Mainz

Weißer Ring macht „Zivilcourage“ zum Jahresthema 2022

Die Opferschutzorganisation Weißer Ring will „Zivilcourage“ zu ihrem Thema 2022 machen. „Beim Jahresthema „Hass und Hetze“ 2021 haben wir nach unseren Veröffentlichungen dazu Drohmails, Briefe und Austritte aus dem Verein bekommen – von Leuten, die mit dieser Linie nicht einverstanden sind“, sagte der Bundesvorsitzende der Hilfsorganisation, Jörg Ziercke, der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. „Das hängt teilweise auch mit unserem AfD-Beschluss zusammen, dass wir als Verein keine Zusammenarbeit wollen.“ Dazu gehöre auch, keine Spenden von der AfD anzunehmen.

Gewalt an Frauen
Eine Notfallkarte mit dem Aufdruck „Gewalt gegen Frauen ist kein privates Problem“.
Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

„Es geht um die Kultur des Hin- und nicht des Wegsehens“, sagte Ziercke, der auch Präsident des Bundeskriminalamts war. Dies sei gerade auch für eine Organisation mit so vielen – rund 3000 – Ehrenamtlichen wichtig. Gemeinsam mit der Polizei wolle man Anregungen geben, wie man sich in bedrohlichen Situationen verhalten kann. „Natürlich soll keiner den Helden spielen, sondern auf sich aufmerksam machen, Leute mit ranholen, gemeinsam gegen solche Leute vorgehen.“

Neben den schrecklichen Taten von Halle, Hanau, dem Mord in der Tankstelle von Idar-Oberstein sowie dem Mordversuch in einem Getränkemarkt in Nauheim sei „das Bedrohliche, dass die Verrohung schon in der Sprache zum Ausdruck kommt und noch zunimmt“, betonte Ziercke.

Viele Betroffene zögen sich nach solchen Kommentaren ganz aus den Sozialen Netzwerken zurück. „Dieses Verstummen von Menschen gefährdet die Demokratie“, sagte Ziercke. Dagegen müsse sich auch der Staat wenden.

© dpa-infocom, dpa:220101-99-559211/3

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