Mainz

Vorsitzende der Hausärzte: Medizinische Versorgung in Gefahr

Die Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Hausärzteverbands, Barbara Römer, sieht wegen der neuen Regelungen des Bundesinfektionsschutzgesetzes die medizinische Versorgung in Gefahr. Unabhängig davon, ob sie geimpft oder genesen seien, bräuchten Eltern jetzt einen Corona-Schnelltest, wenn sie ihre Kinder zum Arzt begleiten, kritisierte Römer am Mittwoch im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Dies gelte auch für Begleiter hilfsbedürftiger alter Menschen und für Angehörige, die nur ein Rezept abholen wollten. „Mit den elektronischen Rezepten funktioniert es ja immer noch nicht.“

Von dpa/lrs
Barbara Römer
Barbara Römer, Fachärztin für Allgemeinmedizin und 1. Vorsitzende des Hausärzteverbandes Rheinland-Pfalz.
Foto: Arne Dedert/dpa/Bildarchiv

Dazu komme die Testpflicht für alle Mitarbeiter in den medizinischen Einrichtungen, unabhängig von ihrem Impfstatus. „Das sind Hunderttausende von Mitarbeitern in den Praxen, Krankenhäusern, Reha-Kliniken, der stationären und ambulanten Pflege, der Ergo-, Phsyio- und Logopädie“, sagte Römer. „Diese neue Vorgabe gefährdet flächendeckend die Patientenversorgung.“

Für die Apotheken sei es jetzt schon schwierig, ausreichend Antigentests zu bekommen und jetzt werde der Bedarf explodieren. „Sollen wir die Praxen schließen, wenn wir nicht testen können?“, fragte Römer. Auch der Grippeimpfstoff sei ja nicht jeden Tag vorrätig. Zudem entstünden den medizinischen Einrichtungen mit den Tests Kosten und zusätzlicher Aufwand.

„Es macht auch medizinisch kaum Sinn, vollständig Geimpfte täglich zu testen“, sagte Römer. Die Aussagekraft sei zu schlecht, weil die Viruslast oft so niedrig sei, dass dies nicht abgebildet werde. „Es muss einen Unterschied machen, ob jemand geimpft ist oder nicht“, betonte die Medizinerin.

„Alle dreimal impfen und konsequent Maske tragen“ sei viel sinnvoller. „Damit ist die Influenza im letzten Jahr ausgefallen“, betonte Römer.

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