Archivierter Artikel vom 19.03.2021, 06:00 Uhr

Uhu brütet in der Eifel: Hunderte schauen zu

Vor fünf Jahrzehnten war der Uhu in Rheinland-Pfalz ausgestorben. Inzwischen brütet er wieder regelmäßig in Felsnischen. Über eine Webcam kann man in diesen Wochen der Uhu-Dame Lotte dabei zuschauen.

Das Uhuweibchen Lotte brütet in einer Felsnische
Das Uhuweibchen Lotte brütet in einer Felsnische.
Foto: Peter Zschunke/dpa-Zentralbild/dpa

Bad Neuenahr-Ahrweiler (dpa/lrs) – Mit großer Ausdauer sitzt Uhu-Dame Lotte auf drei Eiern. Mit ihrem Körper schenkt sie dem neuen Eulenleben in ihrem Felsenhorst im Kreis Ahrweiler die nötige Wärme. Lotte ahnt nicht, dass ihr Hunderte von Menschen über das Internet beim Brutgeschäft zuschauen. Den besonderen Blick auf den Brutalltag ermöglicht eine Webcam der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen.

Die Naturschützer freuen sich, dass das Nest wie im vergangenen Jahr schon wieder besetzt ist. „Etliche Uhus haben den Brutbeginn in diesem Jahr aufgrund der kühlen Temperaturen hinausgezögert“, sagt der Vorsitzende der Gesellschaft, Stefan Brücher. Gut ein Drittel der Uhus in der Eifel – im vergangenen Jahr gab es dort 164 Brutplätze – brütet in Steinbrüchen mit Abbaubetrieb. Dort sammelt sich die Kälte, und Sonnenstrahlen kommen kaum an die Felswand. Aus der Vergangenheit weiß Brücher, dass manche Uhus dann später noch zu brüten beginnen, andere aber auch ein Jahr aussetzen.

Etwa fünf Wochen lang sitzt das Uhu-Weibchen auf den Eiern. Im vergangenen Jahr zählte Brücher 240 junge Uhus. In guten Jahren waren es schon mal 350, in schlechten Jahren sind es nur 120. Nach dem Schlüpfen der Jungtiere wartet Brücher noch etwa vier Wochen, bis sie groß genug sind, um sie zu beringen. Der Ring über dem Fuß ist wie ein Personalausweis für Uhus – so kann der spätere Werdegang der großen Vögel verfolgt werden. Der Bestand in ganz Rheinland-Pfalz wird auf 300 bis 400 Brutpaare geschätzt, nachdem der Uhu in den 1970er Jahren hier bereits als ausgestorben galt.

In einem Tagebuch zur Webcam hält Brücher fest, was alles passiert. Am vergangenen Dienstag legte Lotte ein drittes Ei. Da die Nahrung im Revier des Brutpaares begrenzt ist, spreche dies für „eine eher optimistische Familienplanung“. Da immer wieder mal auch ein Ei zu Schaden kommen könne, habe Lotte vielleicht instinktiv und vorsichtshalber ein Ei mehr gelegt.

Zum Schutz der Uhus ist die Gesellschaft zur Erhaltung der Uhus immer wieder im Gespräch mit Steinbruchbetreibern, Stromversorgern und Behörden. Der Uhu galt lange Zeit als unerwünschter Konkurrent für die sogenannte Niederwildjagd, also auf Hasen, Marder oder Füchse. Es wurden Prämien gezahlt für das Abschießen von Uhus, nachzuweisen mit der Vorlage der Uhukrallen. Damals wurde der vermutlich letzte wildlebende Uhu in Rheinland-Pfalz im April 1973 tot im Nettetal in der Eifel gefunden. Danach betrieben Vogelschützer die Wiederansiedlung mit der Auswilderung von Jungtieren aus der Volierenzucht.

Die meiste Zeit sitzt die zwölf Jahre alte Lotte still auf ihren Eiern, mit geschlossenen Augen. Nahrung bekommt sie von ihrem Partner Leo, der Mäuse oder auch mal ein Kaninchen jagt. Manchmal dreht Lotte auch anmutig den Kopf, putzt sich Gefieder und Füße. Oder lässt kurz ihren charakteristischen Ruf erklingen: „U-uuuuh!“

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Uhu-Webcam