Berlin/ Rheinland-Pfalz

Gesundheit

Zahl der Praxisärzte steigt: So ist die Lage in Rheinland-Pfalz

Von dpa
Schild mit Aufschrift «Arzt»
ARCHIV - Bei den Hausarztpraxen zeigte sich erstmals seit mehreren Jahren kein Rückgang mehr. Foto: Tom Weller/dpa

Die Gesundheitsversorgung in der Nähe ist vielen wichtig. Insgesamt gibt es mehr niedergelassene Mediziner, nur die Behandlungskapazität steigt nicht so stark. Wie der Stand bei Hausärztinnen und Hausärzten ist und wie hoch der Frauenanteil in Rheinland-Pfalz ist.

Lesezeit: 2 Minuten
Anzeige

Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in den Praxen ist weiter gestiegen – der Trend zur Teilzeitbeschäftigung hält aber an. Ende vergangenen Jahres waren 187.441 Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit einer Zulassung zur Versorgung von gesetzlich Versicherten tätig. Das geht aus einer Auswertung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Damit waren es 2143 mehr als Ende 2022. Erstmals gab es jedoch mehr als 60.000 Medizinerinnen und Mediziner in Teilzeit.

Kein Rückgang bei Hausarztpraxen

Bei den Hausarztpraxen zeigte sich erstmals seit mehreren Jahren kein Rückgang mehr. Zum Stichtag 31. Dezember 2023 gab es demnach laut Bundesarztregister 51.389 Hausärztinnen und Hausärzte und damit 75 mehr als Ende 2022. Zehn Jahre zuvor waren es aber noch 52.262 Hausärztinnen und Hausärzte gewesen.

KBV-Chef Andreas Gassen sagte: „Die Praxis vor Ort ist ein Faktor der sozialen Stabilität.“ Wenn Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) richtigerweise davon spreche, die ambulante Versorgung stärken zu wollen, dann müsse es darum gehen, die Rahmenbedingungen für die Praxen zu verbessern und nicht, sie in ein immer starreres Regelwerk zu zwingen. Die niedergelassen Haus- und Fachärzte seien mit einer Milliarde Patientenkontakten im Jahr das Rückgrat der Versorgung.

Insgesamt wuchs die Zahl der Ärztinnen und Ärzte im Vergleich zu Ende 2022 leicht um 0,7 Prozent auf nun 153.726. Darunter waren 49.217 angestellte Ärztinnen und Ärzte, denen die Praxis nicht selbst gehört. Die Zahl der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten stieg den neuen Daten zufolge um 3,4 Prozent auf 33.715. Der Teilzeit-Anteil liegt im Schnitt aller Fachgruppen bei 35,8 Prozent. Vor diesem Hintergrund bleibe die Ressource Zeit knapp, erläuterte die KBV.

Der Anstieg des Durchschnittsalters flaute in den vergangenen Jahren ab, wie es in der Auswertung heißt. Wie 2022 lag der Schnitt Ende 2023 bei 54,1 Jahren. Im Jahr 2001 hatte er noch bei knapp unter 50 Jahren gelegen. Den höchsten Altersschnitt gibt es aktuell bei ärztlichen Psychotherapeuten mit gut 60 Jahren, bei Hausärzten liegt er bei gut 55 Jahren.

Frauen auf dem Vormarsch

Frauen sind in den Praxen weiter auf dem Vormarsch. Psychotherapeutinnen und Ärztinnen kommen zusammengenommen nun auf 51,5 Prozent, nachdem sie 2022 erstmals die 50-Prozent-Marke überschritten hatten. Erstmals in der Mehrzahl im Vergleich zu den männlichen Kollegen sind nun auch Hausärztinnen (50,5 Prozent).

Lauterbach hatte deutlich gemacht, dass ein dichtes Netz von Hausarztpraxen auf längere Sicht nicht gesichert ist. In vielen Bereichen auf dem Land und in ärmeren Stadtteilen werde es künftig nicht möglich sein, einen Hausarzt zu finden. Um dem entgegenzuwirken, soll ein Gesetz bessere Arbeitsbedingungen schaffen. Unter anderem sollen für Hausärzte Vergütungs-Obergrenzen (Budgets) wegfallen. In Regionen mit vielen sozial benachteiligten Menschen sollen Gesundheitskioske als leicht zugängliche Beratungsstellen für Behandlung und Prävention entstehen.

KBV-Chef Gassen sagte: „Wir brauchen keine Versorgung-light in sogenannten Gesundheitskiosken, sondern angemessene Strukturen für die Haus- und Facharztpraxen.“ KBV-Vize Stephan Hofmeister erläuterte, im Prinzip sei eine Niederlassung mit einer Praxis eine gute Option, um selbstständig zu arbeiten und auch Familie und Beruf zu vereinbaren.

Trotzdem sei die Gefahr eines „Ausblutens“ der Versorgung nicht gebannt. Mit den derzeit schlechten Rahmenbedingungen dürfte es schwierig sein, junge Kolleginnen und Kollegen zu gewinnen. Dazu zählten überbordende Bürokratie und nicht funktionierende Digitalisierung.