Archivierter Artikel vom 10.04.2020, 10:00 Uhr

Weine aus historischen Rebsorten zur Kaiser-Ausstellung

Neustadt an der Weinstraße (dpa/lrs) – Den Geschmack des Mittelalters wollen drei Weine vermitteln, die zur Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ abgefüllt wurden. Neben einem „Kaiserwein“ zur Erinnerung an Kaiser Friedrich Barbarossa sind diese Weine aus den Trauben von Rebsorten produziert worden, die bereits im Mittelalter angebaut wurden.

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Trauben hängen an einer Weinrebe
Trauben hängen an einer Weinrebe.
Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Trotz schwieriger Quellenlage habe er versucht, sich auch beim Ausbau der Weine an mittelalterlichen Traditionen zu orientieren, sagt der Betriebsleiter des Staatsweinguts mit Johannitergut in Neustadt an der Weinstraße, Sascha Wolz. „Wichtig war für mich, dass alle drei Weine im Holzfass gereift sind – in einem Barrique mit 225 Litern oder einem Tonneau mit 500 Litern.“

Heute kaum noch bekannt ist die Rebsorte Gänsfüßer, die im Mittelalter auch unter dem Namen Argant geführt wurde. „Das Blatt der Rebe erinnert an einen Gänsefuß“, erklärt Wolz. Zu dieser Rebsorte gab es einen Erlass des Administrators des pfälzischen Kurfürsten Johann Casimir aus dem Jahr 1584, wonach nur dann ein Weinberg mit Gänsfüßer ausgehauen werden durfte, wenn ein neuer Weinberg mit dieser Rotweinsorte gepflanzt wurde. Andere Rebsorten erwiesen sich aber als vorteilhafter. Vereinzelt blieb der zu besonders kräftigen Pflanzen heranwachsende Gänsfüßer aber als Hausrebe erhalten und überspannt dann ganze Hofflächen.

Die beiden anderen Rebsorten mit Tradition bis ins Mittelalter werden bis heute angebaut. Der Spätburgunder reiche bis ins 11. und 12. Jahrhundert zurück, erklärt Wolz. Der Wein zur Landesausstellung ist ein 2015er, der vier Jahre lang im Holzfass reifen durfte und damit eine besonders weiche Aromatik erhielt. Vervollständigt wird der Reigen von einem Gewürztraminer, der, so erklärt der Winzer, erst ein jugendliches Aroma mit frischem Rosenduft zeige, dann aber auch einen füllig-opulenten Geschmack habe.

Qualitätsunterschiede seien den Menschen im Mittelalter durchaus bewusst gewesen, sagt Wolz. Dabei sei aber die Rebsorte weit weniger bedeutsam gewesen als der Ort.

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