Archivierter Artikel vom 30.05.2018, 12:39 Uhr
Koblenz

Barockmusik im stimmungsvollen Ambiente ermöglicht

Das Publikum genoss die Matinée der FBG Koblenz im Fürstenzimmer. Das Ensemble „Music for while" hat es sich zur Aufgabe gemacht, Musik aus dem Barock und der Renaissance möglichst originalgetreu zu interpretieren.

Foto: FBG Koblenz

Die Freie Bürgergruppe Koblenz lud zu einer beeindruckenden Matinée ins Fürstenzimmer ein. Schon der Gang durch den blühenden Innenhof des Koblenzer Rathauses ließ erahnen, welche Klänge an diesem sonnigen Morgen auf das Publikum zu kam.

Die Ruhe des Sonntags wurde erfüllt von Klängen barockem Instrumenet und dem klaren lyrischen Sopran von Heidrun Mathan, der stimmlichen Komponente von „Music for while“. Dieses Ensemble hat es sich zur Aufgabe gemacht, Musik aus dem Barock und der Renaissance möglichst originalgetreu zu interpretieren. Wo könnte diese Musik dann noch besser klingen als im Ostflügel des Koblenzer Rathauses, das der Kurfürst Carl Casper von der Leyen im Jahr 1670 erbauen ließ? Die FBG Koblenz hatte es ermöglicht, dass durch Spenden und Handwerker, die ihre Arbeitskraft und auch Material kostenlos zur Verfügung stellten, das Fürstenzimmer wieder in neuem Glanz erstrahlt. Dadurch wurden die Kosten um 100.000 Euro günstiger, als zuvor veranschlagt!

Zu diesem Erfolg hatte auch das musikalische Ensemble mit einem Benfizkonzert vor drei Jahren beigetragen, und die FBG löste ihr Versprechen ein, das die Musiker die ersten sein werden, die ein Konzert im frisch renovierten Fürstenzimmer geben dürfen.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der FBG, Walter Baum konnten die Freunde der Barockmusik im bis auf den letzten Platz besetzten Fürstenzimmer einem hochkarätigen Programm folgen, das ganz unter dem Zeichen italienischer Komponisten stand. Italienisch war zur Zeit des Barock eine Sprache, die als „en vogue“ galt, so die Sopranistin. Werke von Falconieri, Frescobaldi und Caccini erfüllten den Raum mit enorm weichen Klängen. Hermann Spitzmüller an der Viola da Gamba, Klaus Theis an der Theorbe, einer den Lauten zugeordnetes Instrument, und Mareike Faber an verschiedenen Flöten begleiteten Heidrun Mathan zu ihrem ausdrucksstarkem Gesang.

Nach dem ersten Block erzählte Manfred Gniffke dem interessierten Publikum in seiner bekannt humorvollen Art einiges zu dem Engagement der FBG und den kuriosen Funden in dem Fürstenzimmer. So sind beispielsweise steinerne Kanonenkugeln unter dem Fußboden zu Tage getreten, die nun auf bei dem Landesamt für Archäologie gelagert werden.

Als nächstes erklangen barocke Weisen von Juan Aranes und Henri de Bailly unter anderem auch in Spanisch. Spanisch war die Hofsprache des Vize-Königreichs in Neapel. Die Zuhörer lauschten einer gut aufgelegten und sehr aufeinander abgestimmten Künstlergruppe und attestierte ihre eigene Fröhlichkeit mit begeistertem Applaus.

Luigi Rossi und Claudio Monteverdi gaben dem dritten Block des Konzertes ihre Handschrift. Teilweise verschmolzen Flöte und Gesang zu einem stimmlichen Duett in höchster Qualität. Die hohe Luftfeuchtigkeit an diesem Morgen forderte von den Musikern und ihren Instrumenten höchste Konzentration ab. Die Natursaiten der Viola da Gamba, einem Instrument, das rein äußerlich und in der Handhabung einem Cello gleicht, mussten nach jedem Stück nachgestimmt werden.

Walter Baum stellte mit einem Augenzwinkern fest, dass es manchmal gut wäre, wenn verstimmte Ratskollegen so schnell wieder in eine gute Stimmung gebracht werden könnten. Die Passacaglia ist ein Tanz und eine sehr beliebte Variationsform des Barock in einem Dreiermetrum; sie steht häufig in Moll, und hat oft einen weichen oder melancholischen Ausdruck. Dazu erklangen Stücke von Falconieri und Monteverdi, in dessen Prolog eine Strophe sehr passend zu der Matinée klingt: Während ich nun meine Lieder singe, bald heiter bald traurig, mögen die Vögel auf den Bäumen schweigen, soll an den Ufern keine Welle schlagen und jedes Lüftchen still verweilen. Mit Barbara Strozzis „Amore e bandito“ beendete das Ensemble ihre Kammermusik im barocken Ambiente.

Walter Baum bedankte sich im Namen der FBG Koblenz bei den Künstlern und bei dem Publikum für einen hochkarätigen musikalischen Leckerbissen und forderte die Zuhörer auf, für die Einrichtung des Fürstenzimmers zu spenden, damit solche Veranstaltungen in Zukunft in einem noch schöneren und würdigen Rahmen stattfinden können. Der Oberbürgermeister David Langner, die Kulturdezernentin Dr. Margit Theis-Scholz sowie der Bundestagsabgeordnete Detlev Pilger, die den Musikern und der FBG ihre Begeisterung mitteilten, sagten ihre Unterstützung zu einer weiteren Nutzung dieses Raumes zu. Die Kulturdezernentin versprach auch, diesen Raum beim Tag des offenen Denkmals öffentlich zugänglich zu machen. Eine gelungene Veranstaltung klang bei herrlichem Sonntagswetter im Innenhof des Rathauses unter Rosenblüten bei einem Glas Wein und weiteren Plänen zu solchen Veranstaltungen aus.