Archivierter Artikel vom 10.12.2019, 17:50 Uhr

Unimedizin-Chef spricht von „massivem Fachkräftemangel“

An der Unimedizin hat es zuletzt viel Unmut gegeben, vor allem unter Pflegekräften. In einer Sondersitzung zweier Landtagsausschüsse berichtet die Klinikleitung vom massiven Mangel an Fachpersonal und äußert sich zu von Pflegern geschilderten krassen Vorfällen.

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Norbert Pfeiffer
Norbert Pfeiffer, Medizinischer Vorstand und Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Mainz.
Foto: Andreas Arnold/dpa

Mainz (dpa/lrs). Der Vorstandsvorsitzende der Mainzer Universitätsmedizin, Norbert Pfeiffer, wünscht sich mehr Geld vom Land Rheinland-Pfalz. Es sei durchaus eine Herausforderung, dass Zuweisungen in den vergangenen Jahren größtenteils unverändert geblieben seien, bei steigenden Kosten für Personal, sagte er am Dienstag in einer gemeinsamen Sitzung von Wissenschafts- und Gesundheitsausschuss des Landtages in Mainz. Derzeit laufe ein Dialog mit dem Land, wo nachgebessert werden müsse.

Die Mittel seien für ein Haus wie die Unimedizin knapp, das lasse einen die Mittel klug einsetzen, sagte Pfeiffer. „Aber irgendwann geht es auch nicht mehr.“ Wann dieser Punkt erreicht sei, darüber gebe es freilich etwas abweichende Ansichten zwischen Unimedizin und Wissenschaftsministerium. Klar sei, das Land müsse etwas tun.

Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD) verwies unter anderem darauf, dass die jährlichen Zuführungsbeträge im laufenden Doppelhaushalt erhöht worden seien. Ziel sei nun, mit der Universitätsmedizin die Bedarfe für die Zukunft zu definieren. Pfeiffer sagte, für die höheren Zuführungen sei man dankbar, sie reichten aber nicht aus, um die Unimedizin dauerhaft in eine solide Finanzlage zu versetzen.

CDU-Fraktionsvize Gerd Schreiner sprach von einer „chronischen Unterfinanzierung“. Der gesundheitspolitische Sprecher Christoph Gensch ergänzte, wenn Preissteigerungen nicht durch erhöhte Zuführungen des Landes ausgeglichen würden, seien „Defizite und ein Sanierungsstau in Millionenhöhe vorprogrammiert“.

Die Lage an der größten rheinland-pfälzischen Klinik war auf Antrag der CDU-Fraktion Thema in der Sondersitzung. Vor kurzem hatten Pflegekräfte aus dem Haus wegen der hohen Arbeitsbelastung mit einem Streik gedroht. Im Gesundheitsausschuss hatten einige eine Petition überreicht. Eine Pflegerin aus der Psychiatrie schilderte seinerzeit, wie eine depressive Patientin in einer Situation mit Personalmangel immer stiller geworden sei und versucht habe, sich das Leben zu nehmen. Ein Pfleger berichtete, der Tod einer chronisch kranken Frau sei erst Stunden später bemerkt worden, weil Personal fehlte.

Vorstandschef Pfeiffer sagte, man sei betroffen, dass es möglicherweise einen kausalen Zusammenhang zwischen Personalmangel und diesen Vorfällen gebe. Es sei versucht worden, dies zu ergründen, das sei in Gänze leider nicht gelungen. In der Psychiatrie habe es im vergangenen Jahr vier Überlastungsanzeigen gegeben. Zwar sei jede eine zu viel, aber das sei insgesamt noch eine akzeptable Größe.

Die Unimedizin tue viel, um an zusätzliche Pflegekräfte zu kommen, betonte Pfeiffer. Aber: „Pflege und das Gesundheitssystem insgesamt bleiben problematisch.“ Die Arbeit umfasse lange Schichten, Wochenend- und Nachtdienste. Die durchschnittliche Verweildauer im Beruf liege bei Pflegekräften bei gerade mal sieben Jahren. Wegen des „massiven Fachkräftemangels“ könnten an manchen Stellen Operationssäle oder Stationen nicht besetzt werden, sagte Pfeiffer. „Die Situation in der Pflege macht uns betroffen und lässt uns nicht kalt.“ Diese betreffe aber nicht nur die Unimedizin, sondern viele Häuser in Deutschland.

Pfeiffer und der kaufmännische Vorstand der Unimedizin, Christian Elsner, verwiesen auf den zuletzt mit der Gewerkschaft Verdi vereinbarten Tarifvertrag Entlastung. Dieser legt für die Zukunft Soll-Zahlen für die Besetzung einzelner Stationen fest und gewährt Beschäftigten einen Freizeitausgleich nach Schichten in einer Unterbesetzung. Dies mache die Unimedizin als Arbeitgeber attraktiver.

Pflegevorstand Marion Hahn berichtete, es würden viele Maßnahmen ergriffen, um an Pflegepersonal zu kommen. Es gebe beispielsweise Anpassungslehrgänge für ausländische Kräfte. Sie verwies auch auf ein Projekt des Bundeswirtschaftsministeriums, womit sich Vietnamesen für die Pflegebranche in Deutschland qualifizieren können. All die Maßnahmen griffen aber nicht so, wie es wünschenswert wäre, sagte Hahn. Wie viele Pflegekräfte der Unimedizin genau fehlten, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, berichtete Elsner.