bereits Gotthard Fuchs am Samstag in einem fesselnden Vortrag unter dem Thema: „Geh vor mir und sei ganz“ (Gn17,1) – Die befreiende Kraft biblischen Gottesglaubens“ gelegt.

In drei biblischen Workshops griffen nachmittags ca. 70 Teilnehmer die Thematik sehr lebensnah auf und stießen am Abend zu den Besuchern in der Pallottikirche, in der es Andreas Knapp unter dem Thema „Sucht neue Worte, das Wort zu verkünden“ – Über das Reden von Gott in säkularer Zeit“ verstand, seine Zuhörer mit seinen Gedichten , Texten und persönlichen Erfahrungen in gottfeindlichen Situationen zu fesseln.

Nach so viel Input wundert es kaum, dass am Sonntagvormittag in der überbesetzten Pallottikirche die Gottesdienstbesucher lebhaft am Bibliolog über die Aussendung der 72 Jünger (Lk10,1-16) teilnahmen.

So rundete sich das Fest, das der Rektor der Niederlassung, Jörg Gattwinkel, in seiner Begrüßungsansprache in den größeren Zusammenhang des Lebens und Arbeitens der Gesamtniederlassung Haus Wasserburg gestellt hatte: „Uns allen hier am Ort geht es darum, die großartige Idee unsres Gründers Vinzenz Pallotti aufzugreifen, auszuweiten, weiterzudenken, anzupassen. Das sollte uns mit der Leidenschaft dieses Mannes verbinden, der in allem Gott begegnete. Dem, so Gattwinkel, sei Haus Wasserburg seit je her nachgegangen, im vollen Bewusstsein, dass jede Zeit nach zeitimmanenten Antworten verlange. Darin nicht träge zu werden, sei ein Merkmal wirklich inspirierter Ideen von Menschen. „Zu diesen Ideen können wir mit Stolz und Zuversicht auch das Geistliche Zentrum für Spiritualität und Begleitung an Haus Wasserburg zählen. Uns tut allen gut, mit dem Titel „Geistliches Zentrum“ uns selbst und alle unsere Aktivitäten am Ort immer neu mit dem Zentrum unserer Motivation in Berührung zu bringen“ und schloss: „Glück, Leidenschaft und den Segen Gottes“ allen, die sich an diesem Ort engagieren. (von Arthur Pfeifer SAC 2019)